Dienstag, 2. Dezember 2008

Karrierebremse Familie

Immer mehr Frauen arbeiten immer weniger. Das ist das Fazit einer Studie des Institut Arbeit und Qualifikation der Uni Duisburg-Essen. Zwar hat die Zahl der arbeitenden Frauen in Deutschland auf 61,5% zugenommen. Die Steigerung geht aber fast ganz auf das Konto der Mini- und Teilzeitjobs. Die Vollzeitbeschäftigung von Frauen ist immer noch auf dem Stand der Jahrtausendwende - und damit unter EU-Durchschnitt.

Verständlich: Frauen mit Kindern arbeiten besonders geringe Stundenzahlen. Äußerst ärgerlich: Männer mit Kindern arbeiten mehr Stunden als ihre kinderlosen Kollegen. Die Studie spricht von einer „modernisierten Versorgerehe“, in der Frauen meist nur "hinzuverdienen" und wirtschaftlich abhängig sind. Die Gründe u.a.: Minijobs, Ehegattensplitting und Mitversicherung bei der Krankenkasse sorgen dafür, dass es sich kurzfristig mehr rechnet, wenn einer voll und eine kaum arbeitet - als dass beide reduzieren. Die Quittung kommt dann oft nach der Scheidung und beim Rentenbescheid.

"Familien bremsen Karriere" titelt treffend Focus-Online. Denn in den Medien und der politischen Debatte ist das neue Familienbild angekommen - leider nicht im Alltag.

Die Zusammenfassung der Studie ist gut lesbar und es gibt sie als PDF. Also: Herunterladen und gruseln!

Kommentare:

Tina Groll hat gesagt…

Traurige Realität - die übrigens viele junge Frauen nicht davon abschreckt, sich genau für ein solches Leben zu entscheiden. Ich denke: Jede Frau sollte die Möglichkeit haben, so zu leben, wie sie gerne leben möchte - dass sie hinterher, wenn das Versorgermodell ausgeträumt ist, finanziell auch noch vom Staat für ihre Entscheidung für Familie bestraft wird, ist nicht einzusehen. Wann kommt diese Einsicht endlich mal an den Schaltstellen der Gesetzgebung an??

Tina Groll hat gesagt…

Und noch ein Nachtrag: Eine Beobachtung, die sich auch mit den Recherchen von Markus Breitscheidel (Wallraff-Zögling, Undercoverbuch "Arm durch Arbeit") deckt: Leiharbeit und Niedriglöhne betreffen vor allem und überwiegend Frauen. Da sind Stundenlöhne von 2,50 Euro auch keine allzu große Seltenheit. Kein Wunder, dass - wie heute (5.12.08) grad vermeldet - immer mehr Menschen Aufstockung durch Hartz IV beantragen müssen, weil ihr Lohn nicht zum Leben reicht. Der Anteil der alleinerziehenden Mütter und Kinder und Jugendlichen ist dabei enorm. Die Gesellschaft verspielt ihre Zukunft einen großen Teil ihrer Hälfte.

Anonym hat gesagt…

Noch viel trauriger ist, dass bei "bildungsfernen Schichten" (diese Bezeichnung taucht in Medien immer häufiger auf), insbesondere der "älteren Generation", der Glaube herrscht, dass die Ehefrau ja ohnehin beim Mann mitversichert sei. Dass sich Journalistinnen selber um Krankenversicherung, Rentenversicherung u.v.a.m. kümmern müssen, löst oft Erstaunen und Zweifel aus. Aber manche finden sich auch mit der Pauschalbehauptung mancher Männer "...alles was du verdienst, wird mir steuerlich abgezogen" ab - und und der "Mutter-und-Hausfrau-und-400-Euro-Jobberin" hin. Und setzen sich der Gefahr des finanziellen Abstiegs aus. Das ist wirklich traurig. Denn wenn Frau gut verdient, dann lässt sich das steuerlich oft so regeln, dass unterm Strich doch ein guter geldwerter Vorteil entsteht. Manche Männer finden das Versorgermodell aber ganz bequem. Da fällt mir nur der Spruch ein: "Vertrauen ist gut - Recherchieren ist besser..."