Sonntag, 6. Juli 2008

Networking als Erfolgsstrategie für Frauen

Ich möchte Euch an meiner Erfahrung als Dozentin von Networking-Kursen teilhaben lassen. Es ist interessant, dass für viele Frauen Netzwerken noch nicht zum Alltag gehört. Was für Journalistinnen normal ist - nämlich querbeet jede Menge Kontakte aus dem Privat- und Berufsleben zu pflegen, sie zu verknüpfen und davon zu profitieren - könnte jeder Arbeitnehmerin in ihrem (beruflichen) Alltag nützen. Aber sehr viele Frauen haben erstens keine Networking-Strategie, pflegen zweitens ein Einzelkämpferinnentum und trennen drittens noch immer gerne Beruf von Privatem. Das ist sicher nicht ganz falsch. Wer seine Kontakte nur noch funktionalisiert, hat sicher bald keine FreundInnen mehr. Darum geht es auch gar nicht.

Ein Beispiel: Ich sollte ein Interview mit einem Vertreter einer bestimmten Berufsgruppe machen. Leise Zweifel schlichen sich bei mir ein. Ist der Mann vielleicht ein Schaumschläger, trägt sein Thema überhaupt eine Story, will der mich im Interview über den Tisch ziehen? So habe ich, bevor ich ihn kontaktierte, zunächst einen guten Bekannten aus der selben Branche gefragt, ob er ihn kenne und wie er ihn einschätze. Mein Freund gab Entwarnung. Der Interviewpartner entpuppte sich im Gespräch als angenehmer Mensch mit einer passablen Mission. Mit dieser Aktion habe ich weder meinen Freund funktionalisiert, noch meinem Gesprächspartner geschadet. Ich selbst war gewappnet und konnte das Interview locker führen. Networking pur.

Außerdem wissen wir doch längst, dass Stellen innerhalb von Unternehmen nicht (nur) nach Qualifikation (dann wären alle Frauen längst Chefinnen) vergeben werden, sondern zu einem hohen prozentualen Anteil aufgrund von Kontakten und Beziehungen. Aktuelle Zahlen habe ich heute einer dpa-Grafik entnommen: Von 100 Unternehmen suchen 40 ihre MitarbeiterInnen in den eigenen Reihen und durch persönliche Kontakte. 69 Prozent der befragten Unternehmen sind mit dieser Praxis erfolgreich. 45 von 100 befragten Unternehmen schreiben ihre Stellen extern in Printmedien aus. 55 Prozent sind damit erfolgreich.

Die meisten Männer wissen es außerdem schon lange: Eigenlob stimmt. Zum Beispiel bei Stellen- und Gehaltsverhandlungen (siehe oben). Sie machen rechtzeitig selbst auf ihre Fähigkeiten aufmerksam bzw. lassen sich von guten Kontakten empfehlen! Frauen halten sich immer noch viel zu oft vornehm zurück - und warten darauf, dass der Chef ihre Qualifikation irgendwann doch erkennen MUSS. Leider meistens ein Trugschluss. Was sich in der verzweifelten Frage niederschlägt: "Warum ziehen immer die Kollegen an mir vorbei und bekommen die bessere Stelle bzw. mehr Gehalt? Dabei bin ich doch viel fleißiger."

Wenn sich die Teilnehmerinnen in meinen Kursen klarmachen, dass sie ein gutes UnterstützerInnen-Netwerk brauchen, wird ihnen meist schnell klar, dass gezieltes Networking tatsächlich eine erfolgreiche Strategie für das berufliche und private Weiterkommen von Frauen sein kann. Das wiederum erhöht es die Arbeitszufriedenheit!

