Donnerstag, 9. September 2010

Bild, Schwarzer, Kachelmann

Alice Schwarzer kommentiert in Bild den Kachelmann-Prozess. Und, um es gleich zu sagen: Ich finde das gut.

Erstens aus inhaltlichen Gründen: Es ist nötig, dass in diesem Prozess, in dem die Medien-Sympathien in Richtung des der "schweren Vergewaltigung" beschuldigten TV-Moderators gekippt sind, auch die Perspektive der Nebenklägerin durch eine starke Stimme repräsentiert wird. Denn noch steht Aussage gegen Aussage, gibt es keine neuen Erkenntnisse, die zu einer Vorverturteilung oder einer Vorabfreisprechung des Beklagten taugen.

Zweitens aus journalistischen Gründen: Es hat Tradition und es ist sinnvoll, dass MeinungsmacherInnen aus langsamen Medien - etwa (Chef-)RedakteurInnen von Monatszeitschriften - schnellere Medien für ihre Beiträge zu aktuellen Debatten nutzen. Von Alice Schwarzer konnte man in dieser Hinsicht schon immer viel lernen. Natürlich hat sie in der Vergangenheit bevorzugt seriöse Blätter wie Spiegel, Zeit und FAZ für ihre aktuellen Kommentare genutzt. Die Zusammenarbeit mit Bild ist neu. Aber da es hier um einen TV-Prominenten geht und um eine Geschichte, die das Volk bewegt, ist die Wahl des Mediums plausibel. Wo sonst bekommt eine feministische Position so viel Aufmerksamkeit?
Natürlich erwarte ich von Alice Schwarzer, dass sie die Bild-Zeitung auch weiterhin mit kritischen Augen sieht - unabhängig von der Honorierung.

Wenn wir in einer idealen Medienwelt lebten, erschiene Emma wie früher monatlich oder noch öfter, verfügte über eine große Redaktion mit Zugriff auf aktuelle Kanäle und über genügend wohlhabende KäuferInnen, die die Zeitschrift tragen, ohne dass die Herausgeberin Kompromisse machen oder ungewöhnliche Allianzen eingehen müsste. Mit anderen Worten: wäre Emma so stark wie Bild. In solch einer Welt leben wir nicht.

Außerdem muss niemand Bild kaufen, um zu lesen, wie Alice Schwarzer den Kachelmann-Prozess sieht. In ihrem Blog steht´s auch.

2 Kommentare

  1. Absolute Zustimmung - auch Thea Dorn, Schriftstellerin (Mädchenmord) hat in der Bild am Sonntag (12.9.2o1o) als Beobachterin für Bild den Prozessauftakt gegen J. Kachelmann beschrieben zu `Zwei Verlorene im Labyrinth der Lebenslügen.`

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