Mittwoch, 3. Februar 2021

Die Wilde 13 - Der Watch-Salon dreht eine letzte Runde

von Angelika Knop 

Wenn der Zeiger stehen bleibt ... / Foto: Rodolfo Barreto by unsplash.com

Im Juni 2008 haben wir zum ersten Mal in unseren Salon eingeladen - zur Kritik an Medien und Gesellschaft aus journalistischer und feministischer Perspektive. Im Jahr 2021 schlägt es 13 für dieses Blog. Und das heißt: der Zeiger der Zeit dreht normalerweise eine neue Runde auf dem Zifferblatt. Doch wir Salonistas fühlen: Einfach "Weiter so!" - danach ist uns nicht. 

Wir wollen zu neuen Ufern segeln - nachdenken, diskutieren: Wie sieht ein zeitgemäßer Kommunikationskanal für den Journalistinnenbund aus? Welche Themen, welche Optik, welche Strukturen, welche Formate brauchen wir? Und so ein Aufbruch braucht manchmal einen Abschied. Daher schließen wir die Pforten dieses Salons, auch wenn unser virtueller Treffpunkt nicht von Corona-Einschränkungen betroffen ist. Vielleicht ist uns die Entscheidung nur ein wenig leichter gefallen in einer Zeit, in der ohnehin so Vieles im Wandel ist. 

Doch vorher drehen wir noch eine Abschlussrunde, blicken zurück und voraus. In den kommenden Wochen erinnern sich an dieser Stelle derzeitige und ehemalige Autorinnen an Beiträge, die ihnen wichtig waren und sind. Manche Forderung und mancher Missstand ist (leider) immer noch aktuell. Doch das Ein oder Andere hat sich auch zum Besseren verändert. Manchmal haben wir daran mitgewirkt. Und Vieles ist im Fluss, wird sich hoffentlich in der Zukunft noch ändern. 

Blick zurück auf 13 Jahre

Einer unserer Posts, der am meisten gesucht und geklickt wird, ist "Der Sohn im OP-Saal" aus dem Jahr 2012. Damals hat unsere Autorin dieses vermeintliche "Logik-Rätsel" als Beweis dafür angesehen, wie wichtig eine gendergerechte Sprache ist. Denn im ersten Augenblick stutzen viele Zuhörer*innen oder Leser*innen, warum im "Chirurgenteam" denn jemand ruft "Das ist mein Sohn!", obwohl der Vater doch tot ist. Denn das im Team auch eine Mutter ist, macht das generische Maskulinum nicht deutlich. Heute hat der Journalistinnenbund das Projekt Genderleicht.de, über das es im "Handbuch geschlechtergerechte Sprache" der Professorinnen Gabriele Diewald und Anja Steinhauer heißt: 

"Hochaktuell und sehr ausführlich und umfassend ist ... die Seite Genderleicht.de des Journalistinnenbunds, die Hinweise besonders zum Gendern in den Medien gibt. Das ... Projekt ist ausgesprochen umfangreich angelegt ... Besonders aufschlussreich ist die Seite 'Textlabor', wo Beispiele und Probleme aus der Praxis diskutiert und mit gendergerechten Lösungsvorschlägen präsentiert werden."

Als wir mit unserem Blog antraten, war Angela Merkel im dritten Jahr Bundeskanzlerin - und sie wird planmäßig erst nach uns abtreten. Vielleicht hat sie dann ja Zeit zum Binge-Watching unserer Empfehlungen "Serien für die Feministin", die wir seit 2016 in loser Folge gegeben haben. Eine Bundespräsidentin ist nach wie vor überfällig, obwohl wir dazu schon 2012 ein paar Vorschläge hatten. Einige davon lassen sich nicht mehr verwirklichen, weil die Kandidatinnen gestorben sind. Andere würden wir heute nicht mehr auf die Liste setzen. Auch über "Frauenpower für die Wissenschaftspublizistik" haben wir uns schon 2013 Gedanken gemacht - lange bevor Corona wieder einmal schmerzlich gezeigt hat, dass Redaktionen die Expertise hier oft nur bei Männern suchen. Dazu hatten wir dann ebenfalls ein paar Empfehlungen, welche Kolleg*innen hier einen guten Job machen.

Die Liste wichtiger Posts lässt sich fortsetzen - und das tun wir dann ja auch in den kommenden Wochen. 

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