Montag, 26. Dezember 2011

Gerechte Bezahlung ist kein Weihnachtsgeschenk

Equal Pay Day Forum in Nürnberg: Debatte um Lohnfindung.
Foto: Sabine Fritz

"Löhne lassen sich nicht finden wie Geschenke unterm Christbaum - sondern in Verhandlungen." Das hat Eva Maria Welskop-Deffaa ein paar Tage vor dem Fest gesagt. Die Leiterin der Abteilung Gleichstellung und Chancengleichheit im Bundesfrauenministerium sprach auf dem Equal Pay Day Forum in Nürnberg. Zum fünften Mal wird der Tage für Entgeltgleichheit zwischen Frauen und Männern am 23. März 2012 stattfinden. Und diesmal soll es für das Ministerium "das Ereignis des Jahres" werden - und Ergebnisse hervorbringen.

"Lohnfindung" lautet das Schwerpunkt-Thema

Ein wichtiges Ziel: Die Tarifparteien sollen ein Gespür dafür entwickeln, dass die Bewertung von Tätigkeiten in Tarifverträgen mittelbar diskriminieren kann. Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn körperlich schwere Arbeit grundsätzlich höher bewertet wird als psychisch belastende, oder der Umgang mit Maschinen besser bezahlt wird als der Umgang mit Menschen. Beides trifft nicht nur Frauen - aber mehr Frauen als Männer, weil sie häufiger in solchen Tätigkeiten zu finden sind. Und, so Welskop-Deffaa, es führt neben vielen anderen Faktoren dazu "dass der Lohn, den wir finden, für Männer immer wieder fast ein Viertel höher liegt als der für Frauen."

Voller Saal - volle Aufmerksamkeit in der Agentur für Arbeit.
 Foto: Sabine Fritz

Die Reihe der Equal Pay Day Foren zeigt, dass die Veranstaltung mittlerweile professionell aufgestellt ist.  Es gibt eine Geschäftsstelle, die Muster-Vorträge, Reden und Pressemitteilungen für lokale Aktionen bereitstellt, und das Frauenministerium finanziert die Kampagne für weitere drei Jahre. Ein großer Erfolg für die Initiatorinnen und Aktivistinnen vom BPW, den Business and Professional Women Germany e.V.

Zwei Dinge wurden auf der Veranstaltung in Nürnberg klar: 

Erstens gibt es noch viel zu tun in punkto Aufklärung. Die statistisches Lohnlücke von 23% bezieht sich auf den durchschnittlichen Stundenlohn für Männer und Frauen. Dafür gibt es viele Faktoren, die man gewichten und diskutieren kann. Wer hier etwas bewirken will, muss gut informiert sein und beharrlich.

Zweitens kann sich niemand entspannt zurücklehnen, selbst wenn er EPD-Aktionen unterstützt. Auch Gewerkschaften blockieren manchmal die Modernisierung von Tarifverträgen. Auch im öffentlichen Dienst gibt es noch einen Entgeltunterschied von 7 bis 8%. Auch Flexiquote, Betreuungsgeld oder die nicht realisierte Ausweitung der Vätermonate beim Elterngeld gelten vielen nicht als Meilensteine auf dem Weg zur Chancengleichheit von Frauen und Männern bei der Bezahlung.

Selbstkritisch und gemeinsam aber kann man viel erreichen.



Anmerkung der Redaktion: Die Autorin hat die Veranstaltung in Nürnberg moderiert und engagiert sich seit drei Jahren für den Equal Pay Day in München. Der Watch-Salon macht dies transparent, um allen LeserInnen ein informiertes Urteil zu ermöglichen.


20 Kommentare

  1. Schade, dass solche Aktionen nicht zu bestreitende Tatsachen einfach nicht berücksichtigen wollen.

    Die Thematik der nicht berücksichtigten, höherer Einkommen der Frauen durch Unterhaltszahlungen wurde leider nicht zugelassen.

