Donnerstag, 14. Juli 2016

Das Festival Body Talk - Fünf Fragen an Stefanie Lohaus

Stefanie Lohaus, Herausgeberin vom Missy Magazine, kuratiert das Festival Body Talk in München
  Foto: Paula Winkler

"Das deutsche Theater ist mehrheitlich, schlicht und ergreifend: männlich, weiß, hetero." Ausgehend von dieser Feststellung zeigen die Kammerspiele München drei Tage lang, woran das liegen könnte und dass es auch anders geht. Das Festival "Body Talk" bietet vom 14. bis 16. Juli 2016 Performances, szenische Interventionen, Konzerte, Vorträge. Es geht um Pick-up-Artists, um sexualisierte Gewalt im öffentlichen Raum und im Internet oder um die Optimierung des Körpers. Co-Kuratorin Stefanie Lohaus ist auch Mitglied im Journalistinnenbund und daher sofort bereit gewesen, uns hinter den Vorhang blicken zu lassen.



1. Das Festival "Body Talk" ist eine Kooperation mit dem Missy Magazine. Wie ist diese Zusammenarbeit entstanden? 


Das Missy Magazine kooperiert seit einiger Zeit immer wieder mit dem Hebbel am Ufer in Berlin – auch unter der Leitung Mathias Lilienthals, der nun Intendant der Kammerspiele ist. Daher kennen wir uns also schon, auch in der Zusammenarbeit. Vor einigen Monaten hat Christoph Gurk uns dann angesprochen, ob wir bei dem Festival kooperieren wollen. Ich fand das spannend.

2. Du kuratierst das Festival gemeinsam mit dem SPEX-Autor Christoph Gurk. Da machen also zwei Journalist*innen Theater. Ist das Zufall oder Konzept? Und wie wirkt sich eure Medienerfahrung auf die Arbeit aus?


Weder Zufall noch Konzept. Kulturjournalist*innen eignen sich einfach vortrefflich für die Programmarbeit am Kulturbereich. Wir haben eine Menge Wissen angesammelt, beobachten aktuelle Entwicklungen und können sie einschätzen. Ich glaube, wir eignen uns einfach gut für diesen Job.

3. Du hältst den Eröffnungsvortrag des Festival: "Die alltägliche Diskriminierung am Theater". Woran machst du denn diese Diskriminierung fest? 


Es gibt zum einen Statistiken, die das Missverhältnis zwischen den Geschlechtern belegen. Nur 22 % aller Intendant*innen sind weiblich, der Gender Pay Gap in künstlerischen Bereichen liegt bei den freien Berufen im Theater in manchen Bereichen bei 30 - 40 Prozent, etwa im Bereich Regie. Ausführliche Zahlen finden sich dazu etwa in der neuesten Studie des Deutschen Kulturrats zum Thema Kultur und Frauen. Dazu kommen Erfahrungsberichte, etwa zu rassistischer Diskriminierung, und natürlich Phänomene, die man selbst beobachten kann. Etwa dass es in den deutschen Ensembles kaum Schwarze Schauspieler*innen gibt.

4. Diskriminierung am Theater - ist das anders als in der Wirtschaft oder den Medien?


Im Theater sieht es im Großen und Ganzen nicht anders aus als in der Wirtschaft oder in den Medien. Anders als die Wirtschaft hat der Theaterbetrieb allerdings den Anspruch visionär und avantgardistisch zu sein. Das ist er in dieser Hinsicht nun wirklich nicht. Erschwerend hinzu kommt die Idee vom männlichen Künstlergenie. Genie ist ein Begriff, in dem Männlichkeit historisch eingeschrieben ist, es kann also kein weibliches Genie qua Definition geben. Weil das immer noch in den Köpfen drin ist, hinken Frauen vor allem in den künstlerischen Berufen des Theaterbetriebs hinterher. Aufgrund des Vorurteils, dass Frauen nicht wirklich kreativ sein können, fehlt es bei vielen an Objektivität und an Förderung für Frauen.

5. Feminist Speeddating ist eines der Formate bei "Body Talk". Besucher*innen können 15 Vertreterinnen feministischer Organisationen kennenlernen. Was wollt ihr damit erreichen? 

 

Sichtbarkeit für die vielfältige feministische Szene in München, die Möglichkeit sich zu vernetzen und vielleicht auch Lust zu machen, irgendwo aktiv zu werden. Ich werde übrigens auch teilnehmen …

... und die Autorin dieses Blogbeitrages ebenfalls. Wer also eine echte Watch-Salonista kennenlernen und Kommentare persönlich loswerden will: Vorbeikommen - Samstag, 16. Juli 14 Uhr-16 Uhr, Münchner Kammerspiele, Schauspielhaus/Foyer, Maximilianstraße 26-28. Und natürlich twittern und bloggen wir auch vom Festival. 

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