Freitag, 31. Oktober 2008

Wie Frau zu sein hat - ein Tag mit dem Privatfernsehen


Große Brüste sind die Hauptsache - sagt das Privatfernsehen.

Über das Privatfernsehen wurde schon so einiges gesagt. Aber was ich neulich bei "Lebe Deinen Traum" auf Pro 7 gesehen habe, war eindeutig in Ausreißer nach ganz unten in Sachen Frauenbilder. In der Sendung lernte ich, dass Frauen schön, schlank und vor allem dicke Titten haben müssen - auch nach zwei Kindern, die sie gestillt haben. Wo kämen wir denn dahin, wenn der Körper nach zwei Schwangerschaften nicht mehr topfit und gertenschlank ist? Zum Schönheitschirurgen, genau. Um die Ehe zu retten. Da zeigt Pro7 tatsächlich ein junges Paar: Er, der totale Macho, der seiner extrem schlanken, sehr schönen Frau damit droht, wenn sie ihre nun kleineren, etwas ungestrafften Brüste nicht wieder herrichten ließe, würde er fremdgehen und sie und die beiden kleinen Kinder verlassen. Sie ist gepanikt, schiebt natürlich alles auf sich, trägt auch im Dunkeln immer ein T-Shirt, muss sich die wenige Male zum Sex überwinden, wie sie leidend der Kamera anvertraut. Kein Problem hingegen hat sie, dem Fernsehteam zu zeigen, wie sie ihre Brüste eincremt. (Vielleicht wächst der Busen dann ja wieder?) Cut und nächste Szene - wir sehen sie in der Küche, sie räumt den Geschirrspüler aus, der Ehemann nähert sich von hinten, grabscht ihr an die Brüste, immerhin hat er ja ein Recht dazu, er ist ja ihr Ehemann. Bedrängt sie - zärtlich sieht irgendwie anders aus. Sie wehrt ab und sagt zu ihm: "Setz Dich ins Wohnzimmer. Ich bringe Dir gleich Dein Essen."
Er hingegen droht, sie zu verlassen - da er der Familienernährer ist, weiß sie, was das bedeutet: Armut!
Immer wieder werden vollbusige Fotoaufnahmen aus alten Zeiten gezeigt. Sie berichtet unter Tränen, dass er sie während der Schwangerschaft wegen ihrer Gewichtszunahme beleidigt hat und nach der Geburt der Kinder dazu gezwungen, binnen kürzester Zeit ihr altes Gewicht, besser weniger, wiederherzustellen. Und dann erst ihre furchtbar-abstößigen Schrumpeltitten!! Iiiiih!!! Zoom auf die kleinen Brüste, die durch ein entsprechendes Licht zwar nicht aussehen wie aus einem Pornomagazin, sondern einfach wie zwei sehr natürlich Brüste einer zweifachen Mutter. Während ich noch denke, dass sie mit fünf Kilo Gewichtszunahme a. ihre Brüste und b. ihre eigenen physischen Kräfte wiederherstellen könnte, um sich von diesem Vollarsch scheiden zu lassen - und endlich selbständig zu werden, um ihr eigenes Leben zu leben.... (wir erinnern uns, die Sendung heißt ja "Leb Deinen Traum!") hat Pro7 schon die helfende Idee: Eine Brust-OP muss her!

Sie nimmt also neben Haushalt und Kindern einen Zweitjob an, verschuldet sich (und nicht das Familieneinkommen, ist ja immerhin ihr abstoßender Körper, da muss schon streng unterschieden werden!), um ihre Ehe zu retten. Sie bekommt zwei Megamöpse, Schmerzen und Narben sind ihm egal. Ihr irgendwann auch. Jetzt sind die Titten sogar noch praller als zuvor. GEIL! Abschlussszene: Das Ehepaar macht wild im Schwimmbad herum. Sie ist glücklich, ihre Ehe und Familie gerettet zu haben und schwört treuherzig in die Kamera, dass sie das immer wieder tun würde.

Naaaaaa, ist das nicht schick? Eine Frau, die weiß, wo ihr Platz ist!

Was ich dann noch bei "Bauer sucht Frau!", "Frauentausch" und der "Super-Nanny" gesehen habe, erzähle ich ein anderes Mal. Jetzt muss ich erst einmal zum Kiosk, mir die neue 80-Cent-teure Frauenzeitschrift kaufen, die grad im Radio beworben wurde. Darin wird (ENDLICH!) enthüllt, warum Männer immer fremd gehen und wie wir Frauen das verhindern können. Außerdem sind 80 Cent etwas, sagt die Werbung, das Frau sich leisten kann. Der Verlag hat offenbar erkannt, dass Armut ein Frauenproblem ist! Obwohl, wenn ich die 80 Cent nur tüchtig spare, könnte ich mir demnächst eine Brust-OP leisten, damit mir mein Mann eben nicht fremdgeht...

1 Kommentar:

Angelika Knop hat gesagt…

Vielleicht sollte das Magazin eher heißen "Erlebe deinen Alptraum"? Und wir träumen von einer Sendung, in der sie der Frau den Scheidungsanwalt und eine Berufsausbildung bezahlen.