Freitag, 29. Mai 2020

Von Fledermäusen und Falschnachrichten. Journalistinnen zur Corona-Krise


Ob Print, Audio oder Video - jede Menge interessante Beiträge von Kolleginnen zur Pandemie / Foto: Stadlmayer

Das Wort „Corona“ können wir eigentlich nicht mehr hören. Und dann erregen doch wieder spannende Berichte von Kolleginnen unser Interesse: Darüber, was die Pandemie so anrichtet, wie andere Ländern damit umgehen. Welche Auswirkungen sie auf Frauen hat, auf die Familien. Deshalb hatten wir im Forum des Journalistinnenbundes dazu aufgerufen, uns gelungene Berichte und Reportagen zu Sars-CoV-2 und den Folgen zu nennen. Artikel, Radiobeiträge und Videos von Journalistinnen - für den weiblichen Blick auf die Krise. Wir finden, dass gerade folgende Kolleginnen einen besonders guten Job machen:

Dienstag, 26. Mai 2020

Filme, die die Seele knacken - Frauen, die sich stark machen

von Angelika Knop

"Oma, du entschwindest mir" - in "Walchensee forever" hält Janna Ji Wonders (rechts) ihre Familiengeschichte fest
Foto: Walchensee forever DOK.fest München

Frauen führen ein Café am Walchensee, eine Segelyacht durch die Weltmeere, den Kampf gegen das Vergessen, ein Leben mit Höhen und Tiefen - und natürlich Regie. Und das Publikum sieht begeistert zu, wenn sie all das tun. Das DOK.fest München, das am Sonntag zu Ende ging, hat in seiner ersten Online-Edition mit 75.000 Filmabrufen nicht nur Rekord-Besuchszahlen verzeichnet, sondern auch gezeigt, wie spannend, vielfältig, schöpferisch und erfolgreich Frauen miteinander agieren. So landeten beim "kinokino Publikumspreis" Filme mit mehreren weiblichen Protagonistinnen auf den ersten drei Plätzen - alle ohne männliche Hauptrolle.

Mittwoch, 20. Mai 2020

Journalistin unter Terrorismusverdacht. Über Ingrid Strobls Erinnerung: "Vermessene Zeit"

von Gastautorin Inge von Boenninghausen

Strafverfolgung wegen Weckerkauf - die Frauenszene war empört  / Foto: Ausschnitt Buchcover, Edition Nautilus

Zum ersten Mal habe ich ein Buch nach dem Lesen der letzten Seite sofort wieder von vorne angefangen. Diesmal mit einem Stift zur Seite. Ingrid Strobl beschreibt in "Vermessene Zeit - Der Wecker, der Knast und ich" ihre Untersuchungshaft von Dezember 1987 bis Juni 1989, dann das Verfahren, die Verurteilung zu fünf Jahren Haft, die Revision und schließlich zu drei Jahren unter Anrechnung der U-Haft und Bewährung für die Reststrafe. Der Grund: Beihilfe zu einem Sprengstoffattentat.

Dienstag, 12. Mai 2020

Stimme der Pressefreiheit in Mexiko - der Dokumentarfilm "Silence Radio" über die Journalistin Carmen Aristegui

Carmen Aristegui: "Optimismus ist fast eine moralische Pflicht" / Foto: Silence Radio DOK.fest München

"Pass auf dich auf! Wir brauchen dich!" Das ruft eine Hörerin der Radiomoderatorin Carmen Aristegui bei einer Versammlung zu. Und es ist keine Floskel, sondern ein ganz ernst gemeinter Wunsch. Die Journalistin hat gerade eine Rede für einen Kollegen gehalten. Auf der Straße, wo ihn die tödlichen Schüsse trafen. Mehr als 100 Journalist*innen haben in den vergangenen Jahren in Mexiko ihre Recherchen mit dem Tod bezahlt. Carmen Aristegui lässt sich davon nicht einschüchtern, deckt weiter Korruptionsskandale und Verbrechen auf - und verliert zwar nicht ihr Leben, aber ihren Job. Trotz traumhafter Einschaltquoten und großer Beliebtheit will sie kein Sender mehr einstellen. Da gründet sie ihren eigenen im Internet: Aristegui Noticias.