    Der Gender-Pay-Gap ist somit auch eine Folge tradierter Rollenmuster, also auch einer längst antiquierter Familiengesetzgebung und -rechtsprechung, die den Vater als Zahler und die Mutter als Heimchen an Herd betrachtet.

    Leider halten an dieser Verhaltensstarre bei gleichzeitiger verbalen Aufgeschlossenheit, sehr viele Feminist.I.nnen aller politischen Lager fest. Wer genauere Hintergründe kennen möchte, kann sich anhand folgender Frage an Dorothee Bär informieren.

    Wir sind überzeugt, dass sich der Gender-Pay-Gap auch in Luft auflösen würde, wenn zuerst im Familienrecht eine Gleichstellung der Geschlechter erreicht wird: Es ist nämlich mit Art. 3 GG nicht vereinbar, dass nur ein Elternteil die Kinder betreut, während der andere arbeiten geht.

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  2. "Wer hier etwas bewirken will, muss gut informiert sein und beharrlich." Das ist auch eine Eigenschaft, die guten Journalismus auszeichnet.

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  3. @M. Baleanu: Beim EPD geht es um Entgelt für Arbeit und sonst gar nichts. Würde man alle Arten von Einkommen berücksichtigen - Zinsen, Renten, Mieten etc. - wäre die Kluft zwischen Männern und Frauen eher kleiner als größer.
    Das Argument der Unterhaltszahlungen ist hier also fehl am Platz und außerdem falsch. Kindesunterhalt ist - wie der Name schon sagt - Unterhalt für das Kind. Der Unterhalt für Frauen nach Trennung und Scheidung wird durch Gesetzgebung und Rechtsprechung seit einiger Zeit deutlich eingeschränkt. Dies führt zu manchen Härtefällen, da es illusorisch ist, dass Frauen, die sich um minderjährige Kinder kümmern und längere Zeit nicht erwerbstätig waren, problemlos in den Arbeitsmarkt einsteigen können. Grundsätzlich begrüßen aber die meisten AktivistInnen des EPD, dass Menschen - Frauen wie Männer - eigene Ansprüche erwerben und nicht nur sekundäre über den/die PartnerIn.
    An den tradierten Rollenmuster wird definitiv nicht von Feministinnen festgehalten. Da haben Sie etwas missverstanden. Wir plädieren schon lange für partnerschaftliche Kindererziehung. Das kann man durch alle möglichen Maßnahmen fördern, z.B. durch mehr Vätermonate beim Elterngeld. Vorschreiben, wer wo und wann arbeiten geht, kann man aber nicht. Das verstößt nämlich gegen Art. 12 GG.

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  4. @A. Knop, Thema Regressionsmodell: "wäre die Kluft zwischen Männern und Frauen eher kleiner als größer." Genau das hatte ich Ihnen und dem geschätzten Auditorium am 19.12.11 in Nürnberg versucht zu vermitteln. Mehr noch, ich hatte versucht Ihnen zu vermitteln, warum wir eine Lohnlücke haben: Weil nämlich die Frauen in Deutschland über mehr Geld verfügen, als Männer! Nachzulesen auch hier: Quelle.

    "Das Argument der Unterhaltszahlungen ist hier also fehl am Platz und außerdem falsch." Herr Martin Beck hatte in der Diskussion zu seinem Vortrag am 19.12.11 ganz klar gesagt, dass fehlende unabhängige Variablen, das Regresionsmodell verfälschen. Die Nichtberücksichtigung von "Unterhaltszahlungen", als unabhängige Variable zur Erklärung der Lohnlücke führt aus wissenschaftlicher Sicht zu falschen Ergebnissen. Wollen Sie also an falschen Ergebnissen festhalten? Warum?

    Im Vortrag des Herrn Martin Beck wurde vorgetragen, dass die Lohnlücke (ohne Unterhaltszahlungen zu berücksichtigen) bis auf 8% natürlich zu erklärende Ursachen hat, die überhaupt nichts mit Diskriminierung zu tun haben.

    Da die Berücksichtigung von weiteren, unabhängigen Variablen im privaten Bereich, wie die empfangene Unterhaltszahlungen oder der Lohn des Ehepartners zu einer weiteren Erklärung der vorhandenen Lohnlücke geführt hätte, ist lediglich deren Nichtberücksichtigung fehl am Platze.

