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| Foto John Niedermeyer |
Die eiserne Lady ist - wie viele Führungsfrauen - in einer Krisensituation berufen worden. Denn der "Gray Lady", wie ihr Traditionsblatt liebevoll genannt wird, geht es schlecht.
Zwar trägt der 2011 gestartete Versuch, auch die Internet-Leser für journalistische Inhalte bezahlen zu lassen, inzwischen hoffnungsvolle Früchte: Die Einnahmen sind höher als erwartet. Aber die Print-Auflage und die Werbeeinnahmen sind auch letztes Jahr weiter gesunken. Unvergessen sind die Kündigungen, die Abramsons Vorgänger Bill Keller vor zwei Jahren aussprechen musste: 100 Journalisten mussten gehen, über weitere Entlassungen wird spekuliert. Die gute Nachricht: Es sind immer noch 1200 Journalisten an Bord.
Journalistisch steht die neue Chefin, die zuvor beim Time Magazine und beim Wall Street Journal gearbeitet hat, für tiefschürfende, gut recherchierte Geschichten. Die "Verquickung von Macht, Geld und manchmal auch Sex" in der Politik sei ihr Lieblingsthema, schreibt Hülsen. "Sie ist unglaublich gut darin, den Motiven von Menschen auf die Spur zu kommen, tief zu graben, um den Hintergrund einer Geschichte zu verstehen", bescheinigt ihr ein Kollege.
Ihr Umgang mit der Redaktion, die sie zu leiten hat, sei eher rau, berichten Insider. In Konferenzen stelle sie inquisitorische Fragen, unterbreche langatmige Schilderungen, könne sehr brüsk sein. Dennoch sei ihre Karriere für die Frauen der NYT, die sich so lange als "Menschen zweiter Klasse" fühlen mussten, ein Triumph.
Fazit: Man möchte Jill Abramson nicht unbedingt zur Vorgesetzten haben. Aber als Vorbild taugt sie allemal.

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