Donnerstag, 17. Oktober 2013

Am Schauplatz von Krieg, Terror und Gewalt


Wortwolke Kriegsreporterinnen

In den Fernsehnachrichten über kriegerische Auseinandersetzungen, über Elend und Armut, sehen wir tagtäglich Korrespondentinnen mit dem Mikrofon in der Hand. Immer mehr Frauen berichten von den Krisenherden in aller Welt. Der Journalistinnenbund lädt am 29. Oktober Reporterinnen und Fotografinnen ins Medienlabor in Berlin zur Diskussion über ihre Einsätze. Schon einmal, 1997, hatte der JB Kriegsreporterinnen auf Podium gebeten. Die gut besuchte Veranstaltung der Berliner Regionalgruppe im Haus der Kulturen der Welt hat Eindruck hinterlassen.  


Podiumsdiskussion damals

Bettelnde Kinderhände streckten sich der Kamera entgegen. Gib uns was zu essen – die Geste war eindeutig, die Kinder mager und armselig gekleidet. Die Fotografin drückte wieder und wieder auf den Auslöser. Bedrückende Bilder von Armut und Elend. Ihren Proviant aber rückte sie nicht raus. „Das wäre ein Fehler gewesen“, sagte Ursula Meissner, als Fotoreporterin in Kriegs- und Krisengebieten unterwegs, Wochen später in Berlin. Sie war der Einladung zur Podiumsdiskussion „An der Front – Kriegsreporterinnen im Einsatz“ gefolgt. Ein Raunen ging durch den Saal, Empörung über so viel Kaltherzigkeit.

Aber Ursula Meissner hatte das einzig richtige getan. Hilfsorganisationen hatten ihr dringend ans Herz gelegt, ihr Lunchpaket für sich zu behalten. Denn, so die Erfahrung der Helfer, die Kinder würden sich streiten, boxen und raufen, die Sandwiches gegenseitig aus den Händen reißen, am Ende hätte keiner was davon. Die Gier in der Not ist oft zügellos, kann sogar tödlich ausgehen. Professionelle Distanz ist für BerichterstatterInnen Grundvoraussetzung ihrer Arbeit, überzeugte die Fotoreporterin das Publikum. Es sei so viel wichtiger, dass sie diese Fotos mache, damit ihre Bilder Menschen in den reichen Ländern aufrütteln, damit Hilfe geschickt wird, in einem wesentlich größeren Ausmaß als ein einziges Lunchpaket.

Medienlabor heute

Das ist 16 Jahre her. Wann immer ich danach erschütternde Fotos von Kindern in Not gesehen habe, musste ich an diesen Abend denken. Nun will der JB erneut mit Kriegsreporterinnen ins Gespräch kommen, wenn auch in anderer Form. Der Journalistinnenbund lädt in Kooperation mit dem Gunda-Werner-Institut ein zu seinem öffentlichen Medienlabor "Journalistinnen in der Kriegs- und Krisenberichterstattung". Berlin ist nach Hamburg Veranstaltungsort für das zum zweiten Mal stattfindende medienpolitische Debattenforum. Im Medienlabor wird statt auf dem Podium in Gruppen mit je einem Gast diskutiert. Das ist die Gelegenheit, mit der Fotografin Ursula Meissner über ihre Arbeit zu sprechen, die sie unter anderem nach Afghanistan und Libyen geführt hat. Eingeladen sind auch die Reporterin Carolin Emcke, die Journalistin und Trainerin Susanne Fischer sowie weitere namhafte Fernseh- und Hörfunkkorrespondentinnen.

Frauen berichten anders als Männer vom Krieg, weil sie als Frauen Zugang zu Frauen haben, hat Ursula Meissner 2010 gesagt. Wie genau sich das auswirkt in der Kriegs- und Krisenberichterstattung werden die Gesprächsrunden im Medienlabor diskutieren. 


2. Medienlabor des Journalistinnenbundes
in Kooperation mit dem Gunda-Werner-Institut
"Journalistinnen in der Kriegs- und Krisenberichterstattung"
29.10.2013, 18:00 Uhr
in der Heinrich-Böll-Stiftung
Schumannstr. 8
Berlin-Mitte


Anmeldung: geschaeftsstelle@journalistinnen.de

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