Montag, 15. März 2010

Frauenquote für obere Wirtschaftsetagen


Photo: Dreamstime

Telekom-Chef René Obermann zeigte gutes Timing.  Zum heutigen zweiten Forum der Initiative FidAR - Frauen in die Aufsichtsräte -("Wir brauchen jetzt eine verbindliche gesetzliche Frauenquote für Aufsichtsräte“)  ließ er erklären, dass bis 2015 30 Prozent seiner Mitarbeiter Frauen sein sollen - auch im Top- und Mittelmanagement.  Die Frauenquote sei keine Gleichmacherei, sondern eine Notwendigkeit für den Erfolg. Man brauche Chancengleichheit für die besten Talente, egal welchen Geschlechts. Hört, hört, da erwarten wir aber auch Gleichheit bei der Bezahlung.


Derzeit gibt es gerade mal 2,5 Prozent weibliche Vorstände und zehn Prozent weibliche Aufsichtsräte in großen deutschen Unternehmen. Dennoch setzt Frauenministerin Kristina Köhler Schröder weiter auf Freiwilligkeit und sang bei FidAR das alte Lied, eine gesetzlich verordnete Quotenregelung für Frauen in Aufsichtsräten könne nur Ultima Ratio sein. Andere EU-Länder schaffen Gesetze. Frankreich will eine Frauenquote für Aufsichtsräte, die Niederlande sogar eine für die Vorstände. Belgien, Finnland, Österreich, Schweden und Spanien planen ähnliches. Vorn dran ist Norwegen: seit 2008 gilt eine Frauenquote von 40 Prozent in Aufsichtsräten großer Unternehmen.
Und unser Volk? Bei einer kleinen Spiegel-Umfrage meint gleich mal die Hälfte der Leser( innen?): wenn die Frauen sich nur anstrengen, dann schaffen die das schon ohne Quote. Andere behaupten, Quote schaffe Mittelmäßigkeit. Auch beim Spiegel-Beitrag über Frauenquoten in Unternehmen zeigen die offensichtlich von Männern geschriebenen Leserbriefe erschreckende Ignoranz. Da spricht der sich hinter Pseudonymen versteckende Männer-Stammtisch.

Kommentare:

Angelika Knop hat gesagt…

Nach einer Studie des Sinus-Instituts unter Führungskräften befürwortet ein Drittel der Männer und mehr als die Hälfte der Frauen eine verpflichtende Frauenquote in Aufsichtsgremien - und 70 Prozent der Befragten glauben nicht, dass von allein mehr Frauen in Führungspositionen gelangen werden. Und diese Befragten müssen es ja wissen, sie sind schließlich für Einstellungen und Beförderungen verantwortlich.
Deshalb ist es Zeit für ein Ende der Geduld. Mehrere tausend Jahre haben Männer von einer ungeschriebenen Quote profitiert und davon, dass ihnen 50% der potentiellen Konkurrenz erspart blieb. Mit ein bisschen Glück müssen gesetzliche Frauenquoten nur ein paar Jahrzehnte oder sogar Jahre gelten und dann geht es - zum ersten Mal - wirklich nur um Leistung.
Quoten gibt es ja auch anderswo: nach Landsmannschaften, nach Interessengruppe, nach Parteibuch. Wenn man ein paar davon abschafft und die Frauenquote einführt, vergrößert sich der Bewerberinnenpool vermutlich beträchtlich - und das Maß an Kompetenz ist angesichts bisheriger Aufsichtsratsbesetzungen (zum Beispiel mancher Landesbanken) sicher deutlich steigerungsfähig.

Britta Erlemann hat gesagt…

Es reicht meiner Meinung nach nicht, die Frauenquote in Unternehmen einzuführen. So lange diese noch männerorientiert strukturiert sind, wird es schwer sein, viele Frauen dazu zu bringen, sich zu bewerben. So müsste der häufig andere Führungsstil von Frauen akzeptierter werden. Und ein Führungsjob dürfte nicht automatisch mit einer Wochen-Stunden-Anzahl über das normale Maß hinaus verbunden sein. Auch müssten mehr Betreuungsmöglichkeiten für Kinder angeboten werden.
Nichtsdestotrotz halte ich die Quote für einen guten Anfang.

Isabel Rohner hat gesagt…

Wie bescheiden wir sind: Die Telekom beschließt eine "Frauenquote" von 30% bis 2015 - und wir jubeln. Dabei bedeutet das doch nichts anderes, als dass die "Männerquote" bei der Telekom bis 2015 nicht unter 70% sinken darf. Gut, das mag besser sein als eine Männerquote von 97,8% wie bei anderen Unternehmen - aber ein Grund zum Jubeln ist es noch lange nicht.

Angelika Knop hat gesagt…

Na, so ganz stimmt das ja nicht - die 30% sind ja eine Mindest- keine Höchstquote.

Judith Rauch hat gesagt…

Ich habe bereits Erfahrung mit einem Aufsichtsratsmandat und stehe auch wieder zur Verfügung. Lieber als für noch ein unbezahltes Ehrenamt (Mentoring etc.) - da habe ich schon viel getan. Also - wer eine Aufsichtsrätin braucht, bitte melden.

Heidrun Wulf-Frick hat gesagt…

Judith, was für eine super Idee. Auf die Idee, mich als Aufsichtsrätin zu engagieren, bin ich ja noch nie gekommen. Könntest Du uns nicht eine kurze Anleitung schreiben, wie frau Aufsichtsrätin wird?! Ich wäre dabei!

Judith Rauch hat gesagt…

Ich denke, es geht immer über Beziehungen - wie in meinem (ersten) Fall auch. Man muss das Vertrauen der Eigentümer der Firma haben, deren Interessen man ja im AR vertritt. Eine besondere Ausbildung ist meines Wissens bis heute nicht vorgeschrieben, aber man sollte natürlich bereit sein, sich in die entsprechenden rechtlichen und betriebswirtschaftlichen Fragen einzuarbeiten, um dem Vorstand Paroli bieten zu können.

Iris Koller hat gesagt…

Die Tatsache, dass eine Frauenquote notwendig ist, ist traurig genug. Ich sehe das aber wie immer von zwei Seiten - für eine Übergangszeit ist das sicher gut, einfach um einen Gewöhnungseffekt zu erzielen. Es ist ja leider so, dass auch wenn Unternehmen gezielt Frauen für Führungspositionen suchen, sie nur wenige finden, die dazu bereit sind. Man wäre ja sogar bereit, eine Infrastruktur wie einen Betriebskindergarten und ähnliches zu schaffen. Die Führungskultur mag ein Grund sein, wobei aber auch in der Männerwelt teamorientierte Führungsstile gefragt sein sollen. So wird jedenfalls immer wieder berichtet. Ist aber auch branchenabhängig. Die Notwendigkeit für einen höheren Frauenanteil liegt jedenfalls nicht allein im Gleichbereichtigungsgedanken. Verschiedene Studien haben ergeben, dass Unternehmen mit Frauen an höchsten Stellen nachhaltig am erfolgreichsten sind. Ganz deutlich jetzt im Umfeld der Krise zu sehen.