3 Kommentare

  1. Liebe Heidrun,

    schön, dass Du das Thema Networking auf´s Tablett bringst.
    Hier noch zehn hilfreiche Tipps zum Netzwerken für die interessierte Leserin (Basis dieser Informationen ist ein Workshop zum Netzwerken, an dem ich auf dem WoMenPower-Kongress im Frühjahr im Rahmen der Hannovermesse teilgenommen habe):
    1.) Es ist sinnvoll, sich für das Netzwerken ein klares Ziel zu setzen und danach das Netzwerk aus zu wählen, in dem frau sich engagiert. Beispielsweise für Journalistinnen gegenseitige Unterstützung und Voranbringen der geschlechtergerechten, respektvollen Berichterstattung über Frauen in den Medien. Das führe dann zum Journalistinnenbund.
    2.) Frau/man soll die Energie und Zeit konzentrieren auf ein Netzwerk und hierfür ein detailliertes Profil herausarbeiten.
    3.) Zum Vorstellen zielgruppenspezifische Elivator Pitches ausarbeiten. (Kurze, prägnante Charakterisierung meiner Qualifikationen, USP und Nutzen für die Zielgruppe.)
    4.) Es bringt weder etwas, haufenweise Visitenkarten ab zu stauben, noch darauf zu warten, dass irgendwer auf eine zukommt. Um sich bekannter zu machen und zu etablieren, empfiehlt es sich laut Workshop-LeiterInnen mindestens eine Stunde pro Tag zu investieren und Expertenbeiträge in Foren zu schreiben.
    5.) Grundeinstellung beim Netzwerken ist immer: Was kann ich für die anderen oder das Netzwerk tun? (Nicht umgekehrt.)
    6.) Besser ein, zwei oder drei richtige Kontakte als viele oberflächliche. (Sieben Kontakte braucht frau/man, um jemanden zu überzeugen, dass sie/er etwas kann.)
    7.) Elivator Pitches auswendig lernen.
    8.) Bei Veranstaltungen frühzeitig kommen und sich bei den OrganisatorInnen erkundigen, wer besonders interessant sein könnte. Eventuell um gegenseitiges Vorstellen bitten.
    9.) Netzwerken ist eine mittel- und langfristige Sache und wirkt kurzfristig nur geringfügig.
    10.) - Das möge nun jede selbst entscheiden - Den Damen wurde nahegelegt, sich nicht "nur" in gleichgeschlechtlichen, sondern auch in gemischten Netzwerken zu bewegen, denn - so meine Ergänzung - dort sitzen schließlich die Entscheider, und die sind meist männlich.

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  2. Hallo zusammen,

    schön, dass ihr so konkrete Tipps zum Netzwerken gebt. Als Berufsumsteigerin von der Marketing-Kommunikation zur Online-Redaktion stelle ich auch fest, dass Netzwerken eine gute Strategie zur Bekanntmachung der eigenen Ideen und Kompetenzen ist.

    Gerade als berufstätige Mutter im Medienberuf mit der Problematik der Vereinbarkeit von Familie und Beruf im Nacken, fühle ich mich beim Netzwerken in der Lage, über dieses Thema und dessen Auswirkungen auf berufliche Verfügbarkeit offen sprechen zu können und mich mit Gleichgesinnt(inn)en;-) austauschen zu können.

    Und so potentiellen Gesprächspartnern, Auftrag- oder Arbeitgebern vorab signalisieren zu können: Diese Rahmenbedingungen machen mich aus, meinen Standpunkt kommuniziere ich offen und deutlich.

    Gleichzeitig treffe ich auf Frauen bzw. Mütter in gleicher Situation und freue mich über regen Austausch: Tipps, Erfahrungen von denen man gegenseitig profitiert und die man eventuell gemeinsam nutzen kann.

    In diesem Zusammenhang: Welche Erfahrungen habt ihr mit beruflichen Netzwerken zur gemeinsamen freiberuflichen Zusammenarbeit?
    Ist das eine reale Chance der Synergie gegenüber Auftraggebern in allen Sparten der Medienwirtschaft?

    Herzlichen Gruß

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  3. Hallo Martina Troyer,

    ich persönlich habe nur die besten Erfahrungen mit dem Journalistinnenbund gemacht. In unserem bunt gemischten Frauen-Netzwerk werden Erfahrungen gebündelt, fair weitergegeben - und wir unterstützen uns gerne gegenseitig. Ein solches Netzwerk hat sicher Vorbildcharakter, weil es hier nicht um Neid geht - obwohl wir als Freie oder Festangestelle doch alle mehr oder weniger ähnliche Dinge tun -, sondern um die gemeinsame Basis: Wir Medienfrauen müssen Position beziehen. Darüber hinaus entsteht in diesem Netzwerk so manche persönliche Freundschaft!
    Herzlich willkommen bald bei uns?

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