Dienstag, 14. Oktober 2008

In was für einer Gesellschaft wollen wir leben?

Entdeckt von Isabel Rohner in Berlin, S-Bahn-Station Schöneberg / Foto: I. Rohner

VON ISABEL ROHNER 

Berlin, S-Bahn-Station Schöneberg. Wenn die Züge hier halten, fallen die Blicke der Reisenden in dieser Woche auf zwei Plakate. Sie stehen direkt nebeneinander. Mit ihnen werden zwei Frauen lebendig. Die eine nackt, wasserstoffblond und schlangenhaft räkelnd. Ihr geliftetes Gesicht zeigt keinerlei Individualität, genauso wenig ihr Körper mit den aufgepumpten Brüsten. Ein Klon der Verfügbarkeit.

Ganz anderes die Frau auf dem Plakat daneben: Sie liegt nicht, sondern steht. Sie ist auch nicht nackt: Im direkten Kontrast mit ihrer Nachbarin wird ihr schlichtes T-Shirt sogar zum auffallenden Kleidungsstück. Sie ist eine normale junge Frau. Während die Wasserstoffblonde angesehen werden will, blickt jene selber in die Welt, mit wachen Augen und kritischem Blick. "In was für einer Gesellschaft wollen wir leben?" fragt sie. Besser könnte man es nicht formulieren.

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