Donnerstag, 23. April 2009

Wenn sich Mutter und Tochter vertöchtern


Buchcover: Orland Frauenverlag
Kaum eine Seite, auf der ich nicht eine oder mehrere Textpassagen gelb angemarkert habe. Denn die Journalistin und Psychotherapeutin Claudia Haarmann vermittelt in ihrem Buch aufschlussreiche Erkenntnisse über die Mutter-Tochter-Beziehung. "Mütter sind auch Menschen - Mütter und Töchter begegnen sich neu" heißt der im Frauenverlag Orlanda erschienene Band. Der Pressetext dazu:


"Bloß nicht werden wie meine Mutter!", stöhnen viele Töchter. Den ewigen Konflikt von zu viel oder zu wenig Liebe, Aufmerksamkeit oder Anerkennung kennen viele Frauen...
Die Mutterbindung ist die erste Beziehung jedes Menschen. Sie legt grundlegende Beziehungsmuster, die alle folgenden Beziehungen beeinflussen - auch jede Liebesbeziehung. Doch keine Mutter ist ihr Leben lang für das Wohl ihrer Tochter
verantwortlich.
Traumatherapeutin Claudia Haarmann lässt in "Mütter sind auch Menschen" Expertinnen und "ganz normale" Mütter und Töchter zu Wort kommen. Sie geht der Frage auf den Grund, was diese Beziehung oft so schwierig macht und stützt sich dabei auf neueste Erkenntnisse aus Bindungsforschung und Neurobiologie.

Die Autorin geht auf die Verletzungen, die Traumata der Mutter ein und welche Konsequenzen das für die Tochter und deren Erziehung hat. Insbesondere Kriegstraumata bilden einen Schwerpunkt des Buches. Einseitig Partei ergreift Haarmann dabei nicht. Anschaulich und verständlich leuchtet sie den Facettenreichtum der Mutter-Tochter-Beziehung aus. Dabei wechselt sie die Methoden, indem Betroffene zu Wort kommen, Interviewpassagen zu finden sind und erklärende Sachbuchpassagen. Das Buch gibt Denkanstöße für die Auseinandersetzung mit der eigenen Mutter. Und es ist versöhn-, besser vertöchterlich:


Der Leitgedanke dieses Buches ist: `Jede Mutter will ihrem Kind das Beste geben. Doch es gibt `etwas´ in ihrem Leben, was sie daran hindert. Sie konnte und kann nicht das geben, was die Tochter wirklich gebraucht hätte oder heute noch braucht. Wäre sie dazu in der Lage, dann wäre es bereits geschehen!


Gleichzeitig sieht sie für die jetzigen Genrationen die Chance, Unausgesprochenes aus der Mutter-Tochter-Beziehung aus zu sprechen und aus dem Teufelskreis der Defizite, die über Generationen über die Erziehung weitergegeben werden, aus zu brechen.
Ein anrührendes, ein kluges Buch über Mütter und Töchter!


Claudia Haarmann, "Mütter sind auch Menschen - Mütter und Töchter begegnen sich neu", Berlin 2008, Orlanda Frauenverlag

Kommentare

  1. Die zitierte Aussage "Doch keine Mutter ist ihr Leben lang für das Wohl ihrer Tochter verantwortlich", sollten sich einige Mütter hinter die Ohren schreiben! Manche verhalten sich wie Glucken und meinen ständig, dass ihre Töchter "etwas besseres" verdient haben, es nicht nötig haben, dieses oder jenes zu tun (lernen, höherer Schulabschluss, sich fortbilden) oder mit Gesellschaftsgruppen, die einen niederen Stand als sie selbst haben (Migrationshintergrund, sozial Schwache) zu treffen. Dann wundern sie sich plötzlich, weshalb die Tochter plötzlich 40 ist, noch immer im Elternhaus wohnt, arbeitslos ist/wurde und weit und breit kein Märchenprinz "mit Milionen von Euro" um die Hand anhält...

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