    Mit anderen Worten, die Aufnahme weiterer Variablen kann die Lohnlücke vollständig erklären, es entsteht eine Differenz von 0%, bei vollständiger Aufklärung: Damit wäre allerdings die gesamte Diskussion um Diskriminierung, Diskriminierungsgefahren, "Diskriminierungsfreie Verfahren und Methoden", "Bekenntnis zur Diskriminierungsfreiheit", usw. überflüssig, da alles natürlich erklärbar!

    Wer also die Hinzunahme weiterer, unabhängiger Variablen verhindert, möchte lediglich eine Ideologie, oder eine religiöse Überzeugung verteidigen: Die Nichteinführung weiterer erklärender Variablen belässt uns weiterhin im GLAUBEN, da wäre eine Diskriminierung, eine Diskriminierungsgefahr, usw. vorhanden, die Einführung dieser Variablen würde uns die wissenschaftliche GEWISSHEIT geben, dass da keine Diskriminierung vorliegt.

    Wenn ich Sie richtig verstehe, sie wollen weiterhin GLAUBEN, also nicht WISSEN?

    Würden wir das WISSEN fördern, dann kämen so erstaunliche Binsenweisheiten an den Tag, wie z. B., dass die größere Lohnlücke eine Wohlstandserscheinung ist - je ärmer ein Land, desto geringer die Lohnlücke! Da wir aber nichts vom WISSEN wissen wollen, dann GLAUBEN wir an eine Diskriminierung, eine Diskriminierungsgefahr, usw. wie die Initiative immer wieder betont: Quelle.

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  5. Die Behauptung, der 23%-Paygap beziehe sich auf den Stundenlohn, ist falsch. Es gibt keinen Tarifvertrag, der schlichtweg am Geschlecht den Lohn aufhängt. Es wurde4 aber schon verbindlich festgestellt. dass Lohnunterschiede auf 8% herunter erklärbar sinbd und NICHT MIT DISKRIMIERUNG zu tun haben, aber genau dieses wird hier weiter behauptet und im Gegenteil, wider besseres Wissen wird weiter Forschung und der Nachweis einer NICHT-Diskrimierung mit allen Mitteln verhindert, denn sonst versiegen die Fördergelder!

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  6. Es müssen alle Einkommensarten berücksichtigt werden, vor allem der Unterhalt, der nicht nur an die Kinder gezahlt wird, sondern auch an die Ex-Frau. Denn das ist Geld, über das die Mütter frei verfügen können und den Vätern nicht mehr zur verfügung steht. So kommt es, das erwerbstätigige Frauen, ca. 150 Euro mehr in der Tasche haben, als Männer, und das, obwohl Frauen wesentlich weniger Arbeiten.

    Weiter ist es unsinn, eine Psyschich belastende Arbeit mit einer Körperlich belastenden Arbeit gleichzusetzen. Die Psyche kann leicht geheilt werden, oder die Person kann eine umschulung bekommen, bei Körperlicher Arbeit ist das nicht möglich, hier sind aufwendige Operationen notwendig, der Körper ist danach nicht mehr so belastbar wie vorher, auch umschulung ist schwer, viele Männer, die auf dem Bau gearbeitet haben, haben Hüft-und Gelenkprobleme, hier scheidet auch ein Computerarbeitsplatz aus. Deshalb ist das höhere Gehalt gerechtfertigt, kann zu schweigen von den Bedingungen, die dort herrschen, Hitze, Kälte, Regen usw. was wiederum die Gesundheit negativ beeinflusst. All das ist in den sogenannten Psychisch Belastenden Berufen nicht gegeben, was auch immer das für Berufe sein sollen.

    Auch wurde schon mehrfach festgestellt, das das unterschiedliche Einkommen nicht auf Diskriminierung beruht. Wenn Frauen also genauso viel Verdienen wollen, dann müssen sie auch die gleichen Berufe ergreifen und das gleiche Leisten. Ich wünsche viel spass als Dachdeckerin, vielleicht sehen Frauen dann mal ein, was eine Belastende Arbeit ist.

