Donnerstag, 29. März 2012

"Eine Frau, die einen Mann betrachtet, der Frauen betrachtet" - Ausstellung in der Münchner Pinakothek der Moderne

Plakat: Pinakothek der Moderne



Die bisher größte Ausstellung in der Münchner Pinakothek der Moderne wird sicher noch manche Diskussionen auslösen - in den Medien, zwischen FreundInnen oder Paaren. In 14 Sälen sind 85 berühmte Frauenbildnisse von "drei der einflussreichsten Künstler des 20. Jahrhunderts" zu sehen: Pablo Picasso, Max Beckmann und Willem de Kooning.


Es ist das Herzensprojekt der scheidenden, langjährigen Kuratorin Carla Schulz-Hoffmann, die überzeugt davon ist, dass den Frauen in der Kunst dieser Maler eine weit größere Bedeutung zukommt als über die üblichen Klischees von Weiblichkeit, Unterwerfung oder Bedrohung. Auf 1800 qm und in fünf Kapiteln sind Frauen als Porträt und Idol zu sehen, selbstvergessen in sich ruhend, in Ekstase oder als Spiegelbild des Künstlers ("Picasso reflektiert alles Positive und Negative, das ihn beschäftigt, in Frauenbildern"). Dabei wird jede/r beim Betrachten "einer Frau nach der anderen" wohl etwas anderes sehen und fühlen - wilde explosive Gestalten, zertrümmerte Frauen, selbstsichere Blicke, überdimensionierte, gespreizte Oberschenkel unter kleinen Köpfen.

"Ich wüsste keine einzige Geschichte über diese Fantasiefrauen zu erzählen", schreibt  die Schriftstellerin Siri Hustvedt in einem Beitrag zum Katalog der Ausstellung. Unter dem Titel "Eine Frau, die einen Mann betrachtet, der Frauen betrachtet", versucht sie, sich den Bildinhalten ohne Schubladendenken und zigmal Erzähltes zu nähern. Und doch "wir sind alle Geschöpfe dieser tiefen Abgründe und erstickenden Mythen und Picassos, Beckmanns und de Koonings Fantasiewesen haben ihren Anteil daran."

Die Ausstellung in der Pinakothek der Moderne ist bis zum 15. Juli in München zu sehen.

Kommentare

  1. Wer Interesse an der Ausstellung hat: Auf unserer Jahrestagung vom 22.-24.Juni in München ist eine Führung geplant - vermutlich am Sonntag Nachmittag.

    AntwortenLöschen

Wir freuen uns über Kommentare.
Sie sollten aber fair sein. Beleidigungen haben bei uns keinen Platz.
Da die Kommentare erst geprüft werden, kann es mit der Veröffentlichung einen Moment dauern.