Freitag, 22. August 2008

Aus der Modewelt, Folge 2

Foto: Flickr


VON ISABEL ROHNER,
.
Auf meinem letzten Flug von Zürich nach Köln wurde die September-Ausgabe der "Amica" verteilt. Gut, denke ich. Besser als die Fernsehzeitschrift wirds wohl sein. Und ich beginne zu blättern.
Doch auf Seite 70 halte ich erstaunt inne. "Schon gebunden?" fragt mich der Titel des Artikels und verspricht mir alles Wissenswerte zum "neuen Herbst-Trend".
"Kopftücher sind wieder im Trend", erfahre ich Modemuffel, und dass sie "eine echte Styling-Herausforderung" sind: "Man kann damit so glamourös aussehen wie Grace Kelly im Cabrio. Oder wie Rotköppchen auf dem Weg zur Großmutter."
Aha, denke ich. Die Amica will uns also das Kopftuch als Retro-Look verkaufen. Romy Schneider ist ja wieder in. Und mantramäßig versuche ich mir zu sagen, dass Amica halt eine unpolitische Zeitschrift ist, die wird nicht auf das Kopftuch jenseits der europäischen Tradition eingehen. Wäre in diesem Zusammenhang und in diesem Rahmen ja auch fatal. Wie soll man auch den neuen "Mode-Trend" mit den Fällen übereinkriegen, wo Frauen die verrutschten Kopftücher an die Schädel genagelt wurden? Und ich gebiete der Kulturwissenschaftlerin in mir, zu schweigen.
Doch kaum gedacht, schon plaudert die Verfasserin des Artikels von ihrem letzten Iran-Besuch. "Was (im Iran) jedoch wirklich nervte, war diese Kopftuchumbinderei." Puh, denke ich. Ist zwar angesichts der Schwere der Thematik etwas unkonventionell ausgedrückt, aber die Autorin scheint zumindest ein Bewusstsein für die politische Dimension ihres Gegenstandes zu haben.
Aber: Weit gefehlt. Denn da fährt sie auch schon erklärend fort: "Ich war allerdings die Einzige, die diesen Stress hatte und nicht wusste, wie es geht. Meine Bekannten besaßen stapelweise wunderschöne Seidentücher und banden sie schnell und routiniert."
Die Iranerinnen sahen nämlich aus "wie Hollywoodstars", im Iran ist "das Kopftuch auch ein modisches Statement".
Ei ei ei, denke ich, wessen Amica bist du eigentlich, Amica? Und ich habe das plötzliche Bedürfnis alle losen Tücher zu Hause zu verbrennen.

3 Kommentare

  1. Aua! Sind die bei Amica wirklich sooo unpolitisch? Das kann doch nicht wahr sein!

    AntwortenLöschen
  2. Auf einer meiner Lieblingsseiten im Netz, der "Achse des Guten" (u.a. von und mit Henryk M. Broder) habe ich noch etwas entdeckt: Dänemark hat nach den ganzen Fundi-Attacken nämlich eine "Miss Kopftuch" gewählt:

    "The contest highlights a continuing debate over Islamic traditions in Denmark, which drew world attention in 2006 when Danish caricatures of the Prophet Muhammad triggered violent protests in Muslim countries.
    Organizers of the month-long TV competition said they started it as ''an alternative way of encouraging young people to participate in the debate, by addressing them on their terms,''"

    Weiß eine was über die Reaktionen?
    http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/miss_kopftuch_2008/

    AntwortenLöschen
  3. Das ist ja ein bisschen so, wie zu Miss Knolle gewählt zu werden. In der Lüneburger Heide wurden am Wochenende die neuesten Heideköniginnen gewählt. Für Männer, Gleichberechtigung gibt es in der Heide schon seit 1952, gibt es den ehrenvollen Titel "Heidebock". Da ist mir der Königinnentitel aber lieber... :-) Und alles ohne Kopftuch. Heidebock und Heidekönigin werden nur mit Blüten geschmückt und purpurfarbenen Umhängen geschmückt.

    AntwortenLöschen

Wir freuen uns über Kommentare.
Sie sollten aber fair sein. Beleidigungen haben bei uns keinen Platz.
Da die Kommentare erst geprüft werden, kann es mit der Veröffentlichung einen Moment dauern.