Freitag, 25. Oktober 2013

Die Frau der Woche: Lorna Simpson

Lorna Simpson, Haus der Kunst, München. Fotos: koehes

Es ist ihre erste eigene Ausstellung in Europa, wobei sie mit einzelnen Werken schon bei der Biennale in Venedig und der Documenta in Kassel vertreten war: Lorna Simpson, 1960 in Brooklyn geboren, studierte Fotografie in New York und Kunst an der University of California in San Diego, wo sie auf feministisch arbeitende Fotografinnen und Filmemacherinnen traf. Seither führt sie die Genres Fotografie, Film, Zeichnung und Collage auf eigenwillige Weise zusammen und stellt Fragen nach Identität und Erinnerung, Gender und Geschichte. Im Münchner Haus der Kunst erzählt sie, welche Arbeit sie am meisten Nerven kostete.

"Ich habe vor ein paar Jahren eine ganze Serie von Fotos aus dem Jahr 1957 erstanden", erklärt Lorna Simpson. Fotos, die eine Frau unermüdlich posierend vor der Kamera zeigen. "Das hat mich  fasziniert. Eine Afroamerikanerin in Los Angeles in den späten Fünfziger Jahren, die sich mit einer solchen Ausdauer und Energie drei Monate lang diesem Projekt widmet." Die Fotos erzählen nichts über die Frau, die da in zwanzig Variationen die Beine übereinanderschlägt. "Man weiß wirklich nichts über sie. Außer dass sie sich für die Kamera in Szene gesetzt hat", meint Lorna Simpson. "Sie regen eher zum Nachdenken darüber an, wer das eigentlich ist."

Um die dem männlichen Blick gewidmeten Posen noch zu unterstreichen, begann Simpson, die fotografierte Frau nachzuahmen. Sie wählte eine ähnliche Umgebung und imitierte Frisur, Ausdruck, Körpersprache und Mimik ("Lächeln und gleichzeitig Nicht-Lächeln") der unbekannten Frau von 1957. "Es hat mich zwischendurch an meine Grenzen gebracht. Diese unnatürliche Haltung, die ausgestellten Beine, der betonte Busen, die schräge Kopfhaltung. Es waren die reinsten Yoga-Übungen."



 Fragen, die sich Simpson bei einem anderen Werk stellte, könnten auch unter diesen Collagen stehen:
“Is she pretty as a picture / Or clear as crystal / Or pure as a lily / Or black as coal / Or sharp as a razor.”

Ausstellung Lorna Simpson, Haus der Kunst, München, bis 2. Februar 2014, www.hausderkunst.de

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