Montag, 7. März 2011

"Eher Kampf-, denn Feiertag"

Foto: Erlemann

100 Jahre alt wird der Internationale Frauentag am diesjährigen 8. März. Von der sozialistischen Frauenbewegung ins Leben gerufen, war hier zunächst allein das Frauenwahlrecht Thema. Über die Bedeutung dieses Tages, seine Geschichte und die derzeitige Lebenssituation von Frauen sprach Dr. Kerstin Wolff vom Archiv der deutschen Frauenbewegung in Kassel heute in einem Interview mit hr2 und äußerte dabei beherzt kluge Gedanken.

Dafür, dass immer noch nicht - wie im Grundgesetz festgeschrieben - Frauen und Männer gleichberechtigt sind, macht Wolff gesellschaftliche Strukturen verantwortlich. Die seien, so die Historikerin, besonders langlebig. Nicht ausgesprochen blieb hier leider, dass diese Strukturen im Wesentlichen von Männern gemacht worden sind. Wolff vermeidet dagegen bewusst, das andere Geschlecht diesbezüglich als das Böse darzustellen. Auch verweist sie darauf, dass auch unter den Männern Verlierer dieses Systems und unter den Frauen Gewinnerinnen desselben seien.

Brauchen wir also einen Geschlechterkampftag? Ich meine nein. Denn die Benachteiligung von Frauen gegenüber Männern hat Geschichte und Gegenwart. Der Ansatzpunkt für Veränderungen ist genau hier. Und Gleichberechtigung - oder vielmehr "Gleichverpflichtung" wie es Wolff nennt - von Frauen kann auch Männern gut tun! Damit ändern sich dann zugleich die Strukturen... 

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Ich finde es ja nett das sie so verbissen immer die gleichen Artikel schreiben. Also bitte nicht falsch verstehen, aber wenn man es mal abstrakt betrachtet, dann drehen sich alle Artikel um das Thema, dass sie hier in einem Satz zusammenfassen: "Denn die Benachteiligung von Frauen gegenüber Männern hat Geschichte und Gegenwart".

Nun wäre es aber interessanter und ehrlicher, wenn sie diese Behauptung in einem Artikel mal konkret belegen würden. Meines Wissens und sie können mich gerne korrigieren, haben wir in Deutschland ein Antidiskriminierungsgesetzt, dass es verbietet Menschen wegen ihrer Hautfarbe, Geschlecht, Alter zu diskriminieren. Und nun haben wir alle Vorurteile vorm Alter oder auch vorm Geschlecht eines Menschens und das werden wir wohl nie ganz unterdrücken können, weil wir alle subjektive Menschen sind. Sucht eine Firma, die sich trendy geben will einen Mitarbeiter mit Kundenkontakt, wird sie wohl gerne einen jungen Bewerber bevorzugen. In einer Modelagentur für Frauenbekleidung wird eine Frau als Bewerberin eindeutig bevorzugt. Nun in beiden Fällen ist das Gesetzt gegen Antidiskriminierung eigentlich verletzt worden. Mich würde aber einmal interessieren, wo sie nun meinen strukturelle Diskriminierung von Frauen ausmachen zu können. Ich sehe in wirklichkeit nur Frauenförderung wo man auch hinsieht. Und im Gegensatz zu anderen Förderprogrammen, die immer an Bedingungen geknüpft sind wie z.B. Gewinnsteigerung, Beschäftigungssteigerung ect. scheinen diese Förderprogramme einen absolutistische Stellung zu haben. Egal wie sinnlos und erfolglos ein Förderprogramm sein kann, solang es ein Frauenförderungsprogramm ist darf es weiter Geld verbrennen. Ein guter Schritt wäre es auch hier einmal das Geld zu konzentrieren und nur erfolgreiche Projekte zu fördern, die belegen können das sie sinnvoll sind. Von einer reinen Frauenförderung aus "Jucks und Spaß" halte ich nichts. Es ist zwar schön, wenn in allen Bereichen des Lebens und Beruf einen Frauenanteil von 50% vorhanden wäre, aber dann müsste man sich auch Fragen, ob es nicht genau so berechtigt ist ein Anteil von 50% anderer Gesellschaftsgruppen zu haben und zu fordern, z.B. Behinderte (diese Gruppe wird wohl eindeutig benachteiligt!).

Der Punkt ist der, dass Mann und Frau aus eigener Kraft in eine Position kommen muss, ob sie nun durch Einschränkungen wie z.B. einer Behinderung beeinträchtigt sind oder nicht. Reine Förderung führt nur dazu, dass diese dann in der erreichten Stellung immer noch belächelt und dadurch auch benachteiligt werden, weil sie ja nicht aus eigener Kraft es bis hierher geschafft haben. Dies setzt dabei natürlich vorraus, dass es rein um die Qualität also die Erfüllung der gesetzten Anforderungen geht und nicht um die Erfüllung einer Quote.

Anonym hat gesagt…

Ich sehe gerade das sich in meinen Kommentar leider ein paar Rechtschreibfehler eingeschlichen haben, ich bitte dies zu entschuldigen.

