Freitag, 26. Dezember 2008

Die Frage der Vereinbarkeit



Grafik: Per Thomas, junger Künstler aus Bremen

In den vergangenen Wochen habe ich mehrfach Anfragen von Abiturientinnen bekommen. Sie sind 18, 19, vielleicht 20 Jahre alt. Sie schreiben für Schülerzeitungen oder ihre Regionalzeitungen. Sie möchten Journalistinnen werden. Weil ihnen das Schreiben Spaß mache, sagen diese jungen Mädchen.

Und dann fragen sie mich, die 28-Jährige: Wie könnte ich Journalistin werden? Und kann ich
"als Frau in diesem Beruf später einmal Kinder und Job vereinbaren?".
Keine Ahnung! Du als Frau... was soll das eigentlich heißen? Warum denn nicht?! Alle wissenschaftlichen Untersuchungen zu diesem Thema deuten auf ein klares "Nein" hin, wenn man an traditionellen Rollenzuschreibungen festhält. Aber das sind Untersuchungen aus den 70er und 80er Jahren. Repräsentative neue Studien zu diesem Thema gibt es schlicht nicht. Und ich frage mich, was los ist. Diese Mädchen sind Jahrgang 1988, 1989, 1990 - sie sind in einem Gesamtdeutschland groß geworden und mit Internet sowieso. Und sie haben die traditionelle Geschlechterrolle verinnerlicht. Wenn eine Abiturientin die Barriere "Familienvereinbarung" als IHRE EIGENE, PERSÖNLICHE Herausforderung mitdenkt, bevor sie überhaupt die Reifeprüfung abgelegt hat, dann stimmt doch irgendwas ganz gewaltig nicht! Wo leben wir denn? Im Mittelalter?

Wo sind hier die Erwachsenen, die Lehrer, die Eltern, die JournalistInnen, die den potentiellen Nachwuchs für unser Berufsfeld auffordern, neue Wege zu gehen. Denkt doch nicht Barrieren mit, wo es um Eure eigene berufliche Entwicklung und Selbstverwirklichung geht, Mädels. Willkommen im Jahr 2009. (Naja, zumindest in wenigen Tagen.)

Kommentare:

Judith Rauch hat gesagt…

JAJAJA, Tina, dieser Aufschrei war nötig. Ist nötig. Ist immer wieder nötig. Liebe Frauen jedweden Alters, macht doch nicht immer wieder Kompromisse, schon bevor sie nötig sind!! Und das gerade zulasten dieses Berufs, des Journalismus, der so viel Leidenschaft erfordert - und verdient!!!

Heidrun Wulf-Frick hat gesagt…

Diese begabten jungen Frauen kenne ich auch. Sie suchen eine Ausbildung, die Spaß macht, schnell studiert werden kann, am besten am Wohnort oder ganz nah dran - und dann einen sicheren Job, gutes Gehalt und die optimale Vereinbarkeit von Familie und Beruf bietet. Journalistin ist da wohl nicht ganz die optimale Wahl. Da sollten sie besser mal Lehrerin werden, da bekommen sie auch noch die gleichen Ferienzeiten wie ihre Kinder dazugeliefert. "Lehrerin" ist übrigens fast immer die zweite Option nach "Journalistin". Traurig, aber wahr. Vor allem, wenn man weiß, dass spätestens in vier Jahren überhaupt keine Jung-LehrerInnen mehr eingestellt werden! Wer's schafft, sollte sich noch schnell verbeamten und dann gleich für 15 Jahre beurlauben lassen. In der Zwischenzeit können diese Frauen nach tradioneller Art verdienstvoll ihre Kinder aufziehen - die Männer werden's schon richten. Hatten wir nicht mal eine Feminismus- und Gesschlechterdebatte? So wird da - bis auf wenige Ausnahmen - wohl nix draus.

Angelika Knop hat gesagt…

Über die Vereinbarkeit von Beruf und Familie kann frau nicht früh genug nachdenken. Sie stellt sich nur ganz anders, als die meisten denken.
1. Nicht so sehr bei der Berufswahl, sondern bei der Wahl des Mannes.
2. Nicht als OB, sondern als WIE - Schwierigkeiten (und die gibt es) sind dazu da, überwunden zu werden.