Samstag, 5. Juli 2008

Wenn Frauen zu viel arbeiten

Eigentlich wollte ich als Erstes etwas Watch-gemäßes posten (ja, ja über die Frage: Muss man "Feuchtgebiete" lesen?). Jetzt doch nicht. Der Grund: Ich bin überlastet. Und schuld ist mein Verein, der Journalistinnenbund. Er hält mich immer am Arbeiten. Gestern zum Beispiel kursierte eine merkwürdige Spam-Mail im JB-Forum, unserer Mailingliste. Da bin ich dummerweise die Adress-Administratorin, sprich: das Mädchen für alles. Ich musste mich also um den Spam kümmern und die Frage: Wie kam er da rein? Gleichzeitig ermahnte mich Marlies Hesse, unsere Geschäftsführerin, doch endlich in diesen unseren Blog, den Watch-Salon, einzusteigen (was ich hiermit tue). Dazu musste ich erst mal die zahlreichen Anleitungen lesen, die über die Bloggerinnen-Mailingliste gelaufen waren - Anleitungen, durchsetzt mit vielen Klagen über zu viel Arbeit! Tja, warum soll es den Kolleginnen besser gehen als mir? Da fällt mir ein: Die Budget-Abrechnung für meine Regionalgruppe müsste ich auch noch machen. Und unsere Schatzmeisterin hat etwas für den Rundbrief geschrieben, was ich Korrektur lesen sollte ... Kurz gesagt: Selbst wenn ich "Feuchtgebiete" lesen wollte, ich käme nicht dazu.

7 Kommentare

  1. Liebe judith, sooooo lesenswert ist das Buch auch echt nicht. Steht eigentlich nichts drin, was nicht schon Alice Schwarzer im "kleinen Unterschied" schrieb. :-)

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  2. Du hast es also echt gelesen? Und - ist es nun feministisch oder nicht?

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  3. Liebe Judith,

    ich habe über die "Feuchtgebiete" sehr viel in den Medien gehört und sehr viel Rezensiertes gehört und gelesen. Leider fand ich das, was ich dabei mitbekommen habe, zum Teil schon so "unappetittlich", dass ich gar nicht auf die Idee gekommen wäre, es zu lesen. Interessant finde ich aber die zahlreichen Diskussionen um den neuen Feminismus, der sich mit diesem Buch verbinden. Als Mit-Organisatorin des alteingesessenen Kasseler Frauenlesbenzentrums merke ich nämlich von diesem derzeit viel beschworenen Phänomen an unserem feministischen Ort nicht sehr viel, geschweige denn gar nichts. Wir haben seit Jahren Nachwuchsprobleme was die BesucherInnen anbetrifft, sobald unser Angebot über Fun-Veranstaltungen wie Partys hinausgeht. Bleibt mir also die Frage: Wo bewegen sich die Charlotte Roches dieser Welt? Wo verbinden sie sich? - Und was das
    viele Arbeiten anbetrifft: Ich teile Dein Leid. Aber ein bisschen Platz für Feminismus muss schon sein. Daher auch dieser Kommentar.

    Bis bald mal wieder.

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  4. PS zum Kommentar von eben:

    Vor lauter geschlechtergerechter Sprache ist mir bei den Besucherinnen des FrauenLesbenzentrums doch glatt das große "I" rausgerutscht. Natürlich ist das Zentrum ein männerfreier Raum, und insofern handelt es sich nur um Besucherinnen mit kleinem "i". Das würde ich mir mal von den meisten männersprachlich geprägten Medien wünschen, dass dort das große "I" so selbstverständlich - natürlich nur, wenn es um beide Geschlechter geht - Eingang findet.

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  5. Ich hab das Buch bisher nur angelesen - im Buchladen. Und mich gegen den Kauf entschieden. Warum?Nichts Neues. Generell finde ich es aber okay, dass das Thema weibliche Sexualität als Tabuthema angegangen wird, dachte aber sofort an den "kleinen Unterschied". Der kam politisch daher, bei den "Feuchtgebieten" geht es m.E. nach auch um Effekthascherei einer Ex-Moderatorin (oder ist sie es noch?), die ein Come-Back versucht... schwierige Frage. Die Diskussion ist sicherlich gut. Auch heute gibt es viele junge Frauen, die ihre Sexualität nicht richtig leben, weil sie sich nicht trauen und weil ihre Partner auch nicht gut mit ihnen umgehen. Auch das Privat ist immer noch politisch. Ich habe in meinem Freundeskreis einige Frauen, die nach außen hin eine tolle Partnerschaft führen und in Wahrheit noch nie einen Orgasmus hatten, weil es ihren Männern darum geht, selbst befriedigt zu sein. Und diese Frauen stecken immer noch zurück und stellen SEINE Bedürfnisse über IHRE. Sicher ist das eine ganz private Entscheidung, mit der ein Paar für sich selbst leben muss - aber diese Entscheidung trägt auch zur Erhaltung des Status Quo bei. Was ich viel trauriger finde für meine Freundinnen ist, dass sie nicht mal den Mut haben, ihren Männern zu sagen, dass die Sexualität für sie nicht erfüllend ist. Und die Jungs sind womöglich sogar nicht mal sensibel genug, es zu merken. Dabei könnte es wohl mit etwas mehr Ehrlichkeit schöner für alle werden. Darum ist so ein Buch gut, es bricht ein Tabu - und angesichts einer öffentlichen Diskussion hat vielleicht die eine oder andere Frau den Mut, ihre Wünsche ihrem Partner mitzuteilen. Insofern okay. Aber ob man Charlotte Roche deshalb zur neuen Stil-Ikone eines "neuen" Feminismus küren muss??? Das ist eine ganz andere und völlig überzogene Diskussion. Was tut diese Frau POLITISCH???

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  6. Ja, jetzt sind wir ja schon mitten in der Diskussion um den neuen Feminismus und um Literatur - und nicht mehr nur "Inside JB". Gut so.

    Was die politische Haltung angeht, so hat sich Charlotte Roche meiner Ansicht nach komplett disqualifiziert, und zwar durch ihre Forderung nach "Fair-trade-Puffs". Faire Prostitution - das scheint mir ähnlich sinnig bzw. widersinnig wie schmerzlose Folter oder gewaltfreier Krieg.

    Gut, eine Schriftstellerin muss nicht immer die überzeugendste politische Haltung haben. Darum meine letzte Frage an die Kennerinnen: Was taugt das Buch literarisch? Ist es denn ein guter Roman?

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  7. Im Berliner Tagesspiegel habe ich eine köstliche Rezension von Dennis Scheck gelesen, der sich mit Roches literarischen und sprachlichen Qualitäten auseinandersetzt. Seiner Rez stellt er einen ganzen Absatz aus dem Buch voran und analysierte dann Satz für Satz: à la "hier meint sie eigentlich das und das, es steht aber das und das. Um das und das auch zu schreiben, müsste der Satz korrekt so und so heißen."
    Ein kleines Original-Zitat:
    "...ganz sicher aber tunkt man nicht mit dem Finger in die Muschi. Richtig müsste es heißen: ,Den Finger kurz in die Muschi tunken und etwas Schleim hinters Ohrläppchen tupfen und verreiben.’"

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