Donnerstag, 25. Februar 2016

Film Mustang - fünf Mädchen sind stärker als die Sittenpolizei


Ein letztes Mal beisammen, bevor das häusliche Gefängnis immer trostloser wird. Fotos: Weltkino

Schule aus. Ferien. Fünf Schwestern lassen den Bus sausen, rennen zusammen mit ein paar Jungs an den Strand, werfen sich mitsamt ihrer Schuluniform ins Wasser, lachen und toben ausgelassen herum. Eine Nachbarin petzt, das Dorf spricht von Hurerei, das häusliche Regime wird angezogen und die Fenster vergittert. Gegen dieses verlogene Sittengefängnis wird jede auf ihre Weise rebellieren.



Die Regisseurin des Films "Mustang", Deniz Gamze Ergüven, 1978 in Ankara geboren, ebenso Türkin wie Französin, sollten wir uns merken. Schon ihr Abschlussfilm an der Pariser Filmhochschule bekam Preise und ihr erster Spielfilm, eben "Mustang", wurde nominiert für den "Golden Globe" ebenso wie für den "César" (bestes Drehbuch, beste Regie, bestes Debüt, Entscheidung, Freitag, 26. Februar) und für den "Oscar" als bester ausländischer Film (Entscheidung Sonntagnacht, 28. Februar). Leider gelang es nicht, die türkische Obrigkeit von einer Nominierung unter der Flagge ihres Landes zu überzeugen, was dem Werk noch mehr Aufmerksamkeit gebracht hätte. So sprang Frankreich, das ebenfalls die Kriterien zur Einreichung erfüllte, in die Bresche.


Der Mädchen neue Kleider. Nur kurz lassen sie sich davon erdrücken.


Die elternlose Mädchenschar wird von der Großmutter und bigotten Tanten an die Kandare genommen, übersehend, wie sich der Onkel nachts in ihr Schlafzimmer schleicht. Nähen, sticken, gefüllte Teigtaschen herstellen, das soll nun der Alltag sein, bis eine nach der anderen in eine Frühehe gedrängt werden kann. So der Plan. Doch die Mädchen unterlaufen die verquasten Vorstellungen von Sitte und Jungfräulichkeit, stehlen sich nachts über die Dächer für ein paar Stunden Freiheit davon, suchen und finden Verbündete, die sie so dringend brauchen. Bevor die traurigen Erfahrungen überhand nehmen, wird die Handlung immer wieder gerettet durch schöne, lichtdurchflutete Szenen, die den Freigeist und die ungestüme Körperlichkeit der jungen Mädchen zeigen. Hinreißend spielt vor allem die Jüngste, Lale, die auch am Ende die rettende Idee hat, dem Albtraum aus Stacheldraht und Unterdrückung zu entkommen. Empfehlung: "Mustang" möglichst im Original mit Untertiteln anschauen.

"...wir sollen nicht lachen, den Blick senken. Leider reagieren wir Frauen wie gelähmt auf solche Äußerungen, als hätte man uns einen Elektroschock verpasst, so empört sind wir ... wir müssen souverän damit umgehen."         
aus einem Interview mit Deniz Gamze Ergüven

Eine kleine Schwäche des Films ist der Titel, den die Regisseurin wegen des Bilds der wild lebenden Pferde von Anfang an im Kopf hatte. Dass sich hinter "Mustang" eine unzähmbare, intelligente Schar junger Mädchen verbirgt, sollte zumindest im Untertitel sichtbar werden.

Partnerorganisationen dieses gemeinnützigen Films sind Terre des Femmes, die sich mit Unterschriftenkampagnen gegen die Frühehe einsetzt, dazu DaMigra und Care.

1 Kommentar:

Magdalena Köster hat gesagt…

Den Oscar als bester fremdsprachiger Film hat der ungarische Film "Saul Fia" gewonnen. Dafür aber konnte "Mustang" bei den Césars abräumen:
Bestes Drehbuch, bester Erstlingsfilm, beste Musik, bester Schnitt.