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  7. @Angelika Knop: "Kindesunterhalt ist - wie der Name schon sagt - Unterhalt für das Kind."
    und damit Ehegattenunterhalt Unterhalt dür den/die (Ex-)Ehegatten.

    Komisch ist nur, warum bei all diesen Einkommensberechnungen und -Statistiken der geleistete Unterhalt nicht vom eigenen Einkommen abgezogen wird und damit das Einkommen vieler Männer künstlich hochgerechnet wird.

    PS: andere Statistiken schreiben davon, daß (weltweit) ca. 80% aller Geldausgaben von den Frauen bestimmt werden. Ich wäre z.B. sehr zufrieden, wenn ich (ohne eigenes Einkommen) 80% des Verdienstes einer gut verdienenden Ehefrau ausgeben könnte ;)

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  8. Bislang ist es niemandem gelungen, schlüssig zu erklären, weshalb Arbeitgeber überhaupt noch Männer beschäftigen, wenn doch Frauen angeblich gleiche Leistungen für erheblich weniger Geld erbringen.
    Zudem gibt es keinen einzigen Tarifvertrag, der eine geringere Bezahlung von Frauen vorsieht - und im öffentlichen Dienst verdient eine Inspektorin keinen Cent weniger als ein Inspektor.

    Außerdem profitieren Frauen in besonders hohem Maße von gesetzlicher Renten- und Krankenversicherung, die in erster Linie von Männern finanziert werden. Wollte man tatsächlich Gerechtigkeit, müssten die Beiträge für Frauen deutlich über denen der Männer liegen.

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  9. @ Michael Baleanu: Da liegt wohl nicht nur, wie Angelika Knop feststellte, eine Fehlinformation sondern auch ein Wissensdefizit vor. Abgesehen davon, dass zwischen ehelichem, getrenntlebenden und nachehelichen Unterhalt unterschieden werden muss, gleichen letztere lediglich die Differenz zum Einkommen aus - sie erhöhen es nicht! M.w.W. Was die unterhaltsberechtigte Person verdient mindert Höhe der Unterhaltsleistung des Unterhaltspflichtigen. Und Kindesunterhalt steht nicht automatisch der Mutter des Kindes zu. Eine Nichtvereinbarkeit mit dem GG ist bereits deshalb abwegig, da grundsätzlich beide Erziehungsberechtigten eine Halbtagesstelle antreten könnten. Es ist vielmehr so, dass der Staat gem. Art.3 Abs.2 Satz 2 GG auf die Beseitigung bestehender Nachteile hinwirken muss. Und leider sind nach wie vor hauptsächlich Frauen benachteiligt. Daher ist der EPD ein wichtiger Tag. Unter anderem um Wissensdefizite auszugleichen und falsche Informationen und Fehlinterpretationen zu vermeiden.

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  10. @ anonym: Nein, die Aussage ist richtig: Der Gender Pay Gap ist der prozentuale Unterschied im durchschnittlichen Bruttostundenverdienst von Frauen und Männern. Nachzulesen beim Statistischen Bundesamt. Wenn man dann verschiedene Faktoren wie z.B. Berufsjahre erklärend wertet, kommt man auf eine bereinigte Lohnlücke von 8%. In diesem "unerklärten Rest" kann sich Diskriminierung verbergen, es könnte auch andere Erklärungen dafür geben. Umgekehrt ist eine "Erklärung" aber auch nicht notwendigerweise eine Rechtfertigung, weil man Faktoren auch anders gewichten kann. Über all dies kann man diskutieren und dabei zu verschiedenen Lösungen kommen. Fakt ist aber, dass Frauen im Schnitt (!) aus gleicher Arbeitszeit weniger Einkommen beziehen als Männer. Und das führt u.a. zu einer "Rentenlücke" und größeren Altersarmut bei Frauen. Und dagegen wendet sich am EPD ein großes gesellschaftliches Bündnis - übrigens von Frauen und Männern, von Gewerkschaften und Arbeitgebern.

