Samstag, 20. September 2008

Von Pros, Antis und Frauen in Moscheen

Foto: Flickr

VON ISABEL ROHNER

Die rechtsextreme „Pro-Bewegung“ hat zu einem "Anti-Islamisierungs-Kongress" nach Köln geladen. Die Partei spekuliert auf Wählerstimmen durch internationale Unterstützung und fremdenfeindliche Propaganda. Auf dem Diskussionsplan steht dabei auch der Bau einer Groß-Moschee im Kölner Stadtteil Ehrenfeld. Der Stadtrat hat diesen umstrittenen Bau Ende August 2008 bewilligt. Zur Demonstration gegen diesen Kongress werden Tausende erwartet.

Der Kölner Stadt-Anzeiger veröffentlichte gestern einen "Aufruf zur Demo von Kölner Promis". Ein genauerer Blick darauf lohnt sich aus verschiedenen Gründen:
Die Argumente gegen den Pro-Köln-Aufmarsch könnten unterschiedlicher nicht sein. Sie reichen von unreflektierten Banalitäten wie "Im Karneval wird gemeinsam gefeiert" (ein "Promi" namens Markus Ritterbach) und "Köln ist so multi-kulti" (ein "Promi" namens Ozan Akhan) bis zu differenzierteren Auslassungen von Günter Wallraff und Alice Schwarzer, die auch den aktuellen Beschluss über den Moscheebau miteinbeziehen - denn darüber wird es beim heutigen Aufmarsch auf beiden Seiten vor allem gehen.

Schwarzer bringt es dabei - mal wieder - auf den Punkt: "Es ist falsch, das berechtigte Unbehagen der Menschen über eine so demonstrativ mächtige Moschee den Rechten zu überlassen." Gegen diese Rechts-Besetzung will Schwarzer demonstrieren. Doch soll dies nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie die Kritik an dem 55 Meter hohen Bau für wichtig hält.

Was in Köln gerade geschieht, ist eine geschickte thematische Vermischung und Neu-Konnotierung. Durch die radikale Rechts-Besetzung jeglicher Kritik am Moscheebau werden Gegenstimmen, mögen sie auch noch so begründet sein, automatisch in die äußerste rechte Ecke geschoben und damit mundtot gemacht. Die Befürworter des Baus wird diese Verknüpfung mit Sicherheit freuen. Das 25-Millionen-Euro-Projekt wird übrigens von der türkischen Religionsbehörde Dyanet, also einem Organ der türkischen Regierung, finanziert. Ob die auch Pro-Köln finanzieren?

In den Reihen der Stadt-Anzeiger-Befragten befanden sich übrigens unter den 18 "Promis" gerade einmal zwei Frauen. Neben Schwarzer wurde nur noch die Chefin des Senftöpfchen-Theaters, Alexandra Kassen, befragt. Doch vielleicht wollte der KSTA nur Menschen miteinbeziehen, die die Haupträume der Moschee auch betreten dürfen?
Zur Trennung der Geschlechter in "seiner" Moschee äußerte sich Architekt Paul Böhm in einem Interview mit der FAZ: "Ich hatte zunächst gehofft, dass wir Männer und Frauen auf der gleichen Ebene haben. Aber das ist mir, muss ich gestehen, nicht gelungen: Jetzt beten die Frauen auf der Empore in drei Meter Höhe."

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