Irene G. hat gesagt…

Hallo Britta, ich verstehe nicht ganz, wie Du drauf kommst, dass die sozialistische Frauenbewegung nur das Frauenwahlrecht im Kopf hatte? Das war doch ein Thema der bürgerlich-radikalen Feministinnen wie Anita Augspurg. Die bürgerlich-radikalen und die sozialistischen Feministinnen fanden erst im Ersten Weltkrieg zueinander, weil sie ihn nämlich gemeinsam ablehnten (was bei bürgerlich-nationalen Frauen nicht der Fall war).

Amy hat gesagt…

"Wer die menschliche Gesellschaft will, muss die männliche überwinden."
Und Frauen könn(t)en die Gesellschaft neu gestalten - dafür bedarf es auch mehr Frauensolidarität und Kampfesmut - denn Männer brauchen Druck!
"Die Hälfte des Himmels: egal ob man das Glas halbvoll oder für halbleer erklärt, der Kampf für die Frauenrechte muss weitergehen.
... die erste Frauentagsfeier war ein Sieg, auch einer gegen die Männer in den eigenen Reihen. Theoretisch stand man hinter dem Bekenntnis der Arbeiterbewegung, wonach der gesellschaftliche Fortschritt sich exakt messen lasse an der gesellschaftlichen Stellung des schönen Geschlechts (zitat) ..
Clara Zetkin würde unser Wort von der gläsernen Decke spontan verstehen. Schärfer als wir Zeitgenossinnen würde sie sehen, dass keine andere soziale Bewegung die Welt mehr zum Besseren verändert und ihren Akteurinnen mehr Freiheit, Verantwortung und Einfluss gebracht hat. " Auszug aus `Die Hälfte des Himmels` im Vorwärts v. Tissy Bruns zum 1oo. Frauentag

Franz hat gesagt…

Der 100. Weltfrauentag war letztes Jahr. Den ersten Weltfrauentag im Jahre 1911 muss man auch mitzählen, aber so ist halt "Journalismus" :D

Amy hat gesagt…

Ein Kampftag ist der Internationale Frauentag auch für demonstrierende Frauen im Nordsudan gewesen. Sie erlebten Polizeigewalt. Diese Frauen haben auch gegen Gewalt gegenüber Frauen demonstriert und bekamen die Schlagknüppel der Sicherheitskräfte zu spüren. Über 40 Frauen wurden festgenommen. Ihre Proteste richteten sich gegen die Menschenrechtsverletzungen an Frauen im Sudan und die Vergewaltigung einer jungen Regimegegnerin nach Demonstrationen Ende Januar.

Manche Länder haben schon im letzten Jahr den 1oo. IFT gefeiert . So haben in Brasilien und Palästina Frauenorganisationen den 1oo. IFT hochleben lassen.

Frauen in der überwiegenden Zahl der Länder feiern in jedoch 2o11!
Die Erklärung ist einfach: Clara Zetkin hatte bei der 2. Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz 1910 in Kopenhagen mit ihrem Vorschlag für einen jährlichen IFT endlich Erfolg.
1910 beschlossen, wurde er 1911 erstmals gefeiert. Das Feiern jährt sich also zum 1oo. Mal.

In der damaligen Diskussion ging es um mehrere Themen und Forderungsbereiche:
Kampf für das Frauenwahlrecht, Kampf gegen die Kriegsgefahr, Kampf um die Fürsorge für Mutter und Kind, Kampf gegen Preissteigerungen. Es ging auch damals schon um die Forderungen gleicher Lohn bei gleicher Arbeit oder um die Legalisierung des Schwangerschaftsabbruchs. Die Frauen forderten ferner auch den 8-Stunden-Arbeitstag - Arbeitsschutzgesetze, die Einführung einer Sozialversicherung.

Audre Lorde, eine afroamerikanische Feministin, sagte 1984: "Ich bin nicht frei, solange eine einzige Frau unfrei ist, auch wenn sie ganz andere Ketten trägt, als ich."

Frauenrechte sind auch heute global zu sehen. Es geht um alle Frauen auf dieser Erde.
Ein Einblick zur wirtschaftlichen, politischen, gesellschaftlichen Situation von Frauen aller Kontinente gibt es im "Schwarzbuch zur Lage der Frauen" von Christine Ockrent.

