Donnerstag, 12. März 2009

Deutschland auf Halbmast

Nach dem gestrigen Amoklauf eines ehemaligen Schüler der Albertville-Realschule in der Kleinstadt Winnenden/Baden-Württemberg, hat die Bundesregierung die Fahnen aller Bundesbehörden auf Halbmast setzen lassen, in Baden-Württemberg sind alle öffentlichen Gebäude beflaggt. Zu betrauern sind 16 Jugendliche und Erwachsene sowie neun zum Teil schwer Verletzte, die der 17jährige erschossen bzw. angeschossen hat, sowie er selbst. Nach den bisherigen Ermittlungen hat er sich erschossen. Der mediale Rummel ist unbeschreiblich. Weltweit versuchten die Journalistinnen und Journalisten gestern mit Menschen vor Ort zu twittern. Mit mäßigem Erfolg übrigens. Winnenden ist nicht der Hudson River!
Acht tote Mädchen
Was war gestern als erstes auffällig? Die Ermittler haben erstaunlicherweise sofort bekanntgegeben, dass der Schüler in Winnenden zunächst in der Schule vermutlich gezielt auf Mädchen geschossen habe. Acht 14- und 15jährige Mädchen und drei Frauen sind tot. Anschließend und auf der Flucht habe Tim K. wahllos seine umfangreiche Munition verballert. Von außen betrachtet lebte der angeblich so unauffällige junge Mann in einer heilen Welt - doch drinnen hat es wohl ganz anders ausgesehen. Vielleicht auch in Bezug auf seinen Umgang mit Frauen, wenn sich die Vermutung der Polizei erhärten sollte. Die Aufarbeitung der Tat hat längst begonnen, für ihn jedoch und alle, die er mit in den Tod gerissen hat, kommen tragischerweise alle Erkenntnisse zu spät.

3 Kommentare

  1. Eigentlich gehören solche Schieß-Orgien in Schulen zu den vorhersagbarsten Verbrechen überhaupt, wie man in einem Artikel aus bild der wissenschaft nachlesen kann, auf den wir jetzt aus aktuellen Anlass auch online verweisen. Was die Ermittlungen im Fall Winnenden ergeben werden? Ich bin sehr gespannt darauf.

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  2. Das SZ-Feuilleton spricht heute von „Verrohung durch Übung“. Ich bin von diesem Phänomen überzeugt, auch wenn mir wieder tausende so genannter Fachmänner stets aufs Neue und herablassend lächelnd weismachen wollen, dass das regelmäßige Abtauchen in die Welt der Killerspiele, der Gewaltfilme oder in die Schießanlage im Keller keinerlei Auswirkungen auf das Seelenleben eines Jungen oder Mannes habe.
    Wichtig ist doch, zu überlegen, was so ein Mensch in all den endlosen Stunden und Jahren der Gewaltaufnahme alles n i c h t getan und erlebt hat. Welch elendige Vorstellung.

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  3. Im Hessischen Rundfunk habe ich gehört, dass der junge Mann/Junge am Abend vorher Killerspiele gespielt haben soll. Im zur Zeit stattfindenden Themenwochenende von hr2 zur Gehirnforschung kam auch raus, dass dauerhaftes Killerspielen die Spiegelneuronen, mit denen wir uns in andere Menschen einfühlen, abtäubt/abhärtet. (Indirekt?) Mal wieder eine Stimme mehr, was das Verbot von Killerspielen anbetrifft. Ob dadurch allein allerdings solche Amokläufe verhindert werden können wie in Winnenden, halte ich für zweifelhaft, denn dafür gibt es ja wohl mehrere Ursachen.

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