Freitag, 9. Juli 2010

Elite-Stipendien für geborene Erben

Foto: Photobucket

Die leistungsstärksten zehn Prozent der Studenten sollen 300 Euro monatlich bekommen - wer genau, entscheiden Hochschulen und Sponsoren. Es geht um 630 Millionen Euro jährlich.
Das Entscheidende: das Geld gibt es rückzahlungsfrei und  
       unabhängig vom Einkommen der Eltern!
Dieses miese Gesetz hat die Regierung noch schnell durchgepeitscht, bevor Rot-Grün in NRW die Verhältnisse im Bundesrat verändern wird. Anno 2010 wird Professor X und Sponsor Y also wieder des öfteren  nach Stallgeruch entscheiden und den Eloquenten, Gutgekleideten und Gefönten drei Hunderter pro Monat zuschieben. Kluge junge Leute, die ihre Selbstsicherheit in einer Dreizimmer-Wohnung und im falschen Stadtteil nicht so gut trainieren konnten, werden erneut auf der Strecke bleiben. Ihr Bafög wird um zwei Prozent erhöht und muss zurückgezahlt werden.

Kommentare:

Angelika Knop hat gesagt…

So kann es in einigen Fällen sicher kommen. Die Vorgaben des Bundesbildungsministeriumssehen allerdings anders aus:
"Neben den bisher erbrachten Leistungen und dem persönlichen Werdegang sollen auch gesellschaftliches Engagement, die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, oder besondere persönliche Umstände berücksichtigt werden, die sich beispielsweise aus der familiären Herkunft oder einem Migrationshintergrund ergeben."
Und das sollte kontrolliert werden. Das lässt sich mit simplen Statistiken machen: Entspricht der Anteil z.B. der Migranten an den Geförderten nicht mindestens ihrem Anteil an den Studierenden, versagt das Programm in diesem Punkt genauso wie das gesamte deutsche Bildungssystem. Aufgrund dieser Erfahrungen könnte man natürlich auch vorher Quoten festlegen...
Abgesehen davon gibt es aber viele gute Gründe für einkommensunabhängige, leistungsbezogene Förderung. Wer kein Bafög bekommt, dessen Eltern sind noch lange nicht reich oder selbst wenn, nicht immer freigiebig. Wer sich durch Engagement und gute Leistungen auszeichnet, gewinnt ein Stück Unabhängigkeit bei Berufswahl und -weg. Davon könnten gerade auch Frauen profitieren, die ja im Schnitt die besseren Noten haben, wenn, ja wenn, siehe oben....

Magdalena Köster hat gesagt…

Hier die praktischen Erfahrungen statt kluger Sätze:
"...Erst als die Stiftung vor anderthalb Jahren die Herkunft ihrer Stipendiaten einmal systematisch erhob, ließ sich die soziale Schieflage nicht länger leugnen. Noch drastischer als die eigene Analyse fiel das Ergebnis einer Untersuchung des Hochschulinformationssystems in Hannover (HIS) aus: In sämtlichen Kirchen- und Parteienstiftungen, so der Befund, werden bevorzugt die Kinder der Reichen und Gebildeten gefördert. Doch nirgendwo ist diese Diskriminierung so drastisch wie bei der Studienstiftung.

Gerade einmal jeder 20. Studienstiftler stammt demnach aus sozial "niedrigen" Verhältnissen. Mehr als vier Fünftel dagegen sind in einem Elternhaus mit "gehobenem" oder "hohem" Status aufgewachsen."
mehr unter:
http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,688858,00.html

und noch genauer steht es unter "Untersuchung des Hochschul-Informations-Systems zum sozialen Profil in der Begabtenförderung:
http://www.his.de/publikation/archiv/X_Pub/index_html?reihe_nr=U1052

Anonym hat gesagt…

Zufällig habe ich mich heute mit dem Thema beschäftigt und mir kam sofort der Gedanke, dass dies nicht hilft, um mehr Bildung für ALLE zu schaffen. Um es zu dieser Stipendienförderung zu schaffen, muss man davon gehört haben, man muss jemand kennen, der einen dazu ermutigt, man muss Kontakte gehabt haben, um sich sozial zu engagieren - am besten noch im Ausland usw. Und das soll eine türkische Schülerin schaffen, die zuhause auf eine Welt stößt, wo es mehr ums Kochen und Heiraten als um Karriere und Politik geht?

Judith Rauch hat gesagt…

Es liegt vermutlich an den von Professoren geführten Auswahlgesprächen, bei denen die soziale Gewandtheit des Bewerbers/der Bewerberin eine große Rolle spielt - an dieser Hürde scheitert man leicht, wenn man beispielsweise aus einer nicht-akademischen Familie kommt. Auf die Prüfer wirkt man dann schnell naiv und nicht zielbewussst genug. Ähnlich bei den Gruppendiskussionen: Jugendliche, die in Großstädten aufgewachsen und schon viel gereist sind, sind da einfach selbstbewusster als ein noch so begabtes Landei. Objektive Leistungstests wären besser, und warum nicht Sozial- und Geschlechterquoten?