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  11. @ Robert Wachinger:
    Es sind keine Einkommensberechnungen, sondern - wie mehrfach gesagt - Lohn- und Gehaltsstatistiken, die die Grundlage für die Diskussionen am EPD bilden. Es gibt auf der Welt noch viele Statistiken, die anderes abbilden. Aber darum geht es hier eben nicht.
    Die erwähnte "Statistik", wonach 80% aller Ausgaben von Frauen bestimmt werden, ist eine Schätzung und bezieht sich auf die USA. Sie stammt aus Tom Peters "Re-Imagine! Business Excellence in a Disruptive Age" von 2003 und wird durchaus kritisch diskutiert. Es geht hier um MArketing und Entscheidungen. Frauen entscheiden über Ausgaben im Haushalt - von den Kleidern für die Kinder bis zu Farbe des Autos, von der AMragarinesorte bis zum Backofenreiniger. Letztendlich kann man auch verkürzt sagen: Frauen erledigen den Einkauf.

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  12. @Michael Baleanu die zweite: In der Diskussion in Nürnberg hatte ich Ihnen ja noch statistisches Wissen bescheinigt, da Sie so eifrig mit Drucksachennummern und Zahlen zitierten. Ich nehme das zurück. Beim aufmerksamen Studien Ihrer Quellen sollten Sie erkennen, das diese Ihre Aussagen nicht be- sondern widerlegen oder sich kein Zusammenhang herstellen lässt.
    Herr Beck hat nie von "Verfälschung" der Statistik gesprochen, sondern von Variablen, die das Ergebnis beeinflussen. Diese Variablen können aber nur systemimmanent sein. Zum Beispiel können Ausbildung, Berufsjahre, Position etc. Lohn- und Gehaltsunterschiede erklären. Unterhaltszahlungen - und diesen Hinweis mache ich an dieser Stelle zum letzten Mal - sind keine erklärende Variable. Beharren Sie weiter auf dieser Verbindung, würde das bedeuten: Frauen, die Unterhalt beziehen, bekommen weniger Lohn vom Arbeitgeber. Das wäre dann in der Tat eine Diskriminierung.
    Im Übrigen stelle ich mich gerne weiter sachlichen Argumenten und einer Diskussion um Aussagen, die ich tatsächlich getätigt habe. Zur Abwehr pauschaler und nicht zutreffender Behauptungen, die Sie mir, der EPD-Bewegung oder dem Feminismus zuschreiben, habe ich weder Lust noch Zeit.

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  13. Robert WachingerFreitag, 06 Januar, 2012

    @Angelika Knop:
    "Es sind keine Einkommensberechnungen, sondern - wie mehrfach gesagt - Lohn- und Gehaltsstatistiken, die die Grundlage für die Diskussionen am EPD bilden."
    Den EPD gibt es, weil davon ausgegangen wird, dass der "Pay Gap" ein Diskriminierung der Frau sei. Einfache Lohn- und Gehaltsstatistiken lassen aber keinerlei Aussagen darüber zu, ob eine Diskriminierung (z.B. daß eine Frau nur deshalb weniger verdient, weil sie eine Frau ist, aber obwohl sie mehr verdienen will, aufgrund ihres "Frauseins" keine Chance dazu hat) vorliegt oder nicht.
    Um entscheiden zu können, ob eine Diskriminierung vorliegt, muss man andere Faktoren mitberücksichtigen, z.B. das schon zur Verfügung stehende Geld (das, wie z.B. Unterhalt, aus anderen Quellen als Lohn und Gehalt kommt), andere Kriterien zur Jobwahl (wie Arbeitszeit, Wohnortnähe u.dgl. mehr), körperliche/geistige Leistungsfähigkeit usw. usf.

    Dies wird m.W. aber nicht getan, was zeigt, daß der EPD eine rein ideologische Veranstaltung ist.

