Freitag, 26. März 2010

Kleine Einführung in Wittgenstein

Osterferienbeginn und ich muss mit dem Auto von Hagen nach Köln. Stau und Regen - wie schön, dass es das Radio gibt. Angekündigt wird schon eine halbe Stunde vorher ein Kurzbericht über den Equal Pay Day. "Klasse", denk ich mir, "kann ja ganz interessant sein." Und dann hör ich sie wieder, die Sätze die ich niemals, niemals, nie, nie, nie in Sendungen hören (oder in Berichten lesen) will, in denen es ausschließlich oder auch um die Probleme von weiblichen Mitbürgerinnen und Steuerzahlerinnen geht: "Wer glaubt, dass ER benachteiligt wird, sollte bei SEINEM CHEF nachfragen."
Liebe Leute, Mitjournalistinnen und Mitjournalisten: Ich empfehle dringlichst die Lektüre von Wittgenstein. "Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt." (Mein zweitliebstes Zitat von ihm ist übrigens "Seltsamer Zufall, dass alle die Menschen, deren Schädel man geöffnet hat, ein Gehirn hatten." - aber das lasse ich an dieser Stelle mal.)
Wie sollten denn die gesellschaftlichen Probleme und Diskriminierungen von Frauen ernst und genommen werden, wenn die Frauen noch nicht einmal sprachlich sichtbar sind?
Jetzt bin ich wirklich urlaubsreif.

Kommentare:

Heidrun Wulf-Frick hat gesagt…

Wittgenstein sagt auch: "Wer keiner Tatsache gewiß ist, der kann auch des Sinnes seiner Worte nicht gewiß sein." Mein Lieblingsspruch ist und bleibt der von Luise F. Pusch: "Die Menstruation ist bei jedem ein bisschen anders." (aus: Das Deutsche als Männersprache, 1984!!!!!!)

ikolumen2009 hat gesagt…

Also ich weiß nicht, ob das die Sprache allein ist...

Im Englischen ist das ja einfache, da kann ein teacher sowohl weiblich als auch männlich sein. Ähnlich handhabe ich das meist auch in Bezug auf mich, ich habe mich immer als Student, Betriebswirt, Journalist... gesehen. Solange die nicht aufs Männerklo spazieren, mache ich mir keine Gedanken darüber, dass ich anders bin.

Bei diesem Beitrag ist das allerdings ein Unerschied, immerhin ist es ein Frauenthema.

Außerdem denke ich, Frauen sollten allgemein sichtbarer sein. Immer wenn es darum geht, sich zu profilieren, beispielsweise als Redner auf einem Fachkongress (außer bei Frauenthemen), halten sich die Damen gerne zurück. Ein bisschen mehr Publicity, ein bisschen mehr Selbstdarstellung... das würde Frauen viel eher sichtbar machen.

Wenn sich das Denken geändert hat, wird die Sprache folgen - falls sie es dann noch muss.