Samstag, 10. Dezember 2011

"Frauen kommt her!"




Hier erfahren Frauen mit Gewalterfahrung Solidarität von Frauen: Im autonomen Frauenhaus Kassel. Foto: Erlemann

"Wie Frau sein. Protokoll einer Verwirrung" heißt ein neues Buch von Michèle Roten. Mit dem Imageproblem des Feminismus in der heutigen Zeit befasst sich die Autorin Anfang dreißig. Ihre Schrift
"beinhaltet Gedanken, Gespräche, Beobachtungen, Fiktion und Fakten zur Frage, wie das eigentlich gehen soll, heute Frau zu sein." 
So der Pressetext des Verlags. Ein Artikel in der FAZ äußert sich zu dem Buch. Den habe ich mir zu Gemüte geführt und bin insbesondere über folgende Passage gestolpert:

"Wer einmal versucht hat, sich mit Geschlechtsgenossinnen zu verschwören, und zwar auf jene Weise, in der sich Jungs früher in Gangs zusammengeschlossen haben, weiß, dass das in etwa so erfolgversprechend ist wie das Ausfüllen eines Lottoscheins."
Als gestandene Feministin möchte ich das so nicht stehen lassen, denn...

Ich erlebe das vielfach ganz anders und habe es anders erlebt: Im Watch-Salon, im Journalistinnenbund, im Kasseler FrauenLesbenzentrum, im Kasseler Frauenbündnis (Hier sind die verschiedensten Frauenverbände, - projekte, -organisationen und weibliche Einzelpersonen vereint. Zum Beispiel Archiv der deutschen Frauenbewegung, Frauenhaus, Vertreterinnen von DGB und evangelischer Kirche von Kurhessen Waldeck, FrauenLesbenzentrum sowie der Hausfrauenverband.) und auch noch in anderen Zusammenhängen. 

Ich halte die vielzitierte Stutenbissigkeit überwiegend für ein Gerücht. Ein männliches Pendant dazu gibt es komischerweise nicht wirklich (Hengstbissigkeit? Platzhirschverhalten?) - da Konkurrenz unter Männern meines Erachtens als positiv angesehen wird. Wenn Frauen - was vorkommen mag - versuchen, sich gegenseitig auszustechen, dann liegt das meiner Einschätzung nach daran, dass sie sich verzweifelt bemühen, die rar gesäte Anerkennung und Wertschätzung ihnen gegenüber von - in der Regel - Männern (oft in Führungspositionen!) zu ergattern. Nur dass sie - die Frauen - damit auch nicht weiter kommen. Oder nur um den Preis des Schadens anderer und des Sich-Selbst-Verkaufens. Erfahrungsgemäß arbeiten Frauen jedoch bevorzugt teamorientiert und auf Augenhöhe miteinander und übrigens auch mit Männern.

Erinnert sich die eine oder andere noch an den feministischen Liedtext "Frauen kommt her, wir tun uns zusammen [...] gemeinsam sind wir stark" von den Flying Lesbians in den 70er Jahren? So geht´s doch auch!


2 Kommentare

  1. Meiner Meinung nach ist die immer wieder beschworene "Stutenbissigkeit", also der Mangel an weiblicher Solidarität, ein gerne eingesetztes Argument, um Frauen immer wieder auseinander zu dividieren. In meinem Buch über Frauen-Netzwerke ("frauengesellschaft(en) in Deutschland") habe ich diesen Vorwurf auf über 500 Seiten widerlegt. Auf allen gesellschaftlichen Ebenen und in den unterschiedlichsten Zusammenhängen zeige ich Frauen, die einander unterstützen, zusammen arbeiten und für Gleichberechtigung kämpfen.
    Es wird Zeit, dass diese Frauen-Netzwerke und ihre Arbeit mehr mediale Aufmerksamkeit bekommen, damit das defizitäre Frauenbild, das noch immer in den Köpfen spukt – vor allem bei vielen jüngeren Frauen –, endlich verdrängt wird. Anstatt immer wieder die alten Vorurteile zu verbreiten, sollten gerade Journalistinnen genauer hinsehen.

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  2. Uli Habert

    Ich lebe und arbeite seit vielen Jahren ganz überwiegend mit Frauen zusammen und kann nur bestätigen, es geht ganz wunderbar, Stutenbissigkeit (was für ein entsetzliches Wort) habe ich nie erfahren.

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