Sonntag, 11. Dezember 2011

"Geht nicht, bevor ihr geht"

Wenn die Medien über Sheryl Sandberg berichten, dann wird sie porträtiert als eine Frau, die es in der Männerwelt geschafft hat. Seit 2008 ist sie Chief Operative Officer von Facebook, zuvor startete sie eine steile Karriere bei Google. Und Sandberg macht sich Gedanken, warum sie in dieser luftigen Höhe so alleine ist unter Männern. Darüber hält sie Vorträge, unter anderem auf einer TED-Konferenz.

Drei Ratschläge an junge Frauen formuliert Sandberg:
  • Setz dich mit an den Tisch
  • Mach deinen Partner zu einem echten Partner
  • Geh nicht, bevor du gehst
Mit diesem letzten Punkt bedauert Sandberg, dass viele Frauen sich auf der Arbeit schon zurückziehen, sobald sie nur beginnen, über eigene Kinder nachzudenken. Sie schalten einen Gang runter, bemühen sich weniger um eine Beförderung, suchen keine neuen Herausforderungen mehr. Aber, so sagt Sandberg, dies passiert leise, schleichend, unbewusst und vor allem: viel zu früh.

Sandberg hat Frauen getroffen, die sich wegen eines zukünftigen Kinderwunschs zurücknahmen, obwohl sie zu diesem Zeitpunkt nicht mal einen Partner hatten. Warum das so dramatisch ist? Einer jungen Mutter, davon ist Sheryl Sandberg überzeugt, fällt es schwer genug, sich zeitweise von ihrem Kind zu trennen. Der Job, in den sie zurückkehrt, muss deshalb spannend und erfüllend genug sein.

Darum sagt Sandberg: Bleibt auf dem Gaspedal. Geht nicht schon vorher gedanklich in die Babypause. Geht nicht, bevor ihr geht. Nur dann habt ihr, wenn es so weit ist, eine echte Wahl.

Auch die ersten beiden Stichpunkte sind es wert, überdacht zu werden. Aber dafür - Video anschauen:

video 
TED 2010, cc-by-nc-sa

Kommentare:

DrNI hat gesagt…

Letztens in einer heiteren Runde waren sich einige Damen auf einmal spontan einig: "Wenn ich keinen Bock mehr auf den Job habe, dann krieg ich halt erst Mal ein Kind." Die dazugehörigen Männer in der Runde fanden das irgendwie gar nicht lustig.

Vielleicht ist dieses innere Abseilen nicht in jedem Fall unbewusst und unabsichtlicht.

Judith Rauch hat gesagt…

Solche Sprüche sollten Frauen sich verkneifen, höchstens denken, aber nicht sagen. Es fällt nämlich immer auf alle Frauen zurück und stärkt das Stereotyp.
Es ist nicht fair, aber es ist so: Solange Frauen in bestimmten Positionen in der Minderheit sind, steht jede einzelne für das ganze Geschlecht.

Silke Schneider-Flaig hat gesagt…

manche sind derart naiv, dass sie davon ausgehen, beruflicher Wiedereinstieg sei formaljuristisch jederzeit möglich, bei jeder Kündigung erhalte man automatisch eine Abfindung, Weihnachtsgeld stünde jedem zu und Anspruch auf ein Arbeitszeugnis bestünde selbst dann noch wenn das Kind 18 und aus dem Haus ist.