Angelika Knop hat gesagt…

Liebe(r) Anonym(a),
vielen Dank, dass Sie uns so ausdauernd beobachten und kommentieren. Auch wenn Sie Ihre Identität nicht enthüllen, können wir Sie an Ihrer Argumentation und Ihrem Stil (ja - auch an den recht individuellen Rechtschreibeigenheiten wie "Jucks") doch mittlerweile recht gut identifizieren.
Die "Verbissenheit" sehen wir aber ganz bei Ihnen und ebenso die Lücken in der Argumenatation.
- Die Existenz eines Gesetzes gegen Diskriminierung bedeutet ja noch lange nicht, dass keine Diskriminierung existiert.
- Ja, auch gegen Alter, Hautfarbe etc, wird diskriminiert. Das macht es doch nicht besser.
- Eine Frau als Model für Frauenkleider einzustellen und keinen Mann erfüllt nicht den Tatbestand der Diskriminierung (ebenso wenig der umgekehrt Fall). In diesen ganz seltenen Fällen gehört das Geschlecht zur notwendigen Eigenschaft für die Stelle wie ein Staatsexamen für den Arzt oder die Ärztin.
- Eine Behindertenquote von 50% ist natürlich Unsinn, weil ihr Anteil an der Bevölkerung nicht 50% beträgt, der von Frauen aber sogar mehr als 50%. Und im Übrigen gibt es hier eine gesetzliche Quote: Ab 20 Beschäftigten müssen Arbeitgeber auf 5% ihrer Stellen Behinderte beschäftigen. Tun sie es nicht, zahlen sie bis zu 260 € monatlich Strafe für jeden nicht besetzen Arbeitsplatz, was für eine effektive Förderung vermutlich zu wenig ist, aber immerhin etwas.
- Ganz genau - Sie haben Recht: Mann oder Frau sollte aus eigener Kraft in Positionen kommen - und nicht durch Vorurteile, Gewohnheiten, Kungelei und Diskriminierung daran gehindert werden.

Anonym hat gesagt…

"Sie haben Recht : Mann oder Frau sollte aus eigener Kraft in Positionen kommen - und nicht durch Vorurteile , Gewohnheiten , Kungelei und Diskriminierung daran gehindert werden." - Richtig, Frauen sind weder geistig noch körperlich gegenüber Männern behindert. Eine Frauenquote ist daher eine reine Diskriminierung von Männern. Wie sie es selbst sagen "Mann oder Frau sollte [...] nicht durch [...] Diskriminierung daran gehindert werden." Dabei meinen sie aber sicherlich "Mann UND Frau", eine Oder-Verknüpfung würde bedeuten, es sei in Ordnung wenn ein Geschlecht diskriminiert würde. Aber dies möchte ich ihnen nicht unterstellen und gehe von einem versehentlichen Formalisierungsfehler ihrerseits aus. Qualitätsjournalismus sieht anders aus.

Anonym hat gesagt…

Eine hohe Frauenquote ist insbesondere in unterbezahlten, weniger angesehenen und schlechter gestellten Berufen zu finden. Vorbehaltlos für Frauen reserviert.
Die Machtzentren der Wirtschaft, Medien, Politik und dort, wo Macht und Geld die Männerquote bis in utopische Höhen anspringen lässt - und das seit ewigen Zeiten - sind und waren eine Männerdomäne.

Niemand hindert einen Mann daran, ein neues Aufgabengebiet am Machtzentrum Küchentisch zu erobern.
Nur umgekehrt sieht und sah es anders aus.
"Männer fühlen sich am wohlsten unter Männern. Frauen werden häufig als störend empfunden. Sie kommunizieren anders, sie führen anders, sie sehen anders aus. Das irritiert viele Männer. Auch Siemens-Vorstandschef sieht in der `weissen, männlichen Lehmschicht`in seinen Führungsetagen eine Bremse für Innovation und Veränderung." zitiert von Anke Domscheit-Berg.
Sehr interessant mal zu erfahren, wenn sich Männer schon selbst als unveränderliche Lehmschicht bezeichnen.
Anke Domscheit-Berg, Trägerin des Berliner Frauenpreises 2010, tritt als Lobbyistin für Open Government und für bessere Chancen für weibliche Führungskräfte auf. Auch sie hat gut beschrieben, wie die typischen Selektionsmechanismen in den Männerdomänen funktionieren und selbst am eigenen Leib als Frau trotz hoher Qualifikation erfahren.

Anonym hat gesagt…

"Männer fühlen sich am wohlsten unter Männern. Frauen werden häufig als störend empfunden. Sie kommunizieren anders, sie führen anders, sie sehen anders aus. Das irritiert viele Männer."

oder

"Frauen fühlen sich am wohlsten unter Frauen. Männer werden häufig als störend empfunden. Sie kommunizieren anders, sie führen anders, sie sehen anders aus. Das irritiert viele Frauen."

Haben sie es schon mal mit nachvollziehbaren Belegen zur Untermauerung von Argumenten versucht? Hilft auch im Beruf ;)

Amy hat gesagt…

In der Tat: durch die theatralische Performance komme ich zu der Annahme, dass sich Anonym unter Frauen recht wohl fühlt.
Einfach das zitierte von Frau Anke Domscheit-Berg genau durchlesen. Sie wird Ihnen sicherlich gerne Auskunft geben. Der Siemensvorstandschef zur weissen männlichen Lehmschicht ganz gewiss auch!

Anonym hat gesagt…

Haben sie es schon mal mit nachvollziehbaren Belegen zur Untermauerung von Argumenten versucht?

Scheinbar nicht, zumindest trifft dies auch wieder auf ihren letzten Beitrag zu. Ich freue mich aber darüber, dass Sie ein blindes Vertrauen in den Siemensvorstand und Lobby-Damen haben :D

Falls Sie dennoch irgendwann auch Argumente bringen möchten, bin ich gerne an einer sachlichen Diskussion interessiert. Auf dem Niveau aber nicht!