Montag, 14. Februar 2011

Italienische Frauen werden Männer

Gestern demonstrierten zehntausende italienischer Frauen gegen Sexismus in Politik und Medien sowie gegen Berlusconis Sexeskapaden. Einige Bilder sind hier zu finden. Auch in deutschen Medien waren die Proteste Thema. Zum Beispiel berichteten die Frankfurter Rundschau, die Zeit, die Sueddeutsche Zeitung, der Tagesspiegel, die Tagesschau sowie der Spiegel und die taz jeweils online.

Auffällig ist hier, dass aus den überwiegend weiblichen Demonstrierenden, die dabei von Männern unterstützt wurden, im Zuge der Berichterstattung teilweise Teilnehmer, Demonstranten, Italiener wurden. Die deutschen Autorinnen und Autoren der entsprechenden Texte ließen also gemäß der in den hieisgen Medien vorherrschenden männerzentrierten Sprache den italienischen Frauen einen Geschlechtswechsel angedeien. Ein Paradebeispiel für Verunsichtbarung von Frauen. Und das, obwohl sie hier eigentlich im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen sollten. Zugegeben, immerhin sind Frauen im Laufe der Texte auch als solche benannt. Nichtsdestotrotz wirkt der Sprachgebrauch in einigen der Artikel verwirrend.

Bei der Sprache fängt Sexismus an und bei Vergewaltigung hört er auf. Sollten wir in Deutschland lebende Frauen dem Beispiel der Italienerinnen folgen und auch mal wieder in Massen gegen Sexismus in Medien, Politik und Gesellschafft zu Felde ziehen? Was meint Ihr, Ladies? Vielleicht zum internationalen Frauentag. Der jährt sich ja demnächst zum 100. Mal...

9 Kommentare

  1. Ich bin sehr froh, dass die Italienerinnen dem "Papi" endlich die rote Karte zeigen! Wurde auch Zeit!

    Übrigens: Im Iran geht´s wieder los mit Protesten. Auch hier: Watch out for the Women!

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  2. Einige der AutorInnen haben sich durchaus redlich bemüht, sprechen in weiten Teilen von Frauen, dann von Menschen und weichen aus auf unpersönliche Formulierungen wie "Rufe wurden laut" oder "gab es Forderungen".
    Frech ist allerdings die Klickstrecke der Süddeutschen, die mit den Berlusconi-Frauen im Sexy-Outfit wieder auf die Neugier und die Faszination am Aussehen zielt. Aber es wirkt: Auch ich wollte sofort nachschauen, ob die wirklich alle gleich aussehen:-)

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  3. Seit ihr wirklich nicht in der Lage zwischen sprachlichen und sexuellen Geschlecht zu unterscheiden? Wer sich als "Journalist" bezeichnet, sollte das irgenwann einmal gelernt haben. Wäre es besser, wenn wir in Zukunft Texte folgendermaßen schreiben "der/die Sonne/r"?!

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  4. Die Autorinnen dieses Blogs bezeichnen sich grundsätzlich nie als "Journalist" sondern immer als "Journalistin", daher auch "Journalistinnenbund".
    Und wir beherrschen nicht nur das Genus von Nomen, sondern auch die Konjugation von Verben. Wir schreiben also weiter "die Sonne" aber "SEID ihr nicht in der Lage?" - und zwar SEIT wir das gelernt haben, nicht als Journalistin, sondern als Schülerin.

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  5. leider beherschen Sie den Genus nicht, sonst würden Sie zwischen sprachlichen und sexuellen Geschlecht unterscheiden können. Was man übrigens bereits im Kindergarten gelernt haben sollte!

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  6. Vielen Dank für die erneute Steilvorlage in unserem kleinen Grammatikduell. Vielleicht trauen Sie sich dabei irgendwann sogar noch aus der Deckung der Anonymität?
    DAS Genus ist für mich kein Problem, doch auch, wenn ich zwischen sprachlicheM und sexuelleM Geschlecht unterscheiden kann, fällt bei der Bezeichnung von Männern und Frauen das eine mit dem anderen zusammen. Eine italienische Frau ist eine Italienerin, kein Italiener.

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  7. Auf keinen Fall werden Frauen wie MännER, sonst gäbe es zur Freude der Männer keinen Feminismus, keine feministische Linguistik, keine Frauenbewegung, kein autonomes Frauenwirken - sondern weiterhin Frauenunterdrückung, Sexismus auch in der Sprache im/das Patriarchat, die dominante maskul(ingu)istische Männerherrlichkeit - dort heisst es der Mann ist die Norm und somit kennt ER nur drei Worte Ich, Ich, Ich ....
    @ Anonym - ein Paradebeispiel - als Mann beweisen Sie einmal mehr Ihre Unkenntnis in Sachen gerechte Sprache. Machen Sie sich doch mal schlau!

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  8. Ja, das wäre nun schade - wohl ganz im Sinne der gut/gewählten obigen Überschrift. Frauen bleiben anonym?
    Mehr Frauen in die Sprache, und hier soll die Sichtbarmachung von Frauen ausgerechnet bei manchen Frauen auf unbändige Ablehnung stossen.
    Es gäbe da noch als Identifikation die abstrakte `Schöpfungsform` Anonyma, etwas weniger Anonym? *Seufz*...

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