Mittwoch, 16. Februar 2011

Wenn Frauen nicht zuhören und Moderatoren nicht nachhaken

Frauenabend bei Reinhold Beckmann: "Feige schwach, bequem...scheitern Frauen an sich selbst?" hieß es am vergangenen Montag. Ex-taz-Chefredakteurin Bascha Mika war eingeladen, ihr Buch "Die Feigheit der Frauen" gegen die mit heiterer Entrüstung vorgetragenen Fragen des Moderators zu verteidigen - und vermutlich auch gegen Doris Schröder-Köpf, die aber erstens nur brav redete, wenn sie gefragt wurde und zweitens Einblicke in die häusliche Arbeitsteilung im Ex-Kanzler-Haushalt gab ohne sich mit den Thesen des Buches auseinander zu setzen. Statt dessen blies die Professorin Gertrud Höhler zum Angriff auf Mika. Warum?

Feigheit und Schonzeit

Auch Höhler hatte doch vor zwei Jahren "Das Ende der Schonzeit" in einem Buch ausgerufen. (Eine gelungene Kritik stand dazu in der Süddeutschen Zeitung.) Da sie damals nicht das Glück hatte, mitten in die Quotendebatte zu platzen, blieb ihr die derzeitige mediale Aufmerksamkeit allerdings verwehrt. Aufmerksam war sie selbst in der Diskussion auch nicht, sprang auf Halbsätze an und widerlegte ihre eigene These, dass Frauen kommunikationsstärker seien, damit, dass sie Mika wiederholt missverstand.

Erst nach einiger Zeit wurde klar, worin sich die beiden Anklägerinnen des eigenen Geschlechts unterscheiden: Höhler hält Frauen im Beruf für feige, Mika im Privatleben. Mika will die Quote, Höhler hält sie für Teufelszeug. Wie fundiert Frau Höhlers Meinung da ist, zeigte ihre kühne Behauptung, Kanzlerin Merkel habe von der Leyens Vorstoß unter anderem auch gestoppt, um der FDP mal zu zeigen, dass sie der Juniorpartner der Koalition sei. Denn die Liberalen wären ja bekanntlich FÜR die Quote gewesen. Aua, das tat weh. Aber nicht Moderator Beckmann, der da keine Miene verzog.

Und es ging weiter mit dem Halbwissen der hochdotierten Unternehmensberaterin: Die 23% Unterschied in der Entlohnung zwischen Männern und Frauen in Deutschland lägen daran, dass die Auszeiten der Frauen in der Statistik enthalten seien. Ja klar, wenn man Erziehungszeiten und Kinderpausen mit null Gehalt einrechnet, muss da ja ein Unterschied sein. Ist nur leider: FALSCH! Der Unterschied bezieht sich exakt auf die geleistete Arbeitsstunde! Wahr ist allerdings: Frauen erreichen selbst nach kurzen Auszeiten wegen der Kinder auch Jahre später meist nicht mehr das gleiche Gehalt wie ihre männlichen Kollegen. Vergleichbar lange Arbeitslosigkeit bei Männern aber ist verhältnismäßig schnell kompensiert. Leider konnte auch die Journalistin Bascha Mika hier nicht mit korrigierenden Informationen punkten.


Solidarität für die Unsolidarischen

Ob des Schlagabtausches und der öffentlichen Kritik an Mikas Buch fragte sich Moderator Beckmann dann, wo eigentlich die Solidarität unter Frauen bliebe? Er meinte - wohlgemerkt - nicht Frau Mikas Solidarität mit den Frauen, sondern die Solidarität der Frauen mit ihr. Möglicherweise ist das unter Männern so, dass man mit dem solidarisch ist, der auf einen einprügelt. Anders kann ich mir die Frage nicht erklären.

Die Chance einer fundierten Auseinandersetzung war also wieder einmal vertan. Aber dafür gibt es ja andere Orte: Bei Zeit Online hat Susanne Mayer alles geschrieben, was zum Buch "Die Feigheit der Frauen" gesagt werden muss.

Kommentare:

Judith Rauch hat gesagt…

Hohl, Höhler ... Wann bekommen wir endlich mehr Niveau in der Quotendebatte?

Irene hat gesagt…

In der Diskussion war schon mal wesentlich mehr Niveau. Und zwar vor rund 10 Jahren, als es um ein Gleichstellungsgesetz für die private Wirtschaft ging und nicht nur um eine Elite-Frauenquote für Vorstandsposten.

Evelyn Thriene hat gesagt…

Die Sendung war tatsächlich schwer erträglich. Warum eigentlich? Von Herrn Beckmann erwarte ich nichts. Die drei Frauen jedoch waren enttäuschend. Nicht, weil sie nicht differenziert denken und erzählen können, sondern weil im Kern dies geschehen ist: Alle Überlegungen und Vorschläge liefen darauf hinaus, wie sich Frauen so modellieren könnten, daß es dann endlich in die Strukturen passt. Auch Frau Höhler konnte sich dieses Grundansatzes nicht erwehren. Sie schilderte, wie sie sich innerlich bei den Marathonredebeiträgen der Männer in Konferenzen verabschiedet und daran denkt , was ihre Refugien und Oasen sind (die Natur z.B.)und sich so über die anwesenden Männer erheben kann.
Solange noch Lösungen fürs eigene Body-Building der Selbstformation gesucht werden, hat sich in unserer Gesellschaft nichts verändert. Mein Ansatz: die Frauen sind o.k. , so wie sie sind, es ist das Umfeld , das ihre Werte nicht zur Entfaltung kommen lässt...bis sie sich, ob mit Kindern oder ohne, in einem Burnout wiederfinden, weil es keine Selbstverwirklichung ist, sich für Männer müde und krank zu arbeiten, und das bei miesem Gehalt.