Sonntag, 22. November 2009

Besser Online: Krise, Klicks und Kampfbegriffe

"Den Kampf um die Aufmerksamkeit zu gewinnen, ist derzeit wichtiger als Geld zu verdienen." 
Mit dieser These startete Katja Riefler, Eigentümerin der Medienberatung RISolutions, in ihren Vortrag. Da ging es um "Paid Content" und wie der die Zukunft der Zeitung im Internet sichern könnte. Aber die Aussage hätte so auch über den meisten anderen Diskussionen und Referaten am Samstag beim Besser-Online-Kongress des Deutschen Journalistenverbandes stehen können.


Katja Riefler bei "Besser Online - Klicks aus der Krise!"
Foto: A. Knop

Der mehrfach preisgekrönte Sportpolitik-Blogger Jens Weinreich sollte eigentlich über "Selbstvermarktung in Blogs" reden. Doch was der Enthüllungs-Journalist da enthüllte, klang eher nach Marketing-Pleite.

"Neulich kam eine Anfrage auf meinem Kontaktformular: Können Sie uns mal eben 25.000 Zeichen zum Thema Doping schreiben? - Honorar: 0."


Weinreich ist es wichtiger, in den Spiegel gucken zu können als im SPIEGEL zu stehen - und Ehrlichkeit zieht, so sagt er selbst, weder Anzeigenkunden noch Auftraggeber. Wenn nichts mehr geht, ruft er im Blog zu Spenden auf. 


So als er trotz gewonnenem Rechtsstreit mit dem Deutschen Fußballbund (wegen seines Blogs) auf 25.000 € Kosten sitzen blieb. Seine Version der Eingangsthese lautet:

"Es gibt zwei Währungen in Zukunft: die eine ist Vertrauen, die andere ist Aufmerksamkeit." 
Kein Vertrauen hat Recherche-Trainer Albrecht Ude in Google und rief zu "einer Woche ohne" den Suchmaschinen-Monopolisten auf. Wolfgang Sander-Beuermann (Projektleiter Suchmaschinenlabor Uni Hannover) empfahl blind search - zum Beweis, dass Google nicht immer die besten Ergebnisse liefert. Aufmerksamkeit kann also auch hier nicht schaden.
Und wer nicht auf einem Podium saß, verschaffte sich mit markigen Sprüchen aus dem Zuschauerraum Aufmerksamkeit, zum Beispiel diesem hier: 

"Qualitätsjournalismus ist ein Kampfbegriff der Ewig-Gestrigen im Print-Journalismus." 
Da gab es dann kräftig Widerspruch. Auf dem Abschlusspodium kämpfte schließlich Moderatorin Michaela Skott souverän um die Aufmerksamkeit ihres Diskutanten Robin Meyer-Lucht (Carta), der als Romelu nebenher twitterte - und dann noch die Vision vom Journalismus der Zukunft entwarf: Expertenwissen besitzen, fremde Inhalte aus dem Netz saugen und aufbereiten, die Nutzer einbinden und diesen Prozess moderieren.

Kommentare

  1. Für "eine Woche ohne" findet man hier eine Menge Suchmaschinen:
    http://einewocheohne.wordpress.com/2009/08/11/alternative-suchmoglichkeiten-im-internet/

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