Freitag, 8. Mai 2020

Zum 8. Mai 2020: Trotz Kriegsende nur wenig Zukunft. Würdigung der Journalistinnen Herta Zerna und Eva Siewert

von Christine Olderdissen und Stefanie Oswalt

Herta Zerna und Eva Siewert - wenn nur wenige Fotos bleiben
Fotos: HZ: Privatbesitz/Gedenkstätte Deutscher Widerstand, Berlin; ES: Autogrammkarte, Besitz Raimund Wolfert

Zwei Journalistinnen, beide Jahrgang 1907, unkonventionell, emanzipiert, politisch engagiert, Hitlergegnerinnen: Eva Siewert und Herta Zerna. Wegen der Verbreitung von Hitler-Witzen landet die eine im Gefängnis, die andere versteckt JüdInnen und RegimegegnerInnen und riskiert damit ihr Leben. Für beide allerdings ist der Tag der Befreiung am 8. Mai 1945 nicht der erhoffte Tag einer politischen und sozialen Befreiung. Von den Zumutungen und Verlusten der Verfolgung und Gefahr erholen sich beide nicht mehr vollständig – und der Weg zurück in den Journalismus gelingt in einer Gesellschaft, die die Vergangenheit lieber verdrängt, nur zögerlich.

Christine Olderdissen und Stefanie Oswalt haben sich den Protagonistinnen auf unterschiedliche Weise angenähert. Zwei späte Würdigungen. Ein Werkstattgespräch unter jb-Kolleginnen.

Mittwoch, 6. Mai 2020

Von der Euphorie des Daseins - das DOK.fest München zeigt Filme @Home

von Angelika Knop

Emese Cuhorka und Éva Fahidi tanzen in "The Euphoria of Being" / Foto: DOK.fest München

Als Mädchen, so erzählt Éva Fahidi, hat sie im Schlafzimmer ihrer Eltern nackt vor dem Spiegel getanzt. "Wie soll man denn sonst tanzen?", fragt sie lächelnd. Professionelle Tänzerin war sie nie, aber sie zögert nicht lange, als die Choreographin Réka Szabó sie "in Versuchung führt", sich einen Traum zu erfüllen: "Ich habe 90 Jahre darauf gewartet, endlich auf der Bühne zu stehen." Doch die Proben sind schmerzhaft. Nicht nur, weil sie Angst hat, sich die Rippen zu brechen, sondern weil die Performance Évas Lebengeschichte zeigt. Die Geschichte einer ungarischen Jüdin, die Auschwitz-Birkenau überlebt hat. "The Euphoria of Being" ist der Eröffnungsfilm des DOK.fest München, das heute Abend im Deutschen Theater startet - natürlich ohne Publikum im Saal.

Mittwoch, 29. April 2020

Krise als Chance: Digitales Empowerment - Zwei Journalistinnen über das Abenteuer Online-Lehre

Journalistisch arbeiten in Corona-Zeiten: "Wie geht es dir beruflich?" haben wir jb-Kolleginnen gefragt. So unterschiedlich die Arbeitssituationen sind, so verschieden fallen die anonymisierten  Antworten aus, die wir zu einer dreiteiligen Miniserie zusammengestellt haben.

Den Sprung ins Digitale wagen. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt. / Foto: Sammie Velazques by unsplash.com

Zum Portfolio vieler Freier gehören Lehraufgaben. Journalistischem Nachwuchs Wissen weiterzugeben ist eine zusätzliche Einnahmequelle. Auch mit Deutschkursen lässt sich Geld verdienen. Seit Corona aber ist Unterricht in Schulungsräumen abgesagt, alle Welt lehrt jetzt digital. Das ist perfektes Social Distancing. Doch der Sprung ins Digitale erfordert Mut. Wann wenn nicht jetzt, haben sich unsere Gastautorinnen gesagt.