Sonntag, 19. September 2010

Hyperlokal und experimentierfreudig

Zurück vom Freischreiber-Zukunftskongress in Hamburg. Genereller Eindruck: Die Stimmung ist gut, die Zukunft offen. Die neuen Geschäftsmodelle sind noch recht vage oder bringen noch wenig ein. Die alten Helden der New Economy wie Peter Kabel (Kabel New Media, insolvent 2001) treten nur noch als "Gespenst" aus der "Geisterbahn" in Erscheinung. Zu den neuen Heldinnen zählt beispielsweise Katharina Borchert, die von der Bloggerin zur Geschäftsführerin von Spiegel online aufgestiegen ist. Aber auch sie musste sich vorhalten lassen, wie mager die Honorare für freie Mitarbeiter bei dem erfolgreichen Verlags-Portal ausfallen.

Erfrischend dagegen die Berichte von JournalistInnen, die ohne Verlag im Rücken Bücher, Podcasts, Meldungen oder Meinungen veröffentlichen, nach dem Motto der Veranstaltung "Mach´s dir selbst". Die Medienjournalistin Ulrike Langer mit ihrem Blog medialdigital beispielsweise oder die Politik- und Wirtschaftsjournalistin Margaret Heckel mit gleich zwei Blogs. Alles noch begeisterungsgetragen und nicht kostendeckend. Aber so hat Katharina Borchert auch mal angefangen, wie sie (etwas wehmütig?) berichtete.

Viel tut sich im Lokalen bzw. Hyperlokalen (auf Stadtteilebene), also zum Beispiel in Leipzig, Hamburg-Altona, Regensburg und anderswo: Hier sind lokale Online-Zeitungen angetreten, den Print-Platzhirschen wirklich Konkurrenz zu machen. Wie Experte Marian Semm vorrechnete, haben solche Projekte durchaus Chancen, sich vom regionalen Werbekuchen nahrhafte Scheiben abzuschneiden.

Auch einige bekannte Gesichter aus dem Journalistinnenbund sind mir beim Freischreiber-Kongress begegnet. Leider auch eine Kollegin, die aus dem JB ausgetreten ist, weil sie sich beim Netzwerk Recherche und bei den Freischreibern besser aufgehoben fühlt.

Und bevor noch eine fragt: Ich war nicht die einzige unter den "empathiefreien" (Bernhard Pörksen) festangestellten RedakteurInnen, die bei den Freischreibern geschnuppert hat, wie die Zukunft riecht.

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