Dienstag, 22. Februar 2011

Interview mit Nawal al-Saadawi

Die ägyptische Menschenrechtlerin Nawal al-Saadawi äußert sich heute in einem Interview mit der WELT kritisch zum vom "Hohen Rat" eingesetzten Verfassungskomitee in Ägypten:

"Zum einen sitzen in diesem Komitee nur alte Männer, allesamt Juristen. (...) Zweitens müssen alle Menschen, die an der Revolution beteiligt waren, auch Frauen und Jugendliche, in einem solchen Komitee gleichberechtigt vertreten sein. (...) Dieser Verfassungsrat wird uns eine Verfassung schneidern, die hauptsächlich islamisch ausgerichtet sein wird. Sie werden zum Beispiel Artikel 2 der Verfassung beibehalten, der festlegt, dass der Islam Staatsreligion ist."

Nawal al-Saadawi fordert eine Verfassung, die "100 Prozent säkular" ist. Denn was wird es gerade für die Frauen bedeuten, wenn sich auch in der neuen Verfassung Artikel befinden, die sich auf die Scharia berufen oder sich an sie anlehnen? Die Begeisterung des Westens über den Sturz Mubaraks darf nicht dazu führen, die aktuellen Geschehnisse in Ägypten allzu unkritisch zu betrachten.

Das Interview mit al-Saadawi gibts unter http://www.welt.de/print/die_welt/politik/article12603861/Das-sind-alles-Mubarak-Maenner.html

Kommentare:

Judith Rauch hat gesagt…

Nawal al-Saadawi muss unbedingt mit in einen Verfassungsrat in Ägypten - sie hat jahrzehntelange Erfahrung, was Frauenrechte betrifft. Sie kann eine Brücke zwischen den Generationen schlagen. Die Revolution muss weitergehen.

Anonym hat gesagt…

RESPEKT - WIR SIND DOCH DIE HÄLFTE!




Wenn wir – Frauen und Männer - wahrhaftig GLOBAL für das weibliche Selbstbestimmungsrecht – also auch über den eigenen Körper - und eine faire paritätische Partizipation der Frauen in aller Welt offensiv eintreten würden, wäre viel gewonnen.

Es gäbe weniger Aids, es gäbe weniger ungewollte Schwangerschaft, es gäbe weniger Gewalt - denn Krieg ist auch Terror - es gäbe eine substantiell andere Qualität in den politischen Entscheidungen, jenseits von paschahafter Ernstfall-Logik, und zwar sowohl im Westen, als auch im Süden und im Osten unseres Planeten.

Denn: Wir Frauen sind die Hälfte, und wir wollen auch zur Hälfte Verantwortung mittragen, weltweit! Es geht um Balance, denn Frauen wollen keine Instrumente sein, weder für Last noch für Lust. Er wäre sinnvoll, wenn die bereits weitgehend emanzipierten Frauen jetzt den aufbegehrenden Geschlechtsgenossinnen solidarisch beistehen und sie ermutigen und ermuntern könnten. Wann, wenn nicht jetzt?!

Marianne Bäumler KÖLN