Mittwoch, 24. Dezember 2008

Von Weihnachtswünschen und guten Vorsätzen

"Je extremer eine Meinung, je mehr erregt sie die Aufmerksamkeit." wusste Hedwig Dohm schon 1909. Diese Erkenntnis gilt im Medienzeitalter mehr denn je, im besten wie im schlechtesten Sinne: Im schlechtesten Sinne verbirgt sich hinter einer extremen Meinung, die auf den Titelseiten prangt, nur der Wunsch aufzufallen. Heiße Luft füllt hier die Seiten, sonst nichts.
Im besten Sinne aber will eine extreme Meinung auf Missstände aufmerksam machen. Die Schläfrigen und Gesättigten unserer Mediengesellschaft sollen durch die Thematisierung schreiender Ungerechtigkeiten aufgeweckt und zum Nachdenken gebracht werden.

Zugegeben, manchmal gehen diese zwei Intentionen Hand in Hand - so kurz vor Beginn des Wahljahres geht es in der Politik natürlich auch darum, aufzufallen. Und dennoch ist zu wünschen, dass die Schläfrigen und Gesättigten über das, was Guido Westerwelle kürzlich gesagt hat, nachdenken:

"Deutsche Außenpolitik und deutsche Entwicklungshilfe muss sich an freiheitlichen Werten und an den Menschenrechten orientieren (...) Ich bin zum Beispiel dagegen, dass Länder Entwicklungshilfe vom deutschen Steuerzahler bekommen, die Frauen nur als Menschen zweiter Klasse behandeln und systematisch misshandeln oder wo Männer und Frauen hingerichtet werden, nur weil sie homosexuell sind."

Gut, man könnte Dr. Westerwelle erwidern: Da wäre die deutsche Außenpolitik aber ganz schnell arbeitslos. Ginge man nach der Einhaltung der Menschenrechte gäbe es für Deutschland weder viele Länder, die unterstützbar sind, noch viele Partner, mit denen zusammengearbeitet werden könnte. Und ist es nicht gerade die Aufgabe der Entwicklungshilfe, Menschenrechte zu fördern?
Außerdem: Wie steht es eigentlich um die Einhaltung der Menschenrechte in Deutschland???

Aber ich muss gestehen, mir hat allein die pure Vorstellung, die Politik könnte in Zukunft ihr Augenmerk vermehrt auf die Einhaltung der Menschenrechte und die Lage von Frauen und Homosexuelle richten, das Herz erwärmt.
Und darum geht es doch an Weihnachten.


P.S.: Die Presse dachte leider mehrheitlich gar nicht daran, die Westerwelle'sche Utopie in ihrer ganzen Bandbreite wiederzugeben - da wurden doch die Frauen einfach vergessen:
"Westerwelle macht sich für Homosexuelle stark" titelt das Hamburger Abendblatt, "Westerwelle will Strafen für schwulenfeindliche Länder" die Süddeutsche, ebenso die Augsburger Allgemeine. Und die Welt interessierte sich nur für "Westerwelles Schwarzbuch der Homophobie". Ich werde das Gefühl nicht los, dass sich in den Vorstellungen der Redaktionen auch dahinter nur Männer verbergen...

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