Donnerstag, 5. Juni 2014

Netzfeminismus - die jüngste Welle der Frauenbewegung

Vernetzte Feministinnen (v.r.): Die Referentinnen Susanne Klingner
und Magdalena Köster, Moderatorin Angelika Knop           
Foto: Barbara Streidl

"Wir sind eine Labergesellschaft - aber am Ende soll auch was rauskommen." Anschaulich, knapp und direkt war dieser Kommentar von Susanne Klingner, ebenso wie ihr Vortrag über Netzfeminismus. Rund 30 Frauen waren zur Diskussion mit den Frauenstudien München und dem Watch-Salon gekommen. Sie wollten wissen, ob und wie Frauenpower im Internet Politik und Gesellschaft verändern kann. Auf diese Frage gab es im Münchner PresseClub viele Antworten.


Sie kamen von Susanne Klingner, Autorin der "Alpha-Mädchen" und "Mutter" vieler On- und Offline-Projekte von der Mädchenmannschaft bis zu Frau Lila. Und von Magdalena Köster, Frauen-Biographin, Watch-Salon-Autorin und als Feministin eine Generation voraus. Denn auch diese Frage wurde gestellt: Was bedeutet Feminismus heute eigentlich und ist der Netzfeminismus jetzt eine neue Welle der Frauenbewegung? Strikte Definitionen gab es nicht, aber viele engagierte Bekenntnisse: Feminismus ist da, wo Frauen (und manchmal auch Männer) sich für Frauenrechte engagieren.

Gemeinsam stärker

Engagierte Frauen präsentieren sich nicht nur auf eigenen Blogs und Websites. Sie tun sich im WWW auch zusammen, wie zum Beispiel bei feministing oder Featurette. Mit Online-Petitionen bei change.org kämpfen sie für die rezeptfreie "Pille danach" oder erreichen, dass es auf der Website von "Germany's Next Topmodel"einen Link zur Aufklärungsseite über Essstörungen gibt. Damit solche Petitionen etwas bewirken, müssen sie konkrete Forderungen aufstellen, sagte Susanne Klingner. "Niemand unterschreibt: ich bin auch dafür, dass es schlimm ist."

Nicht immer bringen Kampagnen direkte Ergebnisse - gerade, wenn ein Problem schon lange besteht, komplex und umstritten ist. Die Debatte um die Prostitution war dafür ein Beispiel, das aus dem Publikum kam. Andere Möglichkeiten werden noch wenig genutzt - zum Beispiel Crowdfunding für Frauenprojekte. Und nach wie vor kann es natürlich nicht schaden, wenn der Aufschrei - ob mit oder ohne Hashtag - auch in den traditionellen Medien zu hören ist. Die nehmen die sozialen Netzwerke durchaus ernst, sagte Watch-Salon-Autorin Magdalena Köster: "Es gibt schließlich fast keine Talkshow mehr, in der nicht Twitter-Kommentare vorgelesen oder eingeblendet werden." Und Susanne Klingner erkannte die "Zeitenwende" daran, dass in den vergangenen Jahren immer wieder feministische Netzprojekte für den Grimme Online Award nominiert waren.

Respekt Mann! Aber auch Frau!

Erfolg hat auch Schattenseiten - beleidigende Kommentare und Bedrohungen, auf die Frau zumindest gefasst sein sollte, wenn sie ihre Meinung im Netz veröffentlicht. Ob und wie sie sich dann damit auseinandersetzt - löschen, ignorieren, argumentieren oder anzeigen - ist ihre Entscheidung. Die eigene Website oder das eigene Blog ist eben auch wie ein Zuhause, in das Frau nicht jeden reinlassen muss. Das geflügelte Wort "Ich entscheide, wer mir auf den Teppich kackt" fiel mehrfach. Eine junge Zuschauerin war dafür, "auch schreckliche Kommentare zu veröffentlichen, einfach um zu zeigen, dass es die gibt".

Leider bringen sich auch Feministinnen untereinander nicht immer den nötigen Respekt entgegen. Im Netz trifft die Debatte um den richtigen Weg oft nicht den richtigen Ton, findet Susanne Klingner. "Ich sehe das mit Sorge", sagte Susanne Klingner, "und hoffe, dass die Netzfeministinnen da noch die Kurve kriegen. Menschen sind unterschiedlich, Feministinnen auch. Besser wir melden uns in allen Bereichen der Gesellschaft zu Wort, auch im Mainstream - und noch besser, wir respektieren uns dabei."

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Die Inhalte des Vortrages von Susanne Klingner gibt es als PDF bei den Frauenstudien München. Twitterkommentare finden sich unter #netzfeminismus.

Wir freuen uns über Ergänzungen - gerne als Kommentar!

3 Kommentare

  1. Danke Angelika für dieser anschaulichen und gelungene Zusammenfassung! Das war eine spannende Veranstaltung, die auch deutlich machte wie unterschiedliche die Zugänge zu feministischen Themen sind, je nach Vorerfahrung, Generation, Lebenslage, Orientierung und Wissen natürlich. Was ich auch gelernt habe: "Erklärbär" Das ist der Ausdruck von Susanne Klingner, oder in der Bloggerszene verbreitet (weiß nicht), wenn naive oder klischeehafte Kommentare kommen, dies dazu nutzen um Hintergründe zu erklären und Argumente vorzubringen. Ich denke, "alte" Feministinnen sollen mal öfter den Eklärbär machen und Netzerfahrene auch.

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  2. Die Bloggerin und Forscherin Stine Eckert hat uns per Twitter noch auf eine Studie zur feministischen Netzpolitik aufmerksam gemacht. Sie kommt vom Gunda Werner Institut. Und der Artikel dazu auf der Website liefert auch noch eine gute Definition:
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  3. Das Zitat sollte eigentlich oben dran hängen:
    Netzfeminismus bezeichnet „Feminismus, der das Internet als Medium nutzt“ (Schrupp 2012), was etwas anderes ist als Netzpolitik aus feministischer Perspektive. In diesem Bereich besteht, so Antje Schrupp, „doch noch ein gewisser Mangel an feministischen Perspektiven“ (ebd.).

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