Donnerstag, 16. Juni 2011

Aber Herbert Quandt, dieser Preis?

Grafik: Otto-Brenner Stiftung
Mit dem Herbert Quandt Medien-Preis werden seit 1986 jährlich Journalisten ausgezeichnet, die sich in anspruchsvoller und allgemeinverständlicher Weise mit dem Wirken und der Bedeutung von Unternehmern auseinandersetzen. Am 22. Juni sollen diesmal u.a. die Bild-Journalisten Nikolaus Blome und Paul Ronzheimer für ihre Artikel-Serie "Geheimakte Griechenland" ausgezeichnet werden. Dafür hagelt es Protest von der Otto-Brenner-Stiftung, die vor ein paar Monaten eine Studie zur Berichterstattung der Bildzeitung über die Griechenland- und Euro-Krise gemacht hat. Danach griff "Bild" in Dutzenden von reißerischen Beiträgen auf eine eingeübte und vertraute Stereotype zurück: der hart arbeitende Deutsche, der jahrelang eisern gespart hat, gegen den faulen Griechen, der lügt und betrügt und stets über seine Verhältnisse lebte.


Die "Otto-Brenner-Stiftung" moniert, dass so gut wie keine Grafiken oder seriöse Gegenüberstellungen in den Berichten vorkamen, statt dessen eine klare Meinung vor- und weitergegeben wurde, wertend, behauptend und kommentierend. „Bild“ habe zwar das Thema Spekulation, Finanzmarkt-Akteure und Banken nicht verschwiegen, "sie widmet diesem Aspekt jedoch nur wenig Raum und geht zudem mit diesen Akteuren – abgesehen von harter allgemeiner Kritik in ein, zwei Kommentaren – in einer auffallend schonenden Weise um." Warum habe die Zeitung statt Nationen nicht einmal Interessengruppen einander gegenübergestelt, fragen die Autoren der Studie, Dr. Hans-Jürgen Arlt und Dr. Wolfgang Storz? Etwa die griechischen und deutschen Spekulationsgewinner gegen die griechischen und deutschen Spekulationsverlierer?

Die "Otto-Brenner-Stiftung" hat nun die "Johanna-Quandt-Stiftung", die den Herbert-Quandt-Preis vergibt, aufgefordert,  in einer gemeinsamen Veranstaltung über ihre Preis-Entscheidung und die Ergebnisse der Studie zu diskutieren. 

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