Sonntag, 12. April 2009

Vorbild Günther Jauch

Auf Spiegel Online kommentiert der Göttinger Politologe Franz Walter seine neue Studie über die kleinen Leute in Deutschland. Im unteren Drittel der Gesellschaft nimmt offenbar die Politikverdrossenheit zu, das Vertrauen in die Demokratie nimmt ab, und von Bildung verspricht man sich dort schon gar nichts mehr. (Ganz besonders frustriert sind die Männer, aber das will ich hier ausnahmsweise mal nicht in den Mittelpunkt stellen.)

Gleichzeitig haben diese Frustrierten jedoch ein Idol: Es ist der Journalist Günther Jauch. Ihm würden sie am liebsten die Staatsgeschäfte anvertrauen, haben Walter und Kollegen herausgefunden. Denn er sei "seriös", "hört zu", "gibt einem immer eine Chance".

Was ich nun überhaupt nicht verstehe: Kollege Jauch steht doch für Bildung! "Wer wird Millionär?" ist eine der wenigen Sendungen im deutschen Fernsehen, bei denen man mit Bildung richtig Geld verdienen kann. Und der Moderator kann da durchaus mithalten - auch bei den schwierigen Fragen. Und dass er jedem eine Chance gibt, ist das nicht eine zutiefst demokratische Tugend?

Also, liebe Politikwissenschaftler, löst mir dieses Rätsel: Wieso ist ein intellektueller und fairer Typ wie Günther Jauch so angesehen? Steht es vielleicht doch nicht so schlecht um den Ruf der Bildung und der Demokratie?

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