Donnerstag, 26. Januar 2012

Qualitäts-Journalismus für 300 Euro



Loben wir mal den Kultur- und Medienausschuss des Bundestags, der sich kürzlich zum dritten Mal mit der neuen Medienwelt und deren Auswirkungen auf den Qualitätsjournalismus befasste. Bei der Expertenanhörung dabei: leider nicht der Journalistinnenbund, dafür  die DJV-Vertreterin Ulrike Kaiser, Cornelia Haß von DJU Verdi und Benno Stieber für die Freischreiber.
Haß machte klar, dass den JournalistInnen immer weniger Zeit für ausführliche Recherchen bleibe, auf der Strecke blieben auch Fortbildungen, um etwa Bilanzen oder Statistiken richtig lesen zu können. Sie wagte sich auch an Tabuthemen.
Darunter "Presseförderung durch die Regierung" und "Journalismus als öffentliche Aufgabe".
Benno Stieber vertrat die Position freier Journalisten:
"Eine Reportage bei einer großen Tageszeitung bringt heute selten mehr als 300 Euro. Dafür muss ein freier Journalist ungefähr eine Woche arbeiten. Eine Reisereportage bei Spiegel-Online bringt 180 Euro. Und darin ist das Honorar für die Bilder schon enthalten."
Dem stellte Stieber die guten Geschäfte der Verlage entgegen: "Bei Springer stieg der operative Gewinn um 15,7 Prozent. Die ZEIT hatte eine Auflagensteigerung um 20 Prozent. Burda steigerte den Umsatz um 26 Prozent auf 2,17 Mrd. Euro."

Helmut Heinen,  Präsident der deutschen Zeitungsverleger (BDZV) und Herausgeber der "Kölnischen Rundschau" meinte dazu locker, dass es einfach zu viele Freie auf dem Markt gebe (klar, wurden letztes Jahr ja auch erst wieder 1000 Feste in die Medienwildnis entlassen). Besonders apart seine Feststellung:
„Wir haben als Unternehmen  natürlich das Ziel, guten Journalismus zu günstigen Kosten einzukaufen ... dadurch, dass ich denselben Redakteur besser bezahle, leistet er nicht  zwingend bessere Arbeit.“


Kommentare:

H_grosse hat gesagt…

Diese Meinungsäußerugn zur besseren Bezahlung von Journalisten von Helmut Heinen zieht einem ja die Schuhe aus! Bin richtig verärgert über so eine Aussage. Ich wünschte mir, er müsste sich als freier Journalist finanzieren und ewig für ein Thema recherchieren, um dafür 300 Euro zu bekommen!
H_grosse

Laura H. hat gesagt…

"Dadurch, dass ich denselben Redakteur besser bezahle, leistet er nicht zwingend bessere Arbeit.“

Da bin ich doch mal sprachlos. Kommt auf den ersten Blick als Trivialität daher. Aber wieso gilt das nicht für Manager, Professoren, ect.? Ganz richtig, wegen des Arguments: Die Guten bekommt man eben nur, wenn man ihnen genug Anreiz bietet. Und das gilt eben nicht nur für Manager und Professoren.