Sonntag, 24. Mai 2009

Lebendiges Europa

Lebhafte Geschichtenerzählerin: Annemieke Hendriks
Foto: Knop

Europa lebt von Begegnungen. Und manchmal begegnen einem dabei Überraschungen. So auch bei der Tagung Frauen in Europa der Evangelischen Akademie Tutzing. Direkt nach dem Vatertag hatte die in ihr Schlösschen an den Starnberger See bei München geladen - und dieses Timing sorgte für eine überschaubare Runde, in der die Begegnungen dafür umso intensiver waren. Oder war es doch weniger der Brückentag als die "Europamüdigkeit" der Frauen? Die beklagte vor den Wahlen zum Europäischen Parlament auch der Vertreter der EU-Kommission in München. Doch die Soziologin Beate Hoecker entlarvte das als Mythos: Frauen sind nicht wahlmüder als Männer.

Für eine weitere Überraschung sorgten die beiden Europa-Kandidatinnen von CSU und FDP, die sich einmütig und gegen die Parteilinie für eine Frauenquote in ihren Parteien aussprachen. Darüberhinaus gab es viele kleine und große Erkenntnisse: Die tschechoslowakische Verfassung von 1918 war weltweit die erste, die die Gleichheit der Geschlechter formulierte. Und in Frankreich arbeiten dank guter Kinderbetreuung zwar viele Mütter. Die Erwerbstätigenquote aller Frauen ist dennoch nur durchschnittlich.

Die reizendste Überraschung - oder besser Entdeckung - aber war die niederländische Journalistin Annemieke Hendriks. Die Wahl-Berlinerin berichtet für ihre Heimatzeitungen aus der Mitte Europas, zum Beispiel von ihren Touren durchs deutsch-polnische Grenzgebiet mit dem Hollandrad. In Tutzing las sie aus ihrem Buch Unheile Heimat. Eine Reise zu Familien in der Mitte Europas . Mit ansteckender Begeisterung berichtete sie von den Besuchen bei diesen multi-ethnischen Familien, die sie an ihrem Alltag, ihrer Geschichte und ihren Gedanken teilhaben ließen. Beim Klang der Worte sah man sie vor sich: das schwule deutsch-polnische Paar Tim und Tomek in Wiesbaden oder die kosmopolitische, russisch-lettische Familie von Daria und Peteris.
Wie gesagt, Begegnungen machen Europa lebendig.

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