Montag, 23. September 2013

Sprüh sie weg, meine Liebe! Frauenpower auf Arabisch

Das "Super-Girl" der ägyptischen Sprayerin Mira Shihadeh. Foto: Shihadeh

"Sprüh es weg, Habibti", hat jemand die kämpferische Figur auf Facebook getauft. Selbstbewusst und breitbeinig steht ihre Heldin da, die die Graffiti-Künstlerin Mira Shihadeh innerhalb von acht Minuten an die Hauswände Kairos sprüht. Daneben die klare Aufforderung: "Nein zur sexuellen Belästigung!". Wie viele andere ist Shihadeh dabei, "dieses Image der arabischen Frau als passives Opfer zu demontieren", wie die libysche Frauenrechtlerin Zahra Langhi es formuliert.

Der Nahost-Korrespondent Karim El-Gawhary (u.a. für die TAZ und das ORF) hat ein Buch über arabische Frauen geschrieben, weil auch er sicher ist, dass es bei all den Aufbrüchen und Kriegen in der arabischen Welt nur mit den Frauen eine Hoffnung auf Zukunft gibt. Und weil er zeigen will, dass die keineswegs alle duckmäuserisch und unterdrückt zu Hause verharren. Stattdessen geht's in diesem Buch um "Frauenpower auf Arabisch".

"Fleisch esse ich nur in meinen Träumen und an Feiertagen", erzählt Ghalia Alia Mahmoud, die seit 2011 für arme Menschen wie sie selbst eine Kochshow im ägyptischen Fernsehen leitet. Vier von zehn Ägyptern haben täglich nur etwas mehr als einen Euro zur Verfügung, und Alia Mahmoud zeigt ihnen, wie man mit ein paar Tomaten, Zwiebeln und Reis günstig und gut kocht. Inzwischen sind ihre Sendung und sie selbst Kult.

Wie die Brotverkäuferin eine Gewerkschaft gründete


Wunderbar auch die Geschichte von Abier Ashour, der es mit eisernem Willen gelungen ist, im ägyptischen Suez eine Gewerkschaft für Straßenbrotverkäuferinnen zu gründen. Nachdenklich die der Lastwagenfahrerin Ferial Khalil aus dem Nildelta, die mit 12 Jahren verheiratet wurde, sich mit 16 samt ihrem Baby von ihrem schlagenden Ehemann frei machte und seither allein ihren schweren LKW durch die Wüste steuert. Ihre traumatischen Erlebnisse aber begleiten sie. „Um ehrlich zu sein“, sagt sie, „ich fahre seit drei Jahrzehnten vor meiner Vergangenheit davon.“

Mit einfachen Mitteln zeigt die jemenitische Fotografin Bouschra Al-Mutawakil in ihren Aufnahmen, was es für Mädchen und Frauen bedeutet, ständig reglementiert zu werden.  So zeigt ihr Selbstporträt mit Tochter und Puppe, wie das Bunte nach und nach verschwindet, bis nur noch drei rabenschwarze, komplett verhüllte Babuschkas vor der Kamera sitzen.

Leben und Tod im Nahen Osten


Etliche Porträts bilden eine weitere, die ganz brutale Realität im Nahen Osten ab, wie etwa die  grauenhafte Geschichte der Palästinenserin Sabah Abu Halima, die ihren Mann, vier ihrer Kinder und ihre Schwiegertochter Ghada verlor, die allesamt von Phosphor-Granaten der Israelis im sogenannten "Gaza-Krieg" getroffen wurden.

Karim El-Gawhary hat seine Frauen-Porträts in die Rubriken "Stolze Pionierinnen", "Bittere Verliererinnen" und "Unerschrockene Kämpferinnen" unterteilt. Passt nicht immer ganz, diese Einordnung. Aber die Frauen sprechen ohnehin für sich, ganz ohne Etikett.

***
Magdalena Köster wird am 21. Oktober 2013 die Buchvorstellung "Frauenpower auf Arabisch" mit Karim El-Gawhary in der "Initiativgruppe" in München moderieren.

Keine Kommentare: