Mittwoch, 16. April 2014

Die Frau der Woche - Golineh Atai

Golineh Atai in Simferopol, Krim . Tagesschau-Sendungsbild

"Ruhig, abwägend, stilsicher". Für diese Attribute erhält die Fernsehkorrespondentin Golineh Atai den diesjährigen Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis. Aus der Reihe guter Auslandskorrespondenten- und korrespondentinnen rage sie "durch ihre Fähigkeit heraus, selbst in kurzen Nachrichtenbeiträgen Argumente und Gegenargumente der Konfliktparteien verständlich zu werten", heißt es bei ihrem Arbeitgeber, der Tagesschau. Gelobt werden ihre "Tugenden der persönlichen Zurückhaltung, der akribischen Ernsthaftigkeit und des unbedingten Willens zur Aufklärung".


"Als ich in Deutschland eingeschult wurde, konnte ich kein einziges Wort Deutsch. Nur ein paar Kinderlieder, die ich in Teheran aufgeschnappt hatte", erzählt Golineh Atai im Tagesspiegel. Sie war fünf, als sie 1980 mit ihrer Familie aus dem Iran nach Deutschland kam, sprach aber nicht gern über ihre Herkunft, weil damals das Buch „Nicht ohne meine Tochter“ in aller Munde war und sie ständig gefragt wurde: „Fahren im Iran die Leute Auto oder reiten sie auf Kamelen?“.

 

Stationen Irak, Ägypten, Libanon

Mit ihrer hohen Begabung aber hängte sie lästige Fragesteller bald ab, machte ein sehr gutes Abitur, studierte mit Stipendien in Heidelberg und Lille und stieg mit einem Volontariat beim SWR in den Fernsehjournalismus ein. Medien zufolge spricht Atai heute sechs Sprachen. Mit nicht einmal dreißig Jahren mischte sie bereits im ARD-Irak-Pool mit und übernahm Vertretungen im ARD-Studio Kairo. 2006 fiel sie dann vielen mit ihren Beiträgen über den Krieg zwischen Libanon und Israel auf. Mit dem damaligen ARD-Team (Kameramann, Tonassistent, Producerin) hat sie beste Erfahrungen gemacht.
"Der libanesische Kameramann sagte mir einmal, dass das eine gute Kombination sei: ´Zwei kleinwüchsige Frauen schaffen immer Vertrauen beim Gespräch, man merkt wirklich, dass die Leute sich euch gegenüber schneller öffnen.` Diese Erfahrung machte ich auch in Kairo – es herrscht die Vorstellung, dass Frauen "nicht angriffslustig" und "schützenswert" sind.
Seit vierzehn Monaten arbeitet Atai nun als Korrespondentin im ARD-Studio Moskau und damit mitten im gefährlichen Konflikt um die Ukraine. Vor allem ihre präzisen Live-Schaltungen vom Maidan in Kiew trugen dazu bei, sie nach ersten Auszeichnungen wie der Nominierung für den Grimme-Preis und dem Reemtsma Liberty Award für den Hanns-Joachim-Friedrich-Preis auszuwählen. Ihre professionelle Leistung wird durchgehend gelobt, ihre politische Haltung gefällt nicht allen. In Leserbriefen auf Tagesschau.de moniert man etwa, dass sie ohne jede Distanz von einem "Anti-Terror"-Einsatz in der Ukraine spreche und zu sehr die "öffentlich-rechtliche" Linie vertrete.


*** Auch der Autor und Produzent Stephan Lamby wurde mit dem Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis 2014 ausgezeichnet - als "journalistischer Profiler" und für seine "wache, beinahe meditative Konzentration aufs Wesentliche".

Kommentare:

jens hat gesagt…

obwohl der ukrainische Außenminister
aktiv (Fernsehaufnahmen) an der Schmähung der russischen Botschaft in Kiev beteiligt war, stellte Frau Atai das als Versuch des Mannes zur Mäßigung dar.
Das frühere Ministerium für Volksaufklärung und Propaganda lässt grüßen

Angelika Knop hat gesagt…

Der Watch-Salon veröffentlicht den obigen Kommentar als Beitrag zur Meinungsbildung. Die erhobenen Vorwürfe sind leider zu unspezifisch als dass wir sie überprüfen könnten. Wir sehen keine Anhaltspunkte dafür, dass sie zutreffen.