    PS: ein Indiz dafür, daß Frauen (im großen Durchschnitt) gar nicht soviel Wert auf viel Gehalt legen wie Männer (ein "Diskriminierung" deshalb unwahrscheinlich wird) ist m.E., daß der Gender Pay Gap bei Selbständigen (die eben durch ihren eigenen Einsatz ihr Gehalt im Wesentlichen selbst bestimmen!) noch höher (bei 30 bis 40% Unterschied) liegt.
    Ein weiteres Indiz ist, daß sogar im öffentlichen Dienst, wo die Bezahlung unabhängig von der Leistung nur an Dienstzeit und Tätigkeit liegt, der Gender Pay Gap nicht verschwindet.

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  14. @Wachinger: Ja - und den Welt-Aids-Tag schaffen wir nach dieser Logik dann auch ab, weil die Krankheit nicht Folge einer Diskriminierung ist, sondern das Virus jeden treffen kann. Es geht bei Aktionstagen um Aufmerksamkeit für ein Problem, das viele Ursachen haben kann. Und dadurch tut man einen Schritt zu deren Bekämpfung.
    PS: Ein Indiz, dass Frauen sehr wohl Wert auf gleiche Bezahlung legen, ist der Equal Pay Day.

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  15. Robert WachingerFreitag, 06 Januar, 2012

    @Knop: "PS: Ein Indiz, dass Frauen sehr wohl Wert auf gleiche Bezahlung legen, ist der Equal Pay Day."

    Richtig. Wenn denn der EPD von allen Frauen organisiert und befürwortet werden würde ;)
    Aber es stimmt schon, ich hab mich verkürzt ausgedrückt: es kommt nicht nur darauf an, die gleiche Bezahlung zu bekommen, sondern auch darauf, was man dafür tun/opfern will. Ich hätte auch gerne das Gehalt von Hrn. Ackermann, bin/war aber nie bereit, die gleichen Entbehrungen dafür auf mich zu nehmen. Ist es ungerecht und eine Diskriminierung, daß ich heute nur ca. 1/3 Prozent des Ackermann-Gehalts erhalte? ;)

    "Es geht bei Aktionstagen um Aufmerksamkeit für ein Problem, das viele Ursachen haben kann."
    Das kann man halt auch übertreiben. Bei mir kommt mit dem EPD an, daß da wieder mal viele ein Riesengeschrei um erfundene Benachteiligungen machen, aber nicht bereit sind, selber dafür was zu leisten. Die Wirkung derartiger Aktionen nutzt sich auch mal ab ...

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  16. Frauen sind definitiv privilegiert. Beispielsweise mussten sie nie einen Zwangsdienst Bundeswehr oder Ersatzdienst leisten, der nach wie vor immer noch gegen Männer im GG steht, sie erhalten eine bessere Gesundheitsfürsorge, leben auch dadurch 6 Jahre länger, werden vor Gericht milder bestraft, sie werden in der Bildungs- und Arbeitsmarktspolitik überproportional gefördert, werden per positiver Diskriminierung und per Quoten in Spitzenpositionen in Wirtschaft, Wissenschaft und Politik gefördert, um nur mal einige wichtige Privilegien der gemeinen Frau zu nennen. Nicht zu vergessen, dass Frauen über 80% der Kaufkraft verfügen, die vorrangig von ihren Männern verdient wird. Genau so wie in der Kranken und Rentenversicherung, wo sie nur einen geringen Bruchteil beitragen, aber drei viertel der Gelder verbrauchen. Wieder auf Kosten der Männer.
    Die Spitzenpositionen von einer Handvoll von männlichen Inhabern der politischen oder wirtschaftlichen Macht sind dagegen keineswegs das Ergebnis von Privilegien (welchen denn auch?), und überdies hat der gemeine Mann absolut nichts davon, dass angeblich "die Männer" an der Macht sind.

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  17. @ Angelika Knop
    Ich finde tatsächlich, dass man den EPD abschaffen sollte solange er nur als einziges ein Problem einer ungleichen Bezahlung von Frauen sieht. Das wäre wie ein Welt-Aids-Tag der nur auf die von Aids betroffenen Frauen aufmerksam machen möchte.

