Montag, 26. Januar 2015

Mehr EU-Berichte in den Medien - fordert Linn Selle als jüngste "Frau Europas"

Linn Selle Foto: EBD.de

Am Anfang war der Flashmob. Fünfzig Mitglieder der Jungen Europäischen Föderalisten (JEF) demonstrierten im letzten April in Berlin für die Vorstellung aller EU-Spitzenkandidaten im ersten Fernsehprogramm: "ARD, aber schnell, zeigt uns das TV-Duell!" Dafür wird die Initiatorin der Aktion, Linn Selle, von der Europäischen Bewegung Deutschland (EBD) in die illustre Gruppe der "Frauen Europas" aufgenommen.

Fast 30.000 Stimmen sammelte die 28-jährige Doktorandin der Viadrina-Universität im Netz dafür, dass im Mai auch die Anwärter der kleinen Parteien und nicht nur das Duell der beiden Spitzenkandidaten der großen Volksparteien für die Wahl des EU-Kommissars - Jean-Claude Juncker und Martin Schulz - im Hauptprogramm zu sehen sein sollten. Die Petition wurde mit der Begründung abgelehnt, "der Zuschauer" sei mit "gedolmetschten" Sendungen überfordert, so etwas könne man nur auf "Phoenix" zeigen.

"Diese Haltung werden die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten bis zur nächsten Europawahl aufgeben", davon ist Linn Selle überzeugt. "Sie müssen sich mehr europäisieren, Vorreiter einer europäischen Berichterstattung sein." Alle EU-Länder hätten auf diesem Gebiet Nachholbedarf. Linn Selle hat dazu auch einen konkreten Vorschlag:
"Die ARD sollte vor den Acht-Uhr-Nachrichten nicht nur über die Börse und das Wetter berichten, sondern auch täglich fünf Minuten über Europa. Viele  Beiträge dazu könnten von allen Sendeanstalten Europas untereinander ausgetauscht und überall gebracht werden."
Diese Öffnung würde dazu beitragen, europäische Belange nicht immer nur aus einer nationalen Perspektive zu sehen, meint die Politikwissenschaftlerin. Allzu offensichtlich sei doch bisher die Haltung, die jeweils eigenen Pfründe zu verteidigen und alle unangenehmen Schlagzeilen der EU in die Schuhe zu schieben. "Dieses Blame Game sollte endlich mal ein Ende haben. Gerade die Anschläge in Paris haben doch gezeigt, wie wichtig eine europäische Gemeinsamkeit ist, gemeinsame Werte, Toleranz und Solidarität."

Mit dem "Preis Frauen Europas" ehrt die EBD seit 1991 Frauen, die sich ehrenamtlich in besonderer Weise für ein Zusammenwachsen der Gemeinschaft einsetzen. Die EBD gilt mit 239 Mitgliedsorganisationen als größtes Netzwerk für Europapolitik in Deutschland. Der Festakt zur Auszeichnung Linn Selles als neue "Frau Europas" findet heute abend in Berlin statt.


Kommentare

  1. Weg vom Krisendiskurs, hin zu mehr Verständis und Anerkennung unseres europäischen Projektes, forderte Linn Selle in ihrer Dankesrede beim Festakt im Berliner Frauen- und Familien-Ministerium.


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