Montag, 2. Mai 2011

Osama tot - was fühlt man da? Und frau?

Immer habe ich mich gefragt, was ich an dem Tag empfinden würde, an dem die Nachricht vom Tod Osama bin Ladens kommt. Nun ist der Tag da. Und ich fühle - nichts.

In den USA jubeln die Menschen auf den Straßen, schwenken Fahnen, singen die Nationalhymne. Studenten tanzen auf den Tischen in der Unibibliothek:




Aber: Täuscht der Eindruck, oder ist das Triumphgeheul über den Tod des Feindes doch eher Männersache? Was geht in den Frauen vor? Thematisiert das jemand?

Kommentare:

Amy hat gesagt…

Pardon, dieses dominante, maskuline Männergeschrei/Triumpfgeheule auch i.d. Fußballstadien - zumeist von Gruppen von Männern außerhalb der Stadien unter Alkoholeinfluss - finde ich unerträglich. Das obige Video wirkt auf mich als Frau eher gewalthaltig - wehe wenn sie losgelassen ...
Als Frau zeige ich meine genugtuung zum tod eines massenmörders eher `verhalten`.

Crassida hat gesagt…

Überall Betten und Beistellbetten auf den Fotos. Neun Frauen und 23 Kinder sollen mit Bin Laden zusammen gewohnt haben. Frauen, Kinder, Müll verbrennen. Wie immer ist Nüchternheit angesagt.

Laura hat gesagt…

Ich persönlich kann über den Tod keines Menschen Freude empfinden. Abgesehen davon, dass ich solch eine Freude falsch fände - es geht bei mir einfach nicht. Punkt. Insofern möchte ich mir das Video gar nicht anschauen, denn ich schließe mich Crassida an: Nüchternheit hätte ich angemessener gefunden.

Nun ja, jedem das Seine. Aber dem weit, ach so weit entfernten Ideal des großen Weltfriedens bringt uns dieser Freudentanz der Studenten eben leider nicht näher.

Britta Erlemann hat gesagt…

Für mich ist es eine ethische Frage, ob man/frau einen Terroristen oder auch eine Terroristin - auch vom "Schlage" Bin Ladens - einfach töten darf. Der Wert Menschenwürde verlangt meine Erachtens nach einem anderen Handeln. Und zwar unabhängig davon, dass sowohl mit einem toten Bin Laden als auch mit einem Gefangenen/Verurteilten von Seiten anderer Terroristen (es sind ja meist Männer) Vergeltungsschläge drohen/gedroht hätten. Mag dieses Bedenken ein spezifisch weibliches sein und das Triumphieren über diesen Tod eher männlich, weil durch ein (Männer-)Rollenverstädnis von Macht und Stärke geprägt durch Beherrschen inklusive Töten eines Feindes wie Bin Laden.
In diesem Zusammenhang möchte ich auf ein interessantes Gespräch heute auf hr2 mit Ingrid Strobl zum Thema "Respekt" hinweisen:
Doppelkopf
Es gibt noch zu denken!

Trip hat gesagt…

Ich persönlich finde es nie zum Feiern, wenn ein Mensch getötet wird. Auch wenn es ein Massenmörder ist ! Seine Mörder sind keinen Deut besser, haben ihn quasi hingerichtet. Kein Prozess, gar nichts.

Ich habe die Berichterstattung nicht gelesen (habe es auch nicht vor). Aber man bekommt mit, dass
Leute feiern. Ich kann mich noch gut erinnern, wie das damals nach den Anschlägen war, da haben sich Menschen in manchen muslimischen Staaten aufgeführt wie die Schachterlteufel. Und genauso widerlich.

Tja, die Welt ist klein und wir sind uns alle verdammt ähnlich.

Gruß,
Trip

Mazza hat gesagt…

Ja, das Triumpfgeschrei erinnert eher an eine Siegesfeier bei einer internationalen Sportveranstaltung. Ich sehe keinen Unterschied zu den willkürlich aufgehetzten Menschen, die nach erfolgreichen Terroranschlägen öffentlich ihre Sympathie mit den Mördern kundtun.
Dabei kommen mir die Hassbilder von aufgebrachten Muslimen in Erinnerung anläßlich einiger Mohammed-Karikaturen.
Wieviel Gewalt und Selbstjustiz steckt in jedem Menschen ? Wobei ich auch überlege, mit welchen Freudentänzen und Erleichterung wäre der frühzeitige Tod durch ein Attentat an Adolf Hitler gefeiert worden?
Trotzdem kritisiere ich das obige Triumpfgeheul - es provoziert zu weiteren Terroraktionen, verletzt die Menschenwürde, die jedem zusteht. Ich habe das Gefühl, dass die Menschen immer mehr verrohen.
Der Terrorismus bedeutet für die Amerikaner Krieg, aber der Krieg ist mit dem Ausschalten eines Terroristen-Führers doch nicht gewonnen.
Die eigentlichen Ursachen, Hintergründe des Terrorismus wurden von den Amerikanern weniger diskutiert und weniger ernst genommen?