    Betrachtet man Gründe wie schlecht bezahlte Branchen/Berufe, dann hat das wohl reichlich wenig mit dem Geschlecht zu tun und eignet sich nicht mal im entferntesten dazu darin ein schlechtere Bezahlung von Frauen gegenüber ihren männlichen Kollegen zu finden.

    Immerhin machen solche Unterschiede den größten Teil des unbereinigten Pay Gaps aus. Wobei auch fraglich ist wieviel durch strukturelle Unterschiede der bereinigte Gap erklärt werden könnte.

    Warum bezieht sich der EPD dann also nur auf ungleiche Bezahlung von Frauen?

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  18. @Sebastian: Warum der EPD nur für Frauen? Warum der "Tag der dt. Einheit" nur für Deutschland? Warum der Weltkrebstag nur gegen Krebs und nicht gegen andere Krankheiten? Natürlich gibt es vermutlich auch ungleiche Bezahlung, wenn man andere Gruppen, z.B. Migranten, untersucht. Der EPD entstand auf Initiative eines Frauenverbandes - deshalb. Der allgemeine Tag für gerechte Bezahlung könnte ja der 1. Mai sein.

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  19. @anonym: Argumente ohne Wahrheitsgehalt werden durch Wiederholung auch nicht wahr. Insbesondere die Behauptung, dass Frauen vor Gericht milder bestraft werden, ist definitiv falsch!!!

    Das Thema Wehrpflicht ist verfassungsrechtlich schlüssig begründet und sprengt den Rahmen eines Kommentars.

    Die Gesundheitsfürsorge für Frauen ist nicht besser, statistisch betrachtet legen Frauen nur mehr Wert auf Gesundheit und Vorsorge (Gender-Datenreport 2005). Viele Männer scheinen zu bequem und/oder ängstlich zu sein, diese in Anspruch zu nehmen. Dies lässt sich leicht am Beispiel der Zahnprophylaxe wie z.B. PZR (professionelle Zahnreinigung) erklären (Emnid-Studie für Colgate und Bundeszahnärztekammer 2004).
    Mangelnde Mundhygiene hat zur Folge, dass Zahnersatz notwendig ist – und dies treibt die Kosten für die Allgemeinheit drastisch in die Höhe.

    PZR ist im Prinzip ähnlich wie bei PKWs. Regelmäßig zur Inspektion und Öl checken - und der Motor bleibt erhalten. Ansonsten ist Austauschmotor (bzw. Zahnersatz analog) notwendig.

    Was die angebliche Kaufkraft anbelangt, so liegt dies größtenteils daran, dass viele Männer die Einkäufe Frauen überlassen. Diese kaufen günstiger ein, da sie allgemein übliche Marktpreise kennen – allerdings kaufen sie für die Familie und nicht für sich allein.

    Kranken- und Rentenversicherungsbeiträge sind einkommensabhängig. Solange die Frau weniger verdient als der Mann, ist der Pflichtbeitrag auch niedriger. Und wer weniger Rentenbeitrag zahlt, bekommt später auch weniger Rente – daher ist Altersarmut vor allem weiblich.

    Quoten und Fördermaßnahmen in der Wirtschaft – die bisher nicht verbindlich und selten sind - sind gesetzlich nur zulässig, um bestehende Ungleichheiten auszugleichen.

    Im Übrigen verweise ich auf die in den vorherigen Kommentaren vorgebrachten Tatsachen und betone, dass eine Wiederholung unschlüssiger und definitiv falscher Behauptungen den Wahrheitsgehalt und/oder die Schlüssigkeit derartiger Thesen nicht erhöht! Weitere Kommentare zu Kommentaren halte ich für sinnlos, denn ich folge der Faustregel: „Fakten, Fakten, Fakten und an Leser/innen denken!“

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  20. An alle Männer, die versuchen, in diesem Blog per Kommentar Ihrem Hass auf Frauen Ausdruck zu verleihen, nun noch dies:
    AN ABSENDER ZURÜCK!

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