Dienstag, 30. Dezember 2008

Kuba-Blog ist Kult

Foto: Privat

In Kuba gibt's kaum frische Früchte - und wenn, dann sind sie für Durchschnitts-KubanerInnen fast unbezahlbar. Touristen können das nur erahnen, für die Menschen dort ist Armut Alltag. Von diesem Alltag erzählt die Bloggerin Yoani Sánchez. Ihr Blog "Generación Y" (Link auf die ins Deutsche übersetzte Seite) hat inzwischen Kultstatus. Obwohl die Internetseite von den kubanischen Behörden für Einheimische gesperrt wurde und Yoani Sánchez selbst wie fast alle KubanerInnen keinen eigenen Internetanschluss besitzt. Die 33jährige Sprachwissenschaftlerin tarnt sich als Touristin und bloggt von Hotelcomputern oder übermittelt ihre Texte per Mail und Telefon. Ein Freund betreibt ihre Seite von Deutschland aus.

Bester Weblog 2008

Das Blog "Generación Y" hat im Ausland inzwischen eine große Fangemeinde. Yoani Sánchez heimst Lob und Preise ein. Die US-Zeitschrft Times kürte sie zu einer der 100 einflussreichsten Persönlichkeiten der Welt; die spanische Tageszeitung El Pais verlieh ihr den Journalistenpreis "Ortega y Gasset". Zur Preisverleihung durfte Yoani Sánchez nicht ausreisen. Aber die Auszeichnungen schützen sie immerhin vor Verfolgungen in Kuba. Sie, die sich nicht als Dissidentin, sondern "nur" als Bloggerin sieht. Jetzt gab es weitere Ehren. Die Deutsche Welle nominierte "Generación Y" zum "Best Weblog 2008".

2 Kommentare

  1. Blog nach 50 Jahren

    Kürzlich kehrte eine Bekannte von mir aus Kuba zurück. Sie berichtete, dass im Land bittere Armut herrsche. Außer (Luxusgütern) Zigarren und Kaffee. Die Regale in den Läden seien leer. Und überall betteln Kinder um Kugelschreiber.

    Als ich vor acht Jahren Kuba besuchte, gab es in dem Vorzeige-Paradies Varadero einfach alles all inclusive. Allerdings nur gegen harte Währung. Wer einen Tourismus-Job hatte, verdiente mehr als ein Arzt. Ein übrig gebliebener Apfel vom kalten Buffet war so begehrt und wertvoll wie in der einstigen DDR eine Banane. Oder kubanische Zigarren in den USA. Andere Orte sahen ärmer aus. Doch momentan scheint bittere Armut zum Alltag zu zählen.
    Trotz unübersehbaren „Propaganda Nacional" Schlagzeilen an öffentlichen Gebäuden und großflächigen Bildern des verstorbenen Ché Guevara.

    Wen bringt man mit Cuba als Legende in Verbindung? Natürlich Männer. Fidel Castro, seinen Bruder Raúl. Vielleicht noch Arsenio Garcia. Bei Frauen gab es nur einen Star. Tamara Bunke, die deutsche Gefährtin von Ché, die ihn auf seinen gewagten Missions- und Revolutions-Touren (Bolivien) begleitete. Dies machte sie so beliebt, dass ihr Vorname zu den häufigsten Mädchennamen zählt.

    Höchste Zeit, dass in der "letzten Bastion des Kommunismus" eine Frau mit der "Generación Y" eine kluge Revolte führt. Yoani Sánchez. Vielleicht löst dieser Vorname auf dem Beliebtheitsgrad "Tamara" bald ab?

    Kubas mächtige Männer, die am 1. Januar 1959 das Regime kritisierten, kämpften und den Diktator Fulgencio Batista besiegten, mögen keine Kritik.

    Nach 50 Jahren ist es aber an der Zeit für eine neue Revolution. Es braucht keine Schlacht in der Schweinebucht. Ein Blog genügt!

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