Donnerstag, 25. September 2008

Männer und ihre Gefühle

VON BRITTA ERLEMANN

Wenn Männer doch reden könnten...

So hieß ein Beitrag eines Mannes über den mangelhaften Kontakt vieler Männer zu ihren Gefühlen gestern Abend in frautv (WDR, 22 Uhr). Folge laut Autor, beziehungsweise Männerexperte Björn Süfke: Vereinsamung, psychosomatische Krankheiten und Depressionen. „Männer sterben im Durchschnitt früher als Frauen und haben eine höhere Selbstmordrate“, so der WDR-Text im Internet dazu. Warum? „Gefühle werden unbewusst als gefährlich erachtet, als etwas, was schmerzhaft ist, was nicht Teil von Männlichkeit sein darf“, sagt Süfke. Deshalb reden viele Männer auch so wenig darüber, was sie fühlen...

Text hier.

Das ganze männliche Dilemma ist mir überhaupt nicht neu. Wer Mannsein mit Stärke definiert und die wiederum als den Mangel an Gefühlen – denn die werden traditionell den Frauen zugeschrieben – kann wohl kaum ausführlichen Kontakt zu seinem Seelenleben haben. Diese Verknüpfung ist einer der ältesten Kniffe des Patriarchats, um Frauen für minderwertig zu erklären. Dass das allerdings rein „unbewusst“ geschieht, wie es der Männerexperte zu verstehen gibt, sehe ich nicht. Denn Männer- und Frauenbilder sind – wenn auch sich verändernde – offizielle, in der Mehrheit immer noch von Männern gemachte Politik (im weiten Sinne). Einzig bei Männern prinzipiell immer erlaubtes Gefühl - so mein Eindruck - ist die Aggression. Auch sie ist m. E. in weiten Teilen der Gesellschaft mit Stärke gleichgesetzt.

Tatsache ist jedoch: Wer fühlt lebt! Fühlen erweitert die Wahrnehmung – sowohl die von sich selbst als auch die von anderen. Fühlen intensiviert Interaktion. Und Gefühle wahrnehmen, bedeutet Stärke, denn auf diese Weise spaltet frau/man sich nicht von sich selbst ab. Auch wenn´s manchmal weh tut!

Männer in Frauenräumen

Schön, dass es jetzt anscheinend zunehmend Männer gibt, die sich mehr mit ihrer Seele auseinandersetzen. Das kann dem Zusammenspiel von Männern und Frauen langfristig nur gut tun, beziehungsweise auch den Frauen zu Gute kommen (hoffe ich). Nur: Muss das ausgerechnet in einer der ohnehin im deutschen Fernsehen so raren Frauen-Sendungen sein? Im Zuge der Ver-Genderung (statt um Frauen dreht sich der öffentliche Diskurs zunehmend um Geschlechter) müssen gegenwärtig Frauen Budgets, Raum, Zeit an Männer abgeben, die die Frauenbewegung einst so hart als kleinen Ausgleich zur fehlenden Gleichberechtigung erkämpft hat. Manchmal geben sie auch freiwillig ab, wie es mir hier der Fall mit der frautv-Redaktion scheint.

„Schade“, kann ich da nur sagen. Als regelmäßige Zuschauerin dieser Sendung hätte ich mir da zumindest einen (durchgängigen) frauenspezifischen Blickwinkel auf das Thema gewünscht!

2 Kommentare

  1. Auffallende Besonderheiten

    Das Erste, was dem früheren NRW-Regierungspräsidenten Franz Josef Antwerpes und Ex-Ehemann der Kölner Bürgermeisterin beim Hören des Deutschlandfunks als Besonderheit auffällt, ist der „hohe Anteil von Frauenstimmen, als ob es keinen männlichen Nachwuchs mehr gäbe“. Also fragte er den Intendanten in einem Interview für die Aachener Zeitung, woran das denn wohl läge. Und der erklärte ihm das mit der höheren Kompetenz der weiblichen Volontäre. Sie könnten besser zuhören und hätten einen natürlichen Charme. Diese Auffassung ließ beim Interviewer die Vermutung zur Gewissheit werden, dass Ernst Elitz kein „Frauenfeind“ sei. Wenngleich die Bemerkung des Autors, er höre die Nachrichten lieber von Männern“, beim Intendanten auf totales Unverständnis stieß, lässt sich nicht übersehen, dass die Frauenförderung in der überregionalen Rundfunkanstalt noch sehr zu wünschen übrig lässt. Merkwürdig beispielsweise, dass Namen von ehemaligen Volöntärinnen im Gegensatz zu ihren gleichzeitig ausgebildeten Kollegen nur vereinzelt im Programm auftauchen.

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  2. Männer in Frauenräumen? Dass Männer in Frauensendungen mit ihren Themen auftauchen, die jenseits von Macht, und Auto etc. liegen, hat den Grund darin, dass es schlicht keine intelligente Männersendung gibt. Eine Männerbewegung, die Emanzipation für beide Geschlechter will, beginnt gerade ihr ersten zarten Knospen zu treiben. Dabei will sie allerdings den Frauen nicht den Raum oder die Nährstoffe entziehen. Die meisten TV-Sendungen, die Zwischenmenschliches reflektieren (und die beiden Frauensendungen sowieso), werden von Redakteurinnen gestaltet. Vielleicht gibt es ja irgendwann eine dementsprechende Männersendung.

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