Montag, 2. Februar 2009

Kassensturz

Kritisch gesehen hat StZ-Autor Matthias Ring den Tatort „Kassensturz“ mit Ulrike Folkerts, alias Kommissarin Lena Odenthal, am 1.2.09 im ARD. Kommissarin Odenthal und Kollege Kopper (Andreas Hoppe) ermitteln im Fall einer Discounter-Kette. Ähnlichkeiten mit real existierenden Läden, in denen systematisch versucht wurde, die Bildung eines Betriebsrats zu „erschweren“, schienen nicht ausgeschlossen zu sein. Das ist auch gut so! Rügen des Kommentators zum Thema „Cross-Promotion“ scheinen weniger angebracht. Weshalb sollte ein öffentlich rechtlicher Sender in TV-Serie einen Privatsender einspielen, wenn Radiomusik im Drehbuch steht?
Treffsicher aber die Erkenntnis des Kommentators
""Der Regisseur Lars Montag, von dem in Zusammenarbeit mit Stephan Falk auch das Buch stammt, hat das System der Ausbeutung so anschaulich inszeniert, dass vor allem die Darstellung der Deutschlandchefin und des Gebietsleiters der „Billy-Kette“ schon zu satirisch wirkte.""
Aber Satire ist auch eine Form der Kritik. Und der im Film vom „Bösewicht“ vorgebrachte Vorwurf:
"Wer Waren unter Wert kaufen will, darf sich auch nicht wundern, dass Menschen unter Wert behandelt werden!"
sollte einem zu denken geben. Diese Dumpinglöhne gelten analog auch zu Honoraren für freie Journalisten. Wer Texte für 20 Cent pro Zeile anbietet, während seriöse Blätter für die identische Textlänge 200 Euro anbieten, braucht sich nicht über einbrechende Honorarsätze zu wundern. Aus Solidarität sollte man sich weigern, sich derart unter Wert zu verkaufen. Sonst trifft es einen eines Tages selbst. Dann sieht der "Kassensturz" so aus, dass der volljährige Hauptschulabsolvent, der am Fließband arbeitet, das zehnfache dessen verdient, was Akademiker mit Journalistenausbildung Anfang 30 verdienen. Und rechnet man hoch, dass der/die geringer qualifizierten Arbeitnehmer bereits 15 Jahre Lohn bezogen, müssen Journalistinnen (die sind übrigens besonders anfällig, solche Jobs anzunehmen und lassen sich aus Gutmütigkeit zu viel bieten) und Journalisten einige Jährchen arbeiten, bis zumindest gleich viel in der Kasse ist. Erst dann arbeiten sie in der "Gewinnzone" - wenn der Job noch da ist. Sonst folgt der Absturz. Und in der Kasse bleibt, im schlechtesten Fall, neben Hartz IV noch der 1-Euro-Job. Im Tatort arbeiteten übrigens ausschließlich Frauen im Niedriglohnbereich.

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