Dienstag, 19. Februar 2013

"Ich fotografiere gern hässliche Männer"

Imogen Cunningham
Foto: Abe Frajndlich 1975 (via vkb.de)


Welche Entdeckung! Die Bayerische Versicherungskammer in München zeigt bis Ende April die erste umfassende Ausstellung der amerikanischen Fotografin Imogen Cunningham (1883-1976), nachdem jahrzehntelang in Deutschland nichts über dieses Ausnahmetalent zu sehen war.

Cunningham studierte Chemie an der Universität Washington, kaufte sich ihre erste Kamera und schoss gleich mal ein Akt-Selbstporträt auf einer versteckten Wiese des Campus. Das war 1906 in den USA ganz schön gewagt.

Aber sie hatte ein gutes Auge für den menschlichen Körper und ihr gelangen später hinreißende Aktaufnahmen von Frauen, Männern und speziell ihrem Ehemann draußen in der Natur. Selten sah man so elegante Rücken- oder Beinansichten. Auch mit dem Foto einer hochschwangeren Frau war sie ihrer Zeit weit voraus.

Nach anstrengenden Mutterjahren mit drei kleinen Jungen schuf sie eine herausragende Fotoserie der Tänzerin Martha Graham, die ihr die Türen zum Heiligen Gral der Vanity Fair öffnete. In den dreißiger Jahren lichtete sie für die berühmte Zeitschrift Größen wie Cary Grant, Spencer Tracy, den US-Präsidenten Herbert Hoover, aber auch die junge Frida Kahlo ab.

Immer verschrobener im Auftritt, dabei sehr gescheit und witzig, streifte sie Ende der sechziger Jahre durch  die Straßen von Haight-Ashbury, San Francisco, um die Hippie-Kultur fotografisch festzuhalten. Der Peace-Anhänger wurde ihr Markenzeichen.

Ihre Enkelin zitiert auf ihrer Homepage, Cunningham sei eines Tages vom Vanity Fair-Chef gefragt worden, welche Leute sie in Hollywood gern für das Blatt fotografieren würde. Ihre Antwort:
 "ugly men, because they never complain"

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