Montag, 13. Oktober 2008

150 junge JournalistInnen stechen mit AuslandsreporterInnen in See

FOTO: Jugendpresse
Ende September war es wieder so weit: 150 junge Journalistinnen und Journalisten im Alter zwischen 18 und 30 Jahren trafen sich in Kiel, um gemeinsam in See zu stechen – drei Tage auf der Fähre von Kiel nach Oslo und zurück. An Bord waren außer dem Journalistennachwuchs hochkarätige Referenten und Referentinnen, die zum Thema „Auslandsjournalismus“ auf dem Podium und mit den TagungsteilnehmerInnen diskutierten. Roland Schröder und Oliver Hahn stellten ihre in diesem Frühjahr erschienende Studie über die Berufssituation von deutschen Auslandskorrespondenten vor.
Fallschirm-KorrespondentInnen und andere "Trends"
Neuer Trend: Statt fester Korrespondenten schicken Medien Parachute-Correspondents in die Kriegs- und Krisenregionen dieser Welt, die je nach Brisanz eine Weile in einer Region zur Berichterstattung bleiben und dann weiterziehen. Darüber hinaus sind die Bauchladen-KorrespondentInnen im Kommen – unter denen viele Frauen sind. Diese AuslandsjournalistInnen sind eine Art KorrespondentInnen zweiter Klasse, als FreiberuflerInnen ohne Absicherung und teuer Versicherung arbeiten sie für viele Medien.
Dass diese Freiberuflichkeit nicht unbedingt von Nachteil sein muss, darüber sprach der ARD-Krisenreporter Christoph Maria Fröhder, der seit Jahrezehnten als unabhängiger „Advokat der Zivilgesellschaft“ (Fröhder über Fröhder) in den Krisengebieten dieser Welt unterwegs ist.
Von abenteuerlichen Erlebnissen im Russland Putins und nun Medjedwes berichtete auch Boris Reitschuster, Auslandskorrespondent für den Focus.
Traumatisierung nicht ausgeschlossen
Der ehemalige STERN-Fotograf Gerhard Kromschröder sprach über Bilder des Grauens, die Kriegsreporter mitbringen. Er selbst war als einziger deutscher Fotojournalist in Bagdad während des ersten Golfkriegs. Den Kongress schloss JB-Mitglied Petra Tabeling vom deutschen DART-Centrum für Journalismus und Trauma gemeinsam mit Fee Rojas vom WDR ab. Tabling leitet seit 2007 die deutsche Niederlassung des internationalen Zentrums, das Hilfe und Trainings für JournalistInnen bietet, die als Reporter oder Krisen- und KriegsberichterstatterInnen mit Gewalt konfrontiert werden oder Zeugen von schrecklichen Unfällen werden. Auch gibt es Workshops für JournalistInnen, die bei ihrer Arbeit auf traumatisierte Menschen treffen. Denn ein gesunder Umgang mit dieser beruflichen Belastung ist nach wie vor ein großes Tabuthema. Diese Beobachtung teilte auch Kromschröder, der erst als der zweite Golfkrieg ausbrach, über seine Eindrücke in Bagdad sprechen konnte und seine Erlebnisse mit der Fotoausstellung „Bilder aus Bagdad“ und dem gleichnamigen Buch verarbeitete. In einem feinfühlingen Vortrag präsentierte Petra Tabeling gemeinsam mit Fee Rojas ihre Arbeit – die bei den überwiegend weiblichen Tagungsbesucherinnen Eindruck hinterließ.

Mehr Infos hier und hier.

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