Donnerstag, 22. März 2018

"Vielseitig statt eintönig": jb-Medienlabor diskutiert über Diversity in Redaktionen

von Christine Olderdissen und Angelika Knop

Must Have: Vielfalt bei Medienschaffenden        / Foto: Deutsches Technikmuseum Berlin, Austellung Fototechnik

Deutschland ist längst ein Einwanderungsland und irgendwie kriegen es die Medien nicht mit. Provokante These, klar doch. Fakt aber ist: Jede*r fünfte Einwohner*in hat eine Migrationsgeschichte, die alltägliche Berichterstattung aber wird von Journalistinnen und Journalisten dominiert, die das nicht selbst erleben. In den Redaktionen hat nur jede*r Fünfzigste familiäre Migrationserfahrung. Das haben die Neuen deutschen Medienmacher festgestellt. Was also muss passieren, damit wir Diversity in den Medien etablieren? An diesem Freitag, 23. März 2018,  diskutiert in Köln das 6. Medienlabor des Journalistinnenbundes über Medien in der Einwanderungsgesellschaft.


Wir haben zwei Referentinnen des jb-Medienlabors um ein Statement gebeten:

1. Wie sollte Vielfalt in Redaktionen aussehen?
2. Warum ist sie so wichtig?
3. Und wie lässt sie sich erreichen?









"Bei unterschiedlichen Erfahrungen und Biografien kommt eine interessantere und überraschendere Arbeit heraus."



Amna Franzke, Redakteurin in der taz,
Ressort Gesellschaft und Medien (Foto: Carlotta Lücke)




1. Redaktionen sollten im besten Fall ein Spiegel der Gesellschaft sein. Ist das möglich? Wahrscheinlich nicht zu 100 Prozent. Aber sie sollten versuchen, aus ihrer Homogenität auszubrechen.

2. Es fehlt oft an ganz bestimmten Stimmen und Perspektiven: sei es von Menschen mit Migrationshintergrund, Menschen mit Behinderungen oder Nicht-Akademiker*innen. Außerdem kommt bei Teams, in denen die Leute ganz unterschiedliche Erfahrungen und Biografien haben, oft die interessantere und überraschendere Arbeit heraus.

3. An erster Stelle braucht es eine Problemanalyse und Sensibilisierung für das Thema, verbunden mit der Frage: Was ist uns wichtig als Redaktion? Welche Stimmen fehlen? Gibt es gläserne Decken? Und dann muss eine kluge Personalstrategie folgen. Vielleicht kommt am Ende dabei raus, dass man ein Mentoring-Programm einführt, eine Quote, sich mit anderen Redaktionen sich austauscht, eigene Förderprogramme entwickelt oder einfach seine Praktikant*innen besser bezahlt. Damit mehr jungen Menschen mit ganz unterschiedlichen Biografien auch finanziell der Einstieg in den Beruf ermöglicht werden kann.







"Bald wird es auch in den Redaktionen aussehen wie in Deutschlands Städten und Schulklassen."



Jagoda Marinic, Autorin und Kolumnistin
Debattenbuch: Made in Germany. Was ist deutsch in Deutschland. (Foto: Piroelle)



1. Die Vielfalt in den Redaktionen sollte aussehen wie die Vielfalt in den Städten, auf den Straßen und in unseren Lebenswelten.

2. Vielfalt in Redaktionen ist ein Zeichen dafür, dass Kompetenzen genutzt werden und Perspektiven auf Themen vielfältig sind. Nur so lässt sich eine ausgewogene Berichterstattung erzielen.

3. Vielfalt erreicht man nur durch Hartnäckigkeit und Pionierarbeit. Man muss Verbündete finden, denn Zukunft ist ohne die Jugend nicht zu haben  - bald wird es auch in den Redaktionen aussehen wie in Deutschlands Städten und Schulklassen.



Mehr dazu: "Es führt kein Weg an vielfältigeren Redaktionen vorbei" Mareice Kaiser hat ein ausführliches Interview mit Vanessa Vu, Redakteurin bei Zeit-Online, geführt.


Das jb-Medienlabor ist eine medienpolitische Veranstaltungsreihe des Journalistinnenbundes, mit Paneldiskussionen unter den Referentinnen wie auch Gesprächsrunden unter aktiver Beteiligung aller Teilnehmenden. Es findet nun schon zum sechsten Mal statt, am 23. März 2018, 18 Uhr, in der Kunsthochschule für Medien Köln (KHM) mit dem Thema: Medien in der Einwanderungsgesellschaft. Die Anmeldefrist ist abgelaufen, spontanes Vorbeikommen und Mitdiskutieren ist jedoch auch ohne Anmeldung möglich.


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