Donnerstag, 13. Mai 2010

Impressionen vom Ökumenischen Kirchentag

Der Altstadtring etabliert sich so langsam als Münchens Festmeile. Wenn es etwas zu feiern gibt, bleibt die vier- bis fünfspurige Straße rund um die Innenstadt für den Autoverkehr gesperrt - für den 850. Stadtgeburtstag, für die Radlnight oder gestern Abend für den Ökumenischen Kirchentag:
Eine Mischung religiöser und weltlicher Anliegen wirbt um Aufmerksamkeit hinter Biertischen in weißen Zelten. Von den lesbischen Paaren mit Kinderwunsch bis zur KirchenVolksBewegung, die Unterschriften sammelt gegen den Pflichtzölibat. Vom christlichen Entwicklungsdienst bis zum Bauernverband, der Brot verkauft - gesegnet von einem evangelischen und einem katholischen Priester, wie die Frau am Stand betont. Das Fleisch ist oft bio, die Preise sind nicht immer christlich. Sechs Euro für die Karotten-Ingwer-Suppe. Da geht der Gewinn hoffentlich an einen guten Zweck.

Was Katholiken und Protestanten eint, ist auch der Durst auf Kaffee. Vom Stachus bis fast zum Odeonsplatz ist nach halb zehn keiner mehr zu bekommen. Dabei hätte er so gut zum Birnenbrotkuchen des katholischen Kinderheimes gepasst. Doch das Kichentagsmotto "Damit ihr Hoffnung habt", das überall von den umgeschlungenen, orangeorten Schals leuchtet, ist auch hier am Platz, genauer gesagt am Wittelsbacherplatz. In Niederbayern, das sich dort als Region präsentiert, fließt noch heißes, braunes Wasser aus dem Hahn. Die junge, blond gelockte Keyboardspielerin der christlich Folkrockgruppe spielt sich unterdessen vor Begeisterung warm. Der Gospelchor der Evangelischen Militärseelsorge Lechfeld-Kaufbeuren hätte statt des kleinen Zeltes, vor dem sich die Menge staut, eine größere Bühne verdient.
Um halb elf heißt es "München leuchtet". Zahlreiche dünne Kerzen recken sich in die Höhe, was auf der Leinwand am Odeonsplatz deutlich imposanter aussieht als in Realität, weil die Kameralinse den Schein der winzigen Flammen in strahlende Kreuze verwandelt.
Auf dem Heimweg in der U-Bahn komme ich ins Gespräch mit zwei jungen Mädchen, die als Helferinnen auf dem Kirchentag "arbeiten" - gegen freien Eintritt und Unterkunft. Letztes Jahr in Bremen, da hatten sie nicht viel von der Veranstaltung, so beschäftigt waren sie mit Ordnerdiensten. Diesmal hat sich die Gruppe von 35 Leuten besser organisiert und arbeitet in Schichten. Es kann also ein Erlebnis werden. Fröhlich winkend ziehen sie ins Schlaflager in der Turnhalle einer Hauptschule.

1 Kommentar:

Heidrun Wulf-Frick hat gesagt…

Heute wurde Margot Käßmann von 6000 Begeisterten gefeiert. Es war ihr erster großer Auftritt seit ihrem Rücktritt, über den wir hier im Watchsalon auch diskutierten. Sehr schön fand ich Ihre Entgegnung, dass sie es keine schlechte Idee fände, mit den Taliban im Zelt zu beten. Und natürlich ihr Aufruf, endlich das gemeinsame Abendmahl einzuführen. Auf br-online gibt es aktuelle Infos und Fotos vom Kirchentag. Unter anderem fand ich dort auch ein Video über die erste Priesterinnenweihe der Alt-Katholiken in Aschaffenburg: http://bit.ly/90yipc