Samstag, 15. November 2008

Weltrekord an Studentinnen in Amman

In einer Woche jordanischen Lebens mehr gelernt als mitunter in einem halben deutschen Jahr. Das ein oder andere wird wohl in diesem blog auftauchen.
Zuerst zu den Frauen. Königin Rania ist gerade von einer Konferenz der „Arab Women´s Organisation“ (AWO) in Abu Dhabi zurückgekehrt. Sie betonte dort die Notwendigkeit, sich als Frauen mehr zu vernetzen, „denn unsere Bedürfnisse und Herausforderungen sind ähnlich wie unsere Ängste … Wir Frauen sind ein untrennbarer Teil unserer jeweiligen Gesellschaften – Gesellschaften, die in der Vergangenheit gewöhnt waren, Frauen immer als letzte essen zu lassen, die als letzte etwas lernen durften und frei wählen, wie sie leben möchten … die nächste Generation von Frauen soll ihre Rechte wie Pflichten besser wahrnehmen können und unsere Interessen weiter voranbringen.“
An der University of Jordan klappt das schon hervorragend. Wie ich aus einer inoffiziellen deutsch-jordanischen Quelle erfuhr, betrug der Anteil der Mädchen an der Uni in den letzten Jahren bereits 60% und soll 2008 bei sagenhaften 80% liegen. Schon wird fieberhaft daran gearbeitet, eine Quote für Jungs einzuführen. An der German-Jordan-University liegt der Anteil der Mädchen dem Augenschein nach bei 50%. Während sie dort jedoch ganz überwiegend „westlich“ gekleidet und ohne Tuch unterwegs sind (hier kommen die Studenten wohl überwiegend aus begüterten Familien), tragen die Studentinnen an der großen Uni zu 90% Kopftuch, sehr häufig auch lange Mäntel oder Kleider über Hosen, ein kleiner Teil (wahrscheinlich aus den Golfstaaten) auch die volle Montur, schwarz von Kopf bis Fuß mit Sehschlitz. Eine deutsche Orientalistin nennt mir mehrere Gründe: „Studentinnen empfinden sich als Avantgarde, es ist Mode, es ist Trotz, es ist natürlich auch sozialer Druck. Viele Familien sagen ihren Töchtern, entweder Kopftuch oder keine Uni.“

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