Montag, 10. Februar 2014

Mehr Stolz, ihr Freien - ein neues Buch für selbstständige Journalisten macht euphorisch

Macht Hoffnung, liefert Erlösung: Die Freienbibel ist da. Foto: Jakob Vicari, Freischreiber

Und dann war sie in meinem Briefkasten. Schwarz auf weiß und mit viel hoffnungsversprühendem Grün auf dem Cover: Die Freienbibel.

Monatelang hatte ich darauf gewartet. Ich bin eine dieser selbstständigen, also freien Journalisten. Und hatte im vergangenen April 25 Euro in den digitalen Sammelhut namens Krautreporter geworfen. Im Gegenzug sollte ich eine der ersten Ausgaben dieses Berufsratgebers erhalten. Nun liegt er vor mir und ich bin schwer begeistert.

Ich mag den direkten bis ruppigen Tonfall, mit dem hier nicht um den heißen Brei geredet wird: Wir Freien lieben unseren Job. Aber er kann auch ganzschön Nerven kosten. Wenn die Redaktion den eigenen Text großflächig umschreibt und am besten noch Fehler hineinredigiert. Wenn man vom Verlag einen neuen Rahmenvertrag vorgelegt bekommt, der die eigenen Rechte zu einem Bonsai zusammenstutzt. Wenn die Honorare für journalistische Texte nicht ausreichen und man darum auch PR oder Corporate Publishing macht. Ja, allein im letzten Jahr ist auch mir all das passiert.

Zu jedem einzelnen und noch mehr solcher Probleme hat das Redaktionsteam der Freienbibel (sie nennen sich ganz ungeniert "Bibelkreis") freie Journalisten und Journalistinnen gefunden, die einen Weg gefunden haben, mit diesem speziellen heißen Eisen umzugehen. Sie teilen ihre Tipps großzügig und realitätsnah. Danke, lieber Bibelkreis, nächstes Mal werde ich versierter auf solche Problemfälle reagieren können.

A propos realitätsnah: Beim DJV hat mich immer wieder ernüchtert, wie stumpf man dort auf die allgemeinen Vergütungsregeln verweist. Dass diese so viel mit den (selbst bei besten Verhandlungskünsten) tatsächlich gezahlten Honoraren zu tun haben wie ein Backofenlämpchen mit einer Stadionbeleuchtung, wird gerne übergangen. Die Freischreiber dagegen haben es sich schon früher zur Mission gemacht, die wahren Honorare sichtbar zu machen. Die Freienbibel greift das auf. Und bietet dann in mehreren Unterkapiteln realistische Steigerungsmöglichkeiten. Denn seien wir ehrlich: Auch wir Freien haben eine Art Chef - unser Konto.

Also enthält die Freienbibel einen Leitfaden für telefonische Honorarverhandlungen. Vier verschiedene Freie erklären ihr persönliches Geschäftsmodell. Und Redakteur Jörg Eggert (Name vom Bibelkreis geändert) erklärt, mit welchen Argumenten ihn freie Journalisten zur Zahlung höherer Honorare überzeugen könnten. Ich muss sagen: Obwohl ich schon das ein oder andere Honorarverhandlungs-Seminar besucht habe, hier habe ich auf jeder Seite dazugelernt.

Aber genug zum Thema Geld. Die Freienbibel macht auch optisch etwas her. Nicht nur Bleiwüste, sondern auch mal ein Tarifrechner zum Selberbasteln. Oder ein Selbsttest. À la Bravo, aber mit Selbstironie. Und doch erstaunlich treffsicher. "Welche Konferenz soll ich besuchen?" heißt einer davon. Ich beantworte die Fragen, folge den Pfeilen und lande ganz ohne zu spicken schließlich bei der "Wissenswerte". Volltreffer!

Nur eines muss ich leider kritisieren: Die Kärtchen zum Ausschneiden, die über's ganze Buch verteilt sind und mit den Worten "Sei froh, dass du kein Fester bist und..." beginnen. Sie sind nicht mehr frech, sondern herablassend und zudem schlicht unzutreffend. Eine Fortsetzung lautet zum Beispiel: "... dass du dir keine Mühe geben musst, beschäftigt auszusehen." Das ist pietätlos, das hat in einer Bibel nichts zu suchen.

Hiervon abgesehen: Mein herzlicher Glückwunsch, liebe Freischreiber, zu diesem Wurf. Ihr habt die euch anvertrauten Spenden bestens eingesetzt. Allen freien Journalisten kann ich nur dringend zum Kauf raten (gibt's als print oder digital). Und allen Redakteuren, doch schon mal freiwillig die Honorare zu erhöhen. Ihr werden nämlich sowieso keine Chance haben, wenn das frisch gewetzte Verhandlungsgeschick aller Freien auf euch trifft.

Und allen, die ein paar Euro übrig haben, empfehle ich als nächstes unterstützenswertes Crowdfunding-Projekt "Substanz" - das Wissenschaftsmagazin, das neue Dimensionen